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Lokalaugenschein
04/14/2020

Geöffnete Bundesgärten: Nur die Harten gingen in den Garten

Der Ansturm in den Bundesgärten blieb aus, die Polizei fährt Streife und die Bundesgärtner schieben Türlsteher-Dienste

von Julia Schrenk

Die Polizei dreht Runden im Augarten – auf Motorrädern und in großen Kastenwägen. Eine um die andere. Doch viel zu strafen hat sie am Dienstag nicht: Es sind kaum Menschen da.

Seit Dienstag sind in Wien die fünf Bundesgärten wieder geöffnet – also der Augarten, der Volksgarten, der Burggarten, der Garten des Belvedere und der Schönbrunner Schlosspark. Von den Toren stehen dort jetzt Menschen in gelben Warnwesten.

Doch der große Ansturm blieb am Dienstag aus. Im Augarten traf man vereinzelt auf Familien mit kleinen Kindern auf Laufrädern. Menschen, die ihre Hunde Gassi führten. Läufer. Spaziergänger.

Ein ähnliches Bild zeigte sich im Belvedere und in Schönbrunn (bis auf die Hunde, die müssen draußen bleiben); dass derzeit keine Touristen in Wien unterwegs sind, merkt man dort besonders stark.

Zur Einhaltung des Mindestabstands musste die Polizei jedenfalls da wie dort niemanden beamtshandeln (der Polizei gehe es nicht ums Strafen, sondern ums Informieren, heißt es auf Nachfrage, Anm.)

Und ja, dass derart wenig los war, mag eventuell mit den 8 Grad am Dienstagvormittag in Wien zusammenhängen. Vielleicht auch mit dem böigen, kalten Wind, der stürmte. Und vielleicht auch mit dem Schneefall, der zwischenzeitlich einsetzte.

Vorausgegangen war der Öffnung der Bundesgärten ein Streit zwischen der Bundesregierung und der Wiener SPÖ. Der Bund ließ die Gärten, für die er zuständig ist, schließen – während die Stadt ihre Parks geöffnet hielt. Die Wiener SPÖ forderte daraufhin von Türkis-Grün vehement, die Bundesgärten ebenfalls zu öffnen.

Zum Ärger zwischen Stadt und Bund gesellte sich rasch ein interner Streit in der Stadtregierung: Die grüne Vizebürgermeisterin Birgit Hebein solidarisierte sich nicht mit Bürgermeister Michael Ludwig, sondern mit ihren grünen Parteifreunden im Bund.

Das Ergebnis: Die Stadt öffnete – wie es sich Hebein, nicht aber die SPÖ wünschte – insgesamt 36 Straßen für Fußgänger. Und auch die (verspätete) Öffnung der Bundesgärten nach Ostern konnte sich letztendlich Hebein auf die Fahnen heften.

Tore blieben zu

Doch geöffnet waren am Dienstag aber nicht alle Tore aller Bundesgärten. Beim Belvedere blieb das große Tor vom Gürtel kommend zu, nur das Prinz-Eugen-Tor und jenes vom Rennweg kommend waren offen. Auch beim Augarten waren Seitentore geschlossen.

Und das kommt doch einigermaßen überraschend. Schließlich war ein Grund für das Nicht-Öffnen der Bundesgärten, dass die Bundesregierung Drängeleien an den Eingängen zu den Gärten befürchtete. Warum dann jetzt nicht alle Tore offen sind? „Aus Kostengründen“, heißt es von den Bundesgärten.

Denn die eingangs erwähnten Menschen in den neongelben Warnwesten vor den Toren der Bundesgärten sind nicht nur Mitarbeiter einer Security-Firma, sondern auch die Gärtner des jeweiligen Parks höchstselbst.

Dass auch sie Türlsteher-Dienste schieben, sei notwendig, weil man die Expertise der Gärtner über die exakten Regeln in den jeweiligen Parks brauche. Und freilich: Gärtner an den Toren heißt auch weniger Security-Personal, das extra bezahlt werden muss.

Die Gärtner selbst sind ob ihrer neuen Aufgaben als Türsteher nicht sehr erfreut, wie der KURIER erfuhr. In den vergangenen Jahren sei viel Personal abgebaut worden und im Frühling sei auch ohne Extra-Dienste sehr viel zu tun – nämlich an den „tausenden historischen Pflanzen“. Die bräuchten jetzt eigentlich die volle Aufmerksamkeit der Gärtner.

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