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Chronik Wien
05/08/2020

Rechnungshof: Scharfe Kritik an U4-Modernisierung

Die Sanierung trage nur begrenzt zu einem verlässlicheren Betrieb bei. Das sollen die Wiener Linien auch so kommunizieren, sagen die Prüfer.

von Stefanie Rachbauer

Die seit Jahren andauernden Sanierungsarbeiten entlang der U4 werden die Zuverlässigkeit der grünen Linie für die Fahrgäste nur begrenzt erhöhen. Das geht aus einem Bericht des Rechnungshof hervor, der heute, Freitag, erschienen ist.

Der Grund: Nur 14 Prozent der Ausfälle waren zuletzt auf die Infrastruktur zurückzuführen. Ihre Modernisierung wird laut den Prüfern daher auch nur einen begrenzten Beitrag zur Steigerung der Zuverlässigkeit der Linie U4 leisten. Der Rechnungshof empfiehlt den Wiener Linien, "dies der Öffentlichkeit zu kommunizieren".

Zur Erinnerung: In den Jahren 2011 und 2012 kam es vermehrt zu Störungen bei der Linie U4. Damals erklärten die Wiener Linien, dass sich die Gesamtpünktlichkeit der Linie unter anderem wegen des hohen Alters der Anlagen verschlechtert habe.

Im Jahr 2012 beauftragte die Stadt den Verkehrsbetrieb daher, eine „großangelegte“ Modernisierung der Linie U4 zu prüfen. Und zwar mit dem Ziel, so die Zuverlässigkeit und die Betriebssicherheit zu erhöhen.

Zuverlässigkeit unter dem Schnitt

Die Prüfer halten fest, dass die Zuverlässigkeit der Linie U4 im Zeitraum 2009 bis 2018 aus Fahrgastsicht grundsätzlich auf einem hohen Niveau lag - nämlich zwischen 99,65 Prozent und 99,95 Prozent. Aber: Das ist unter dem Durchschnitt aller Wiener U-Bahnlinien.

Bei der Anzahl der Störungsmeldungen, die auf die Infrastruktur zurückzuführen sind, lag die U4  häufig über dem Durchschnitt. Insgesamt waren die Ursachen für die Ausfälle der Linie U4 zu 51 Prozent auf die Fahrzeuge zurückzuführen, zu 30 Prozent auf Kunden bzw. externe Einflüsse - und eben nur zu 14 Prozent auf die Infrastruktur.

Viele Maßnahmen nicht wahrnehmbar

Bis zum Ende der Sanierung im Jahr 2024 sollen laut Bericht rund 379 Millionen Euro in die Modernisierung der Linie U4 fließen. Nur 15 Prozent dieser prognostizierten Kosten betreffen Maßnahmen, die von den Fahrgästen direkt wahrnehmbar sind: Dazu zählen etwa die Sanierung und Erneuerung von Stationen, von Bahnsteigen, von Fahrtreppen und Stiegen sowie der Einbau der Videoüberwachung.

Der Rechnungshof empfiehlt den Wiener Linien, ihre Anstrengungen zur Steigerung der Zuverlässigkeit und Betriebssicherheit der Linie U4 anhand nachvollziehbarer Kennwerte "proaktiv" zu kommunizieren.

Und: Die Öffentlichkeitsarbeit soll nicht auf die Kommunikation des Zuverlässigkeitswerts beschränkt sein. Auch weitere für die Fahrgäste fassbare Kennwerte, wie etwa Anzahl und Dauer von Störungen, sollten veröffentlicht werden.

Wiener Linien: "Arbeiten zeigen Wirkung"

Die Wiener Linien entgegneten im Bericht, dass sich zur Zeit der Überprüfung noch keine verlässlichen Schlussfolgerungen ziehen lassen, da das Sanierungsvorhaben noch bis 2024 andauere. In einer Stellungnahme gegenüber der APA hieß es: „Die Modernisierungsarbeiten zeigen natürlich Wirkung.“

Nach der Sanierung des U4-Westastes im Jahr 2016 (gemeint ist damit der Bereich zwischen Hütteldorf und Schönbrunn) hätten die Störungen 2018 im Vergleich zu 2015 für die Fahrgäste um 18,2 Prozent reduziert werden können. „Bei insgesamt 28 Störungen konnte eine Einstellung des Fahrbetriebs verhindert werden.“

Die gesamte Zuverlässigkeit der U4 sei 2018 bei 99,27 Prozent gelegen. „Von 1.000 Fahrten sind nicht einmal sieben Züge ausgefallen bzw. konnten ihr Kilometerpensum nicht wie geplant erfüllen.“

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