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Chronik Wien
10/28/2021

Nach Kreuzfahrt-Cluster in Wien: Vom Corona- zum Geisterschiff

Die Passagiere der betroffenen Amadeus wurden mit Bussen abtransportiert. Was mit dem Schiff geschah, ist unklar.

von Stefanie Rachbauer

Den drei Amerikanerinnen war am Donnerstagvormittag gleich nach ihrer Ankunft in Wien klar, dass irgendetwas ungewöhnlich ist. Obwohl sie zuvor noch nie in der Stadt waren. Aber dass Kameraleute auf dem schmucklosen Treppelweg bei der privaten Schiffsanlegestelle Lüftner in Nussdorf auf- und abliefen, das kam selbst den Touristinnen seltsam vor.

Der Grund für den Auflauf am Ufer der Donau war eine Nachricht von Mittwochabend: Auf einem der ankernden Kreuzfahrtschiffe hat sich ein Corona-Cluster gebildet. Es war das erste dieser Art in Wien. Von den rund 170 Menschen an Bord wurden 80 positiv auf das Virus getestet, darunter vier Crewmitglieder.

Und dieses Schiff wollten die Kameraleute zu Gesicht bekommen. Die Amerikanerinnen fanden dann doch eine andere Attraktion spannender: Sie nahmen ein Uber nach Schönbrunn.

Die betroffene Amadeus, die zu dem Tiroler Unternehmen Lüftner gehört und von einem externen Veranstalter gechartet worden war, hatte die Anlegestelle zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen. Wo sich das Schiff jetzt befindet, ist unklar. Bei Lüftner wollte man sich auf Anfrage nicht dazu äußern.

Zumindest der Verbleib der Passagiere konnte geklärt werden. Nach einer Nacht in Quarantäne an Bord wurden sie am Donnerstag in Abstimmung mit den Behörden nach Deutschland, dem Ziel des Schiffes, gebracht: In zwei Bussen für die Infizierten und in zwei Bussen für die Gesunden – mit geimpften Busfahrern unter zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen, wie es seitens des Krisenstabs der Stadt Wien hieß.

Gefängnisse auf See

Damit blieb den Amadeus-Passagieren zwar erspart, was andere Kreuzfahrt-Gäste zu Beginn der Pandemie erlebten: Die riesigen Schiffe wurden bei Auftreten von Corona-Fällen zu schwimmenden Gefängnissen. Manche Häfen verweigerten ihnen sogar, anzulegen.

Eine gute Nachricht ist der Corona- Cluster auf der Amadeus für die Branche freilich dennoch nicht.

Die (Fluss-)Kreuzfahrt ist eine der am stärksten von der Pandemie betroffenen Geschäftszweige. Im Jahr 2019 verzeichnete man in Wien noch 400.000 Kreuzfahrt-Gäste, im Vorjahr waren es um 90 Prozent weniger.

„Jetzt erholt sich die Branche langsam“, sagt Roland Schrems im Gespräch mit dem KURIER. Er ist Geschäftsführer von Donauraum Wien – und damit von den hiesigen Personenhäfen. Bis man die Gästezahlen von 2019 erreicht habe, werde es noch drei Jahre dauern, schätzt Schrems.

Vorsichtige Reedereien

Das liegt auch an der Vorsicht der Reedereien: Um Kreuzfahrt-Passagiere zurückzugewinnen, wurden manche Schiffe coronakonform umgebaut, viele werden nur zur Hälfte belegt.

An Bord gelten zudem strenge Sicherheitsvorkehrungen, wie Passagiere bei der Anlegestelle Lüftner erzählen: Maskenpflicht beim Herumbewegen an Bord, Desinfektion der Hände, immer die gleichen Tischnachbarn beim Essen, regelmäßiges Fiebermessen.

Um das Schiff überhaupt betreten zu können, benötigt man einen 3-G-Nachweis. Auf der Amadeus sollen ungeimpfte Passagiere alle zwei Tage getestet worden sein. Angesichts all dieser Vorkehrungen hat ein Mann, der gerade seinen Koffer auf eines der Schiffe hievt, nur eine Sorge: „Dass es nicht genug zu essen gibt“.

Unterbrochener Heimweg

An Bord der Amadeus dürfte sich das Virus deshalb so ausgebreitet haben, weil laut Krisenstab viele Infizierte keine Symptome entwickelten.

Das Schiff war in Passau Richtung Osteuropa gestartet und hat sich bereits wieder auf dem Heimweg befunden, als die Corona-Fälle auftraten. Die Betroffenen dürften sich bei einem Landgang in einer anderen Stadt angesteckt haben. Ins Spital musste niemand.

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