© Stefan Hofer

Countdown
08/14/2013

So wird die neue Mariahilfer Straße

Am Freitag tritt die neue Fußgängerzone in Kraft. Der KURIER hat die wichtigsten Antworten. Die Sperre der "MaHü" begann mit Chaos.

von Elias Natmessnig, Irina Salewski

Nach zwei Jahren Planung, vielen Diskussionen und Änderungswünschen ist es so weit. Am Freitag wird die Mariahilfer Straße zur verkehrsberuhigten Zone. Der KURIER hat die wichtigsten Fragen und Antworten zur neuen Fußgängerzone.

Wann tritt die neue Fußgängerzone in Kraft?
Am Freitag um 8 Uhr Früh. Die gesamte Mariahilfer Straße wird aber ab heute, Mittwoch, 20 Uhr, für den Kfz- und Radverkehr gesperrt. In dieser Zeit werden die letzten Markierungen aufgetragen – auch die rote Busspur für den 13A.

Die Busfahrer haben im KURIER mehrfach Sicherheitsbedenken geäußert. Wird der 13A jetzt durch die Fußgängerzone fahren oder nicht?
Ja, er wird mit Tempo 20 durchfahren. In einer Sitzung am Mittwochabend einigten sich Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) und die Betriebsräte der Busfahrer auf eine neue Regelung. An allen neuralgischen Punkten der Fußgängerzone werden Sitzbänke aufgestellt. Damit soll verhindert werden, dass Fußgänger ungehindert auf die Busspur der Wiener Linien geraten. An den Einkaufssamstagen vor Weihnachten wird die Linie allerdings wie bisher zweigeteilt geführt. „Das Risiko ist da einfach zu groß“, sagt Betriebsrat Leopold Wurm.

Dürfen auch Radfahrer durch die Fuzo radeln?
Ja. Radler dürfen in der Fußgängerzone aber nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren. Fußgänger haben Vorrang. Ausnahme: Stadteinwärts darf man auf der Busspur mit Tempo 20 radeln.

Darf sonst jemand in der Fußgängerzone fahren?
Ja, Taxis. Allerdings nur, um Fahrgäste aussteigen zu lassen oder sie abzuholen. Ein Durchfahren der Fußgängerzone ist nicht erlaubt. Der Lieferverkehr darf bis 13 Uhr liefern, ab dann ist Schluss.

Wie komme ich mit dem Auto auf die Mariahilfer Straße?
Geht es nach Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou, am besten gar nicht. In der Fußgängerzone zwischen Andreasgasse und Kirchengasse sind private Autos sowieso tabu. Davor und danach können Autos in den Begegnungszonen zufahren.

Kann ich mit dem Auto durch die Bezirke fahren?
Nein. Die Schleichwege parallel zum Gürtel durch den sechsten und siebten Bezirk wurden gekappt. Entweder durch Sackgassen, wie etwa in der Otto-Bauer-Gasse, oder durch Einbahnumkehrungen wie etwa in der Webgasse. Dazu gibt es einige neue Abbiege-Gebote. Die Maßnahmen sollen die Autos auf den Gürtel umleiten.

Was sollen Autofahrer jetzt machen, die bisher so gefahren sind?
Am besten großräumig ausweichen über den Gürtel, die Wienzeile und die Zweierlinie. Achtung: Auf den klassischen Durchquerungsstraßen Neustiftgasse, Burggasse und Gumpendorfer Straße gilt ab Freitag Tempo 30. Damit soll der Verkehr ebenfalls abgehalten werden.

Wie kann ich zum Einkaufen in Garagen fahren?
Das ist weiter möglich, aber schwieriger. So ist das Parkhaus Stiftgasse aus der Innenstadt nur durch die Begegnungszone stadtauswärts erreichbar. Stadteinwärts muss man den Umweg über Burggasse und Stiftgasse nehmen.

Wie funktioniert denn die Begegnungszone?
In einer Begegnungszone teilen sich Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer die Straße. Alle Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt. Autofahrer sollten daher aufmerksam fahren, da auch Fußgänger auf der Straße gehen. Es gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h. Halten ist nur in drei sogenannten Kiss&Ride-Zonen erlaubt. Sie befinden sich auf der Höhe Kaiserstraße, Kirchengasse und Getreidemarkt. Dort darf man zum Ein- und Aussteigen halten.

Warum hat sich bis auf ein paar Markierungen und Schilder baulich noch nicht viel geändert?
Weil nun erst die Testphase gestartet hat. Bis Ende des Jahres werden Informationen gesammelt, danach sollen die Bürger noch einmal befragt werden. Alle Infos fließen dann in die Umbauarbeiten, die im Sommer 2014 starten sollen.

Stimmen zur neuen Mariahilfer Straße

Sperre der „MaHü“ begann mit Chaos

Ein beißender Farbgeruch machte sich Mittwochabend in der Mariahilfer Straße breit. Als die letzten Autos die Einkaufsstraße vor 20 Uhr noch schnell verließen, trugen die Mitarbeiter der MA 28 (Straßenverwaltung) bereits die ersten Markierungen in der neuen Fußgängerzone auf. Und das sorgte bereits vor der Sperre für Chaos. Die Malerarbeiten in der Mitte der Fahrbahn behinderten den Verkehr erheblich.

Doch die Nachricht von der Sperre der Einkaufsstraße war trotz des großen medialen Aufsehens noch nicht zu allen Autofahrern durchgedrungen. „Ich bin gerade nur zufällig zu meinem Auto gekommen. Ich wusste nicht, dass die Straße um 20 Uhr gesperrt wird“, sagt Amir K. beim Lokalaugenschein zum KURIER. „Danke, dass sie mich informieren.“ Er verließ die Straße noch rechtzeitig. Das dürften die meisten Parkenden in der zur Absperrung freigegebenen Straße getan haben. Denn die Polizei meldete am späten Abend keine einzige Auto-Abschleppung.

Dennoch sorgte die Sperre für Unmut auf der „MaHü“. Bei vielen Wienern stößt die neue Fußgängerzone auf Ablehnung. „Ich arbeite hier in einem Einkaufszentrum und muss jetzt einen Umweg fahren, um zur Arbeit zu kommen“, erklärt Sascha T. sein neues Problem. „Ich weiß auch nicht, ob die Fußgängerzone viel Sinn macht“, sagt er und fährt davon.

Das letzte Auto

Kurz nach 20 Uhr wurde die Straße für den Autoverkehr gesperrt. Als einer der Letzten fuhr Andreas Kleedorfer im weißen Golf die Einkaufsmeile entlang: „Ich bin wehmütig. Das ist ein besonderer Moment“, sagte der Wiener. „Ich finde die Sperre nicht gut, weil mächtig viele Parkplätze verloren gehen und auf den Zufahrtsstraßen rundherum wird sicher ein Chaos entstehen.“ Seine Frau Andrea ist ebenfalls wenig begeistert von der neuen Fußgängerzone: „Die Geschäfte befinden sich recht und links von der Straße. Wer geht schon in der Mitte der Fahrbahn?“

Gegen 20.30 Uhr nahmen die ersten Fußgänger die neue Wiener Flaniermeile in Betrieb. Da war die farbliche Umgestaltung der Fahrbahn bereits voll im Gange.

Kaufleute üben weiter Kritik an neuer Mariahilfer Straße

Die Mariahilfer Straße ist die mit Abstand größte und umsatzstärkste Einkaufsstraße Österreichs. Massive Kritik an der Neuplanung kam daher vor allem von besorgten Kaufleuten.

Das vorliegende Konzept sei völlig unausgegoren und erinnere an eine künstliche Chinesische Mauer ohne Möglichkeit der Querung an einzelnen Stellen, erklärte Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank. „Die fehlenden Querungen, umgedrehte Einbahnen, neue Sackgassen und damit wesentlich längere Fahrzeiten und Wege bringen die Lieferanten und Kunden unnötig unter Druck.“ Die Wirtschaftskammer habe berechnet, dass die durchschnittlichen Wegzeiten und Wegstrecken um fast 70 Prozent steigen werden. Speziell für Lkw könnte es wegen der umgedrehten Einbahnen und Sackgassen schwierig werden, abzubiegen oder auszuweichen.

Jank wies auch darauf hin, dass in beiden Bezirken Mariahilf und Neubau 9000 Unternehmer mit 57.000 Beschäftigten angesiedelt sind. „Das sind 10 Prozent der Wiener Beschäftigten“, erklärte Jank. „Nach der Probephase muss es eine Evaluierung geben, die alle Bedenken, also auch jene der Unternehmer, berücksichtigt. Wir werden genau darauf achten, dass es keine bloße Pro-forma-Befragung sein wird.“

Die Mariahilfer Straße im Wandel der Zeit

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