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Politik Inland
11/06/2019

Die Aufarbeitung ist ein Verdienst der Opfer

Was die Missbrauchs-Opfer – es sind Tausende – durchlebt haben, macht traurig, wütend, sprachlos.

von Christoph Schwarz

Wer Kindern Paläste baut, reißt Kerkermauern nieder. Eingraviert, in goldenen Lettern, ist der Spruch auf einer Marmortafel zu lesen. Viele Jahre lang hängt die Tafel im Wiener Schloss Wilhelminenberg. Für die Bewohner des damaligen städtischen Jugendheims muss der Satz wie blanker Hohn wirken.

Schloss Wilhelminenberg ist heute ein Sinnbild für eine dunkle Ära. Was die Missbrauchs-Opfer – es sind Tausende – in den Jugendheimen von 1945 bis in die 1990er-Jahre durchlebt haben, macht traurig, wütend, sprachlos. Die Heime waren keine Paläste. Sie selbst waren jene Kerker, aus denen man die Kinder zu befreien behauptete.

52 Millionen Euro, das geht aus einem Abschlussbericht hervor, hat die Stadt Wien bis heute an Entschädigungszahlungen und für Therapien zur Verfügung gestellt. Der Begriff der Entschädigung irritiert. Für all das Leid, die Herabwürdigungen, die Schläge bis zum Erbrechen und die Vergewaltigungen, von denen Opfer berichten, kann keine Summe der Welt entschädigen. Eine Wiedergutmachung ist es schon gar nicht.

Dass sich die Stadt zu ihrer Verantwortung und Schuld bekennt, ist dennoch gut. Das Geld ist für viele eine notwendige Unterstützung, die im besten Falle dabei helfen kann, im Leben Tritt zu fassen. Das Geld ist auch ein Zeichen, dass man die Opfer hört und ihnen Glauben schenkt.

Vor allem darf das Geld kein Schweigegeld sein. Im Gegenteil. Es zeigt, dass es sich lohnen kann, wenn Opfer von Gewalt und Missbrauch den Mut und die Kraft finden, den schmerzhaften Weg an die Öffentlichkeit zu beschreiten. Dass die Stadt ihre Geschichte endlich aufgearbeitet hat, ist das Verdienst der Opfer. Für uns alle muss es ein Appell sein, dass Derartiges nie wieder passieren darf.

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