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Chronik Wien
10/25/2019

Warum die U4 als Problemlinie im Wiener U-Bahnsystem gilt

Für die Wiener Linien ist sie kein Sorgenkind, dennoch gilt sie als störungsanfällig. Verkehrspsychologen erklären den zweifelhaften Ruf.

von Stefanie Rachbauer

Eine Stellwerkstörung legt seit Freitagfrüh die U4 lahm. Zwischen Karlsplatz und Schottenring können in beide Richtungen keine Züge fahren. Zunächst hatten die Wiener Linien damit gerechnet, dass die Störung bis 10 Uhr behoben sein wird. Tatsächlich war ein Fahrbetrieb, vorerst mit unregelmäßigen Intervallen, erst ab kurz vor 19 Uhr wieder möglich.

Das Ende der Unterbrechung war stundenlang nicht abschätzbar, sagt ein Sprecher auf KURIER-Nachfrage im Laufe des Freitags: "Wir sind mit dem Hersteller bei der Signalanlage und arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung."

Obwohl die grüne Linie als störanfällig gilt, ist sie für die Wiener Linien kein Sorgenkind.

Ihre Zuverlässigkeit lag in den vergangenen Jahren - wie auch jene der anderen Linien - stets bei einem Wert um 99 Prozent, betont der städtische Verkehrsbetrieb.

Woher kommt aber dann der zweifelhafte Ruf der U4? „Möglich wäre, dass mit dieser Linie einfach die größten Schreier fahren“, sagt Verkehrspsychologe Ralf Risser.

Dass sich Fahrgäste über U-Bahn-Ausfälle ärgern, sei eine natürliche Reaktion: „Wenn wir bei der Erreichung unserer Ziele – wie pünktlich in die Arbeit zu kommen - behindert werden, entsteht Frustration. Das ist wissenschaftlich gut untersucht. Dann denkt man sich: ,Nicht schon wieder‘“.

Mehr Erklärung nötig

Für die Wiener Linien wäre es allerdings ratsam, Störungen ausführlicher zu erklären, sagt Risser. „Als Laie versteht man ja nicht, was dahintersteckt und denkt, es war Schlamperei. Dass das in der Regel nicht so ist, könnte man den Fahrgästen besser verklickern.“

Hinzu komme die spezifische Situation auf der U4, sagt Christian Korunka von der Fakultät für Psychologie an der Universität Wien. „Die U4 wird seit Jahren saniert. Die Fahrgäste erleben also, dass sich ständig etwas ändert.“ Und diese Erfahrung bleibe. „Deshalb denkt man: ,Schon wieder die U4‘.“

Generell sei die Herausforderung im öffentlichen Verkehr: Wenn er funktioniert, macht das nicht zufrieden. Das wird als Selbstverständlichkeit wahrgenommen. Funktioniert er aber nicht, macht es unzufrieden.“

Nicht zu unterschätzen sei auch die Wiener Mentalität, sagt Korunka: „Die wirkt sicher unterstützend.“

Unregelmäßige Intervalle, keine Rolltreppe, falsche Anzeigen

Bis der Betrieb der U4 Freitagabend wieder reibungslos laufen konnte, dauerte es jedoch etwas. Vorerst waren die Züge noch in unregelmäßigen Intervallen unterwegs. Und die elektronischen Anzeigetafeln der U4 verkündeten beispielsweise um 20 Uhr bei der Station Landstraße nach wie vor, dass "Kein Betrieb" stattfinde. Dabei war die U4 zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehr als einer Stunde wieder im Einsatz. Nicht so hingegen die Rolltreppe bei der Station Landstraße: Die Öffi-Fahrer mussten ihr Hab und Gut über die Treppen tragen.