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Chronik Wien
07/18/2021

Bei Unwettern: U-Bahn-Stationen und Kultdisco U4 überflutet

1.200 Feuerwehreinsätze in Wien. In der Neuen Donau gilt wegen des Donau-Hochwassers ab sofort ein Badeverbot.

von Stefanie Rachbauer

Starker Regen und Gewitter haben im gesamten Wiener Stadtgebiet zu Dauereinsätzen der Berufsfeuerwehr geführt. Vom frühen Samstagvormittag bis Sonntag um 13.00 Uhr gab es "1.200 Einsätze in Zusammenhang mit dem Starkregenereignis", berichtete Pressesprecher Jürgen Figerl.

Das betraf vor allem Auspumparbeiten von Kellern, Tiefgaragen oder Unterführungen. Laut Wiener Netze waren zudem insgesamt 6.650 Haushalte vorübergehend von Stromausfällen betroffen.

Die Störungen traten nicht alle gleichzeitig auf, betonte Wiener-Netze-Sprecher Christian Call auf APA-Anfrage. Im Schnitt seien die Kunden nach 90 Minuten wieder am Netz gewesen. Ausgelöst wurden die Stromausfälle durch die "Witterungsbedingungen wie atmosphärische Störungen, Blitzeinschläge in Freileitungen und Überspannungen in Trafostationen", erläuterte Call.

Die Wiener Netze waren demnach mit mehreren Einsatzteams unterwegs, um die Schäden zu beheben. Ohne Strom waren ab dem Abend ein Teil von Floridsdorf im Bereich Brünner Straße, die Donaustadt in Breitenlee und die Schmelz in Ottakring. In Oberlaa in Favoriten und in Inzersdorf im Bezirk Liesing kam es ebenfalls zu Netzausfällen.

Aufgrund der starken Niederschläge im Einzugsbereich der Donau in den vergangenen Tagen führt diese seit Samstag Hochwasser. Das wirkt sich in Wien jetzt auf den Badebetrieb aus. 

Bei Donauhochwasser strömt Wasser in die Neue Donau - also das Entlastungsgerinne des Hauptstroms - ein. Aus "wasserhygienischen Gründen" hat die MA 45 (Wiener Gewässer) am Sonntagvormittag deshalb ein Badeverbot verhängt.

Dieser Schritt werde automatisch gesetzt, wenn die Donau bei Korneuburg einen Pegelstand von etwa 5,3 Metern erreiche, sagt ein Sprecher der MA 45 im Gespräch mit dem KURIER. Sobald das Hochwasser abgeklungen ist, dauere es ein bis zwei Wochen, bis sich die Wasserqualität der Neuen Donau normalisiert hat und das Baden wieder erlaubt ist. 

Donaukanal: Wehr geschlossen

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Hochwasserschutzes der Stadt Wien, die Fachabteilung Wiener Gewässer sind seit gestern im Hochwassereinsatz, hieß es in einer Aussendung. So wurden die Hochwasserzentrale im Einlaufbauwerk in Langenzersdorf sowie die beiden weiteren Wehre 1 und 2 an der Neuen Donau besetzt.

In Nussdorf, wo der Donaukanal von der Donau abzweigt, wurde die Wehr geschlossen. 

Begonnen hätten die intensiven Einsätze im Bezirk Döbling, die sich dann über Floridsdorf und Donaustadt über das ganzes Stadtgebiet ausdehnten, erläuterte Figerl.

Bäche traten über Ufer

Im Süden der Stadt traten der Petersbach und der Liesingbach stellenweise über die Ufer. Laut MA 45 könnte die Überflutung einem 30-jährlichen Hochwasser entsprochen haben, die genauen Berechnungen laufen noch. 

Auch undichte Dächer oder Türen sorgten dafür, dass die Berufsfeuerwehr permanent beschäftigt war. „Wir sind immer noch mit allen Einsatzkräften, die verfügbar sind, permanent im Einsatz“, schilderte der Sprecher am späten Vormittag. Weiterhin würden neue Meldungen in der Notrufzentrale der Feuerwehr einlagen.

Laut Wiener Linien ist am Samstag in mehrere Station Wasser eingedrungen, etwa in die U1-Station Neulaa. Der Betrieb blieb aber aufrecht, so eine Sprecherin. 

Die Kultdisco U4 musste am Samstag wegen einer Überschwemmung geschlossen bleiben. "Das U4 wird heute Nacht zum Schwimmbad", schrieb der Club auf Facebook. 

Erhöhte Einsatzbereitschaft

Die am Samstag ausgerufene erhöhte Einsatzbereitschaft der Feuer blieb noch aufrecht. Dienstfreie Feuerwehrkräfte wurden einberufen und zusätzliche Feuerwehrfahrzeuge in Dienst gestellt.

Unterstützung kam auch vom Katastrophenhilfsdienst des Wiener Landesverbandes und den beiden Freiwilligen Feuerwehren Wien-Süßenbrunn und Wien-Breitenlee.

Bis Samstagabend verzeichnete man 1.500 Einsätze. Am Abend wurden noch Einsätze abgearbeitet, es könne vorsichtig Entwarnung gegeben werden, hieß es auf KURIER-Anfrage vonseiten der Feuerwehr. 

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