Das Strandcafé  an der Alten Donau hat nach fast zwei Jahren Pause seit 15. Mai wieder geöffnet 

© Kurier/Gerhard Deutsch

Chronik Österreich
05/22/2020

Eine Woche Gastro-Öffnung: Sieben magere Tage

Den Wirten fehlen Touristen und heimische Gäste. Wo man draußen im Grünen sitzen kann, läuft das Geschäft besser als in den Innenstädten.

von Julia Schrenk, Gerhard Deutsch

Freitag? „Eine Katastrophe.“ Samstag? „Naja.“ Sonntag? „Einigermaßen okay.“ Montag und Dienstag? „Die nächste Katastrophe.“

Roman Heinisch betreibt das Restaurant „Zur Alten Kaisermühle“ an der Alten Donau in Wien. Wer einen sommerlichen Frühlingstag am Wasser verbringen mag, der kommt an dem Gasthaus fast nicht vorbei. Fleisch, Fisch, jede Menge Beilagen. Nudeln, Schnitzel, Bier und Spritzer. Es gibt kaum etwas, das man dort nicht essen kann.

Unter „normalen Umständen“ haben auf der Terrasse der Alten Kaisermühle 280 Personen Platz. Wegen der Auflagen, die die Bundesregierung zur Wiedereröffnung der Gastronomie verhängt hat, sind es derzeit maximal 200.

„Seit Mittwoch wird es laufend besser“, sagt Heinisch.

Genau eine Woche ist es heute, Freitag, her, dass die Gastronomiebetriebe unter den strengen Auflagen der Bundesregierung wieder aufsperren durften: Maximal vier Erwachsene dürfen – mit ihren minderjährigen Kinder – gemeinsam an einem Tisch sitzen.

Zu anderen Gästen muss mindestens ein Meter Abstand gewahrt werden. Beim Betreten des Lokals müssen die Gäste einen Mund-Nasen-Schutz tragen, auf dem Weg zur Toilette oder beim Verlassen des Lokals nicht.

Auch für das Personal hat sich einiges geändert: Die Gäste müssen platziert werden, es gilt Maskenpflicht. Künftig soll das gesamte Personal auch getestet werden.

Wie also war die erste Woche, in denen man hierzulande wieder zum Wirten, ins Kaffeehaus, zum Heurigen oder ins Nobel-Restaurant gehen durfte?

Durchwachsen.

Keine Touristen

Die gehobene Gastronomie hat laut Mario Pulker, Obmann der Wirte in der Wirtschaftskammer, einen sehr guten Start hingelegt. Viele Restaurants seien ausreserviert gewesen.

Beim Großteil der Betriebe sei das Geschäft aber schleppend angelaufen. Vielen – in der Wachau genauso wie in der Wiener Innenstadt – fehlen die Touristen. Und dort nicht nur im ersten Bezirk, wie man vielleicht annehmen würde. Auch im 7. Bezirk fehlen die Gäste.

Dort urlauben normalerweise auch viele junge Touristen (in Airbnb-Quartieren), die die Lokalszene unsicher machen. Sie kommen zum Frühstück, trinken Kaffee und essen Kuchen, gehen abends aus.

All diese Konsumationen fallen jetzt weg. Übrig bleiben nur die heimischen Gäste. Und auch die fehlen den Cafetiers und Wirtsleuten.

Hohe Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit – viele können sich den Besuch im Kaffeehaus nicht leisten. Oder wollen das nicht, weil sie sich vor Einsparmaßnahmen im Job fürchten. Auch bei den ab 65-Jährigen – also jenen, die unter die Risikogruppe fallen – bleiben viele zu Hause, wie es empfohlen wird.

Es gibt also deutlich weniger Gäste, die Mittagessen gehen oder einen Geschäftstermin wahrnehmen. Oft sind die Menschen noch im Home Office und noch nicht in die Büros zurückgekehrt.

Keine Kultur

Und: Die Wirte vermissen die Kultur – schmerzlich, wie Gastronom Robert Huth im KURIER erklärte. Die Theater, die Oper, der Musikverein, die Kinos. „Das fehlt alles.“ Damit er Kosten sparen kann, hat Huth nicht alle seine Lokale in Wien wiedereröffnet. Jamie Olivers am Lueger Platz bleibt etwa zu. Die Gastwirtschaft und die beiden Burgerlokale „Rinderwahn“ sind aber geöffnet.

Dass die Wiener Innenstadt aktuell nicht so gut besucht ist, könnte auch mit etwas anderem zu tun haben. Die Stadt wird mit dem Virus gleichgesetzt, die Innenstadt meidet man – bewusst oder unbewusst. „Viele zieht es derzeit an den Stadtrand“, sagt Cafetier Berndt Querfeld.

Denn während sein wohl berühmtestes Café, das Landtmann gegenüber der Universität, mit 75 Prozent Umsatzrückgang zu kämpfen hat (und er das Café Museum in der Operngasse vorerst sogar wieder geschlossen hat), ist sein Bootshaus an der Alten Donau durchaus gut besucht. Die heile Welt am Wasser sei vielen lieber als die wie ausgestorben wirkende Innenstadt.

„Ausflugslokale tun sich da jetzt vielleicht leichter“, sagt auch Robert Huth. Wanderer, Spaziergänger, Radfahrer – auf die zählen viele Wirte jetzt – vor allem am Land.

Da wie dort zeigt sich jedenfalls: Das mit dem Maskentragen hat sich noch nicht bei allen Gästen durchgesetzt. Nicht wenige betreten die Lokale – und dazu zählt auch der Gastgarten – ohne Maske. „Das ist ein Problem“, sagt Wirte-Obmann Pulker. Aber: „Wir können die Gäste nicht belehren. Die drehen sich um und gehen wieder.“

Zumindest die Regel, maximal zu viert (mit minderjährigen Kindern) am Tisch zu sitzen, habe sich gut etabliert. „Zwei oder drei Mal mussten wir Gäste wegsetzen“, sagt Roman Heinisch von der Alten Kaisermühle. Aber das sei wenig problematisch gewesen. „Wir haben ja Platz, auf unserer Terrasse.“.

Und einen unschlagbaren Blick aufs Wasser.