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Chronik Wien
06/02/2020

Querfeld gegen Regierung: Was die Cafetiers ärgert

Der Chef des Café Landtmann hat eine Kontroverse mit der Bundesregierung. Manche wollen nun lieber nicht mehr über die Probleme der Branche sprechen, andere zeigen sich solidarisch.

von Julia Schrenk

Berndt Querfeld möchte dazu vorerst keine Interviews geben.

„Dazu“ – damit meint der Wiener Cafétier und Betreiber des Café Landtmann, die Kontroverse mit der Bundesregierung seit seines Interviews im Standard am Samstag.

Darin erklärte Querfeld (wie berichtet), dass er nicht sicher sei, ob er die Krise mit seinem Unternehmen übersteht. „Die Hilfspakete sind zerplatzte Luftballons“, sagte Querfeld wörtlich.

Das Tourismusministerium veranlasste das am Sonntag zu einer Retourkutsche. Via heute.at ließ man wissen: Querfeld habe durchaus etwas bekommen. "Promi-Wirt klagt über Corona-Geld, bekam aber 1 Million" titelte das Blatt online.

Laut Berndt Querfeld handelt es sich dabei um die Finanzierung der Kurzarbeit für seine 350 Mitarbeiter. Die habe er nämlich nicht gekündigt, sondern die sozial verträglichere (aber wirtschaftlich schlechtere) Variante der Kurzarbeit gewählt. Zuschüsse, die im Unternehmen bleiben, habe er keine bekommen, sagt er dem Standard.

"Ungute Situation"

Dass die Bundesregierung so gegen einen bekannten Cafétier vorgeht, hinterlässt Spuren in der Wiener Gastronomie. Darüber, dass Lokale wieder geschlossen, Öffnungszeiten verkürzt werden müssen, will am Dienstag kaum jemand reden.

Auch nicht darüber, ob schon Hilfsgelder geflossen sind. „Sie haben eh gesehen, was mit dem Berndt Querfeld passiert ist“, sagt ein Cafétier zum KURIER. Die Situation sei „ungut“, weil ja noch um Förderungen angesucht werden kann. Den Fixkostenzuschuss doch nicht bewilligt zu bekommen, weil man ein Interview gegeben hat, das könne er sich nicht leisten.

Dabei sind sich die Gastronomen einig: Was Berndt Querfeld beschrieben hat, sei die Lebensrealität der Gastronomen. „Querfeld hat einen Vorzeigebetrieb. Die Regierung hat einen Klassenkampf angezettelt: Arbeitnehmer gegen Unternehmen“, sagt ein Gastronom zum KURIER.

Dazu kommt der Sturm der Entrüstung, in dem Querfeld nun geraten sei. Obwohl er seine Mitarbeiter nicht gekündigt, sondern zur Kurzarbeit angemeldet hat, werde er jetzt als "Bonze" verunglimpft.

Die Auskunft gibt auch dieser Gastronom nur unter Wahrung seiner Anonymität.

"Die haben Angst"

Nur eine will am Dienstag noch etwas sagen: Jutta Scheuch, Chefin des Café Goldegg im 4. Bezirk. „Uns so im Regen stehen zu lassen, das macht mich zornig. Wir sind zu Bittstellern geworden, dabei geht es um unsere Existenz. Wie soll man ein Kaffeehaus erhalten, ohne Studenten, ohne Schüler, ohne Pensionisten, ohne die, die im Home Office sind?"

Nach der Causa Querfeld würden sich viele nicht mehr trauen, Kritik anzubringen. „Die haben Angst“, sagt Scheuch. Sie will trotzdem etwas sagen: Dass Querfeld nun so unter Beschuss gerät, habe er nicht verdient. "Er ist ein Vorbild", sagt Scheuch.

Gert Kunze, Betreiber des Café Eiles, hat Mitte April ein „Wutvideo“ auf Facebook hochgeladen. Mittlerweile ist er entspannter: Er habe Hilfen beantragt und auch zugesprochen bekommen.

Dass Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) höchstpersönlich bei ihm angerufen hat, nachdem er das Video veröffentlicht habe, habe er nicht als Einschüchterungsversuch verstanden. „Nach dem Video hat mich der Blümel angerufen und gefragt: Was können wir tun?“