FREE NOW & TIER © Katharina Schiffl

© Katharina Schiffl / Katharina Schiffl

Chronik Wien
11/17/2021

Free now: Ein Drittel aller Taxi-Fahrten nicht vermittelbar

Branche beklagt massiven Fahrermangel, auch neue Klagen stehen wieder im Raum.

von Agnes Preusser

Der Taximangel in Wien ist seit Monaten spürbar. Lange Wartezeiten und stornierte Fahrten sind an der Tagesordnung. Aber so wirklich zugeben wollte das bisher keiner.

Im Gespräch mit dem KURIER nennt Alexander Mönch, General Manager der Plattform Free now (früher Mytaxi), die unter anderem Taxifahrten vermittelt, nun erstmals Zahlen. Waren vor der Pandemie in Wien 1.200 Fahrer für Free now unterwegs, sind es aktuell nur noch knapp 600.

Das habe zur Folge, dass unter der Woche ein Drittel der Fahrten nicht vermittelt werden könne, am Wochenende sogar die Hälfte. „So geht es allen in der Branche“, sagt Mönch.

Uber beklagt seit Sommer ebenfalls einen Fahrermangel – begründet das aber nicht mit der Corona-Situation, sondern damit, dass viele Fahrer an der Taxiprüfung scheitern würden. Seit Anfang des Jahres müssen ja auch Uber-Fahrer diese Prüfung absolvieren, weil das bundesweite Gesetz für die Taxi- und Mietwagenbranche überarbeitet wurde.

Fahrten werden teurer

Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf den Preis. In Wien gibt es seit März ein neues Tarifsystem. Bei vorbestellten Fahrten, also via App oder Telefon, darf der Preis vorausberechnet werden – und kann nach Ermessen des Unternehmens 20 Prozent über oder unter dem Norm-Tarif liegen.

Er habe schon von anderen Unternehmen gehört, die über eine Klage nachdenken. Angesichts der zahlreichen vorangegangenen Klagen gegen Uber bezieht sich Mönch hier wohl auf die Taxifunkzentrale 40100. „Wir haben derzeit noch keine Klage eingereicht, schließen das für die Zukunft aber nicht aus“, heißt es dort auf Nachfrage.

Kritik an Konkurrenzklausel

Mönch kritisiert außerdem die Konkurrenzklausel, die einige Funkzentralen in ihren Verträgen mit den Fahrern haben. Diese besagt, dass man nicht für andere Anbieter fahren darf. Mönch versteht das nicht: „Menschen im Niedriglohnsektor darf man nicht verweigern, möglichst viel Geld zu verdienen.“ Bei der Bundeswettbewerbsbehörde ist er diesbezüglich aber bereits abgeblitzt.

Bei der Plattform Free now, die gerade 10-jähriges Jubiläum in Wien feiert, blickt man dennoch optimistisch in die Zukunft. Derzeit treibe man den Ausbau der E-Mobilität voran. Man wolle als erste Mobilitätsplattform in Europa bis 2030 null Emissionen erreichen.

Vor dem Sommer, bis zum Ende des Lockdowns, hätte es so gut wie keine Nachfrage gegeben, sagt Mönch. Dementsprechend niedrig seien die Preise geworden. Jetzt habe das Geschäft wieder angezogen, darum sei man wieder teurer. Bei den meisten Fahrten bewege man sich aber annähernd im Bereich des Norm-Tarifs.

Zusätzlich zur angespannten Situation gibt es Streit zwischen den diversen Anbietern. Aktueller Stein des Anstoßes ist der Funkzuschlag von 2,80 Euro, der bei vorbestellten Fahrten verrechnet werden muss. „Einige Digitalplattformen verzichten darauf und verschaffen sich so einen illegalen Preisvorteil“, so Mönch.

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