© Kurier/Jeff Mangione

Chronik Wien
10/20/2021

Kostenexplosion bei Sanierung der Wiener Spitäler

Der Zeitplan für die Renovierung desolater Krankenhäuser hält nicht. Dafür steigen die Kosten: Statt bei zwei liegen sie bereits bei mindestens 3,6 Milliarden Euro

von Josef Gebhard

Nach der – etwas mühsamen – Errichtung der Klinik Floridsdorf (Kosten: rund 1,3 Milliarden Euro) ist sie aktuell wohl das wichtigste Projekt des Wiener Gesundheitsverbunds: die umfassende Sanierung der bestehenden Gemeindespitäler.

Einige, wie etwa die Kliniken Hietzing oder Ottakring, gehen in ihrer Kern-Bausubstanz noch auf die Monarchie zurück. Viele der Bauten sind mittlerweile in einem desolaten Zustand.

2,7 Milliarden Euro müsste die Stadt daher bis 2040 in die fünf Altbauten investierten, um sie wieder auf Vordermann zu bringen. Das ergab 2019 ein Konzept der dänischen Krankenhausplaner von Lohfert-Praetorius, das auch schon konkrete Baumaßnahmen für die einzelnen Standorte enthielt (der KURIER berichtete damals ausführlich).

Ständige Umplanung

Darin ging man von den noch einige Jahre zuvor teuer geplanten, aber nie realisierten Zentralbauten (etwa für die Klinik Ottakring bis 2024) ab, die das veraltete Pavillon-System ablösen sollten.

Doch auch die Umsetzung der neuen Pläne, die 2019 schon den Führungsteams in den Spitälern präsentiert worden waren, kommt nicht wirklich in die Gänge. Dabei hätten die Bauarbeiten in einigen der Gemeindespitäler laut Konzept bereits heuer beginnen sollen.

So zum Beispiel in der Klinik Hietzing – ein Paradebeispiel für ein unzeitgemäßes Pavillon-Spital mit vielen Gebäuden in schlechtem Zustand. Entsprechend hoch wurde mit 604 Millionen Euro seinerzeit der dortige Investitionsbedarf beziffert (siehe Grafik).

Nichts zu vernehmen ist auch von den ebenfalls ab heuer geplanten Bauarbeiten in der Klinik Donaustadt. Sie wurde zwar erst 1992 eröffnet, hat aber trotzdem schon ein Alter erreicht, in dem umfassende Sanierungen notwendig wären.

Besonders verfahren ist die Situation in der Klinik Favoriten. Zuletzt wurde bekannt, dass der schon länger geplante Neubau der Onkologie, der heuer eröffnen sollte, erst 2026 fertig sein wird. Hinzu kommt das geplante zentrale Bettenhaus, das auch schon lange fertig sein sollte.

Kosten verdoppelt

Ein nicht unwesentliches Detail: In den Plänen der Dänen waren 2019 für die Klinik Favoriten noch 463 Millionen Euro veranschlagt. Zuletzt hieß es seitens des Wiener Gesundheitsverbunds (Wigev) im ORF, man wolle insgesamt rund 800 Millionen Euro in das Spital investieren. Das würde eine Verdoppelung der Kosten innerhalb von nur zwei Jahren bedeuten.

Der KURIER wollte vom Wigev wissen, wie es zu dieser Kostensteigerung gekommen ist und wie hoch mittlerweile die Gesamtkosten für die Spitalssanierungen sind. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe lag jedoch keine Antwort vor.

Es gibt aber Hinweise auf einen erheblichen Anstieg der Gesamtkosten: Im August 2019 sprach Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) noch von zwei Milliarden Euro, zwei Monate später waren es schon die oben erwähnten 2,7 Milliarden. Im Februar 2021, bei der SPÖ-Klubklausur, ließ Hacker in einem Nebensatz fallen, bis 2040 fünf Milliarden Euro in die Spitäler investieren zu wollen. In Rathaus-Kreisen ist inzwischen sogar von 5,3 Milliarden Euro die Rede.

Offen bleibt, ob in dieser Summe die Modernisierung des AKH enthalten ist (1,4 Milliarden Euro). Selbst wenn dies der Fall wäre, würde Sanierung der Gemeindespitäler immer noch 3,6 bis 3,9 Milliarden Euro kosten. Fast eine Verdoppelung der Kosten innerhalb von zwei Jahren – noch ehe mit den Bauarbeiten überhaupt begonnen wurde.

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