Ein Bild aus schlechteren Tagen: Tausende Taxifahrer demonstrierten in der Stadt.

© Kurier/Juerg Christandl

Chronik Wien
09/16/2021

Projekt E-Taxi: Image-Politur für eine angeschlagene Branche

Stadt und Wirtschaftskammer Wien schaffen Ladeplätze für E-Taxis. Ein weiterer Versuch, den schlechten Ruf der Taxler zu heben.

von Agnes Preusser

Die Taxis sollen das Aushängeschild der Mobilitätswende werden. Stadt und Wirtschaftskammer Wien starten darum ein Pilotprojekt – und bauen die E-Taxi-Ladeinfrastruktur aus.

Auf acht Standplätzen in Wien und zwei Standplätzen in Graz werden Ladeplatten installiert. 56 Fahrzeuge in Wien (und zehn in Graz) sollen mit eigenen „Connectoren“ am Boden ausgestattet sein. Per Knopfdruck kann man das Taxi dann aufladen – ganz ohne Kabel. (Mehr dazu im Infokasten unten).

Damit soll der Boden für eine elektrische Taxi-Zukunft bereitet werden. Aufgrund einer EU-Vorgabe dürfen ab dem Jahr 2025 nur noch Taxis mit emissionsfreiem Antrieb zugelassen werden. Dass Wien jetzt voran schreite, sei aber einzigartig: „Wir schaffen hier ein internationales Leuchtturmprojekt, das den urbanen Verkehr nachhaltig verändern kann“, sagt Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ).

Die Wiener Taxis mit einem Leuchtturmprojekt in Verbindung zu bringen, ist neu. Aber nur ein weiterer Schritt in den jahrelangen – und fast schon händeringenden – Bemühungen, das Image der Taxler wieder zu heben.

Laufzeit
Das Pilotprojekt läuft bis Februar 2024. In Wien werden acht 
E-Standplätze realisiert, 
56 E-Taxis kommen zum Einsatz, in Graz sind es 2 Standplätze und 10 E-Autos

Finanzierung
Für die E-Ladeinfrastruktur werden 7,5 Millionen Euro in die Hand genommen. 30 Prozent davon kommen vom Klimafonds des Bundesministeriums für Klimaschutz. Den Rest stemmen die Projektpartner wie die 
Wirtschaftskammern Wien und Steiermark, Wien Energie, 
Taxi 40100 und Taxi 31300

Start
Der erste Standplatz geht im ersten Halbjahr 2022 in Betrieb. Wo er sein wird, wird noch nicht verraten. Das kabellose Ladesystem wurde  von „Easelink Matrix Charging“ entwickelt. Das Ladepad wird in den Boden eingelassen, ist darum keine Stolperfalle und fügt sich ins Stadtbild ein 

Es kommt nicht von ungefähr, dass Hanke und der Wiener Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck bei der Präsentation beide davon sprachen, dass man in den vergangenen Jahren Schritte für die Qualitätssteigerung gesetzt habe.

Von Gipfeln und Regeln

Der schlechte Ruf ist beiden schon seit langem ein Dorn im Auge. Eine schlagkräftige Taxiflotte ist schließlich ein Aushängeschild für Touristen und insbesondere auch für die (zahlungskräftigen) Kongressreisenden.

Vereinzelte unfreundliche Fahrer und deren schlechten Deutschkenntnisse bringen nicht nur die ganze Branche in Verruf, sondern schrecken auch ab.

Eigens einberufene Taxigipfel und Forderungen nach strengeren Regeln haben aber noch nicht allzu sehr gefruchtet. Besonders junge Menschen haben ein schlechtes Bild von den Taxis. Das liegt nicht zuletzt am Hinterherhinken bei neuen Technologien im Gegensatz zu Uber und Co – und vor allem an den höheren Preisen.

Dass durch eine Gesetzesnovellierung Uber nun auch mit dem Taxitarif fahren muss, wird den alteingesessenen Taxlern angekreidet. Ungeachtet dessen, dass diese selbst mit den Tarifen nicht zufrieden sind und bereits offene Briefe an Stadt und Wirtschaftskammer geschrieben haben.

Doch eben diese junge Zielgruppe, die durch soziale Netzwerke über die Grenzen Wiens hinaus zu Multiplikatoren wird, gilt es abzuholen. Es wird also kein Zufall sein, dass man beim Projekt eTaxi die Worte verwenden kann, die man neuerdings immer nutzt, um die Generation Z abzuholen: Klimawandel und Nachhaltigkeit.

Und tatsächlich: „Die Taxibranche in Wien geht mit innovativen Projekten voran und ist sich ihrer Verantwortung im Klimawandel bewusst“, sagt Ruck. „Unser Ziel ist es, zu zeigen, dass nachhaltige Mobilität möglich ist und wir wollen damit andere Branchen motivieren“.

Das E-Taxi ist als Werbeoffensive auch ein Zugeständnis an die Branche selbst. Die bereits beschriebenen offenen Briefe sind noch harmlos im Gegensatz zu den Demos gegen den (in den Augen der Taxler zu laschen) Umgang mit Uber, bei denen sich 2019 mehrere tausend Taxis hupend am Ring versammelt haben.

Um so etwas zu verhindern, bekennt man sich nun öffentlich zu den Stiefkindern der Wirtschaft.

Nicht zuletzt soll ganz Wien von dem Projekt profitieren. Wenn die fast 6.000 Taxis in Wien zukünftig elektrisch fahren, verbessere das Luftqualität und Lärmkulisse, sagte Hanke. Wien gehe hier als „First Mover“ voran. So schnell hat eine ins Hintertreffen geratene Branche wieder die Poleposition.

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