Missbrauch: Die späte Aufarbeitung einer düsteren Ära

Missbrauch: Die späte Aufarbeitung einer düsteren Ära
52 Millionen Euro zahlte die Stadt Wien an 2.348 Opfer von Gewalt in Kinderheimen. Experten ziehen eine zwiespältige Bilanz.

Von „systematisch und institutionell schwersten Misshandlungen, Folter und Sadismus“ ist im Endbericht jenes Gremiums des Weissen Rings die Rede, das sich in den vergangenen neun Jahren um die Aufarbeitung der Übergriffe in den Wiener Kinderheimen kümmerte. Die acht Experten berieten auch über die finanzielle Unterstützung der Betroffenen. Seit 2010 brachte dafür die Stadt 52,53 Millionen Euro auf, 2.348 Opfern wurde damit geholfen. Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen und lässt eine Psychologin zu Wort kommen, die bereits in den 1970er Jahren vor Missbrauchsfällen warnte. 

Wie kam es zu den massiven Übergriffen auf Heimkinder?

Der Großteil der Fälle betrifft Kinder, die in den 1950er- und -60er-Jahren geboren wurden. Das Ausmaß der Brutalität betrachtet Anton Schmid, ehemaliger Kinder- und Jugendanwalt als Folge des NS-Regimes. Dem widerspricht Irmtraut Karlsson, Psychologin und ehemalige SPÖ-Politikerin: Die Ursachen der Gewalt seien vielmehr die starren Strukturen in der Kinderbetreuung gewesen. Weiters habe die Stadt aus Kostengründen oftmals auf entlegene, private Heime zurückgegriffen, sagt sie zum KURIER.

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