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Chronik Wien
05/24/2021

FPÖ-Zwist: Der dritte Mann aus Wien

Im Duell zwischen Hofer und Kickl um die Führung der FPÖ bringt sich der neue Wiener Parteichef Dominik Nepp als Kompromisskandidat ins Spiel

von Josef Gebhard, Johanna Hager, Martin Gebhart

Meistens winden sich Politiker wie die Aale, wenn man sie danach fragt, ob sie höhere Funktionen in ihrer Partei anstreben. Umso mehr ließ das jüngste Statement von Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp aufhorchen: Falls man ihn fragen würde, stünde er als Spitzenkandidat der Bundespartei zur Verfügung, kündigte er via oe24-TV an.

Somit wird aus dem seit Monaten zwischen Parteichef Norbert Hofer und Klubobmann Herbert Kickl ausgefochtenen Duell um die Parteiführung (nichts anderes würde eine Spitzenkandidatur bedeuten) zumindest ein Dreikampf. Denn Nepps Ansage ist durchaus ernst gemeint. Das zeigt die Schützenhilfe, die er prompt von seinem Klubchef Maximilian Krauss erhielt: „Ich unterstütze Dominik Nepp natürlich bei allem, was er tut“, betonte sein enger Mitstreiter.

Zeitpunkt kein Zufall

Der Zeitpunkt von Nepps Vorstoß ist kein Zufall: Wegen der ÖVP-intern Querelen könnte es vorgezogene Neuwahlen geben. Und zuletzt hatte Kickl einmal mehr unverhohlen kundgetan, Hofer an der Parteispitze ablösen zu wollen. Beileibe nicht allen gefallen Kickls forsche Ausritte. Das gilt auch für die Wiener Landespartei, die zum Hofer-Lager gerechnet wird. Deshalb unternimmt man alles, um Kickl das Feld nicht allein zu überlassen. „Ich kann mir vorstellen, dass Nepp ein guter Kompromisskandidat wäre“, sagt ein hochrangiger Wiener Blauer.

Dabei ist der 39-jährige Döblinger erst vor wenigen Wochen offiziell zum Wiener Parteichef gekürt worden. Das allerdings mit einem beachtlichen Votum von knapp 98 Prozent der Delegierten-Stimmen. Anerkennung dafür, dass Nepp die nach dem Ibiza-Skandal und dem Abgang von Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus völlig darniederliegende Landespartei wieder stabilisieren konnte. Was ihm viele nicht zugetraut haben.

Über die Landesgrenzen

Seine Mitstreiter orten Sympathien für Nepp aber auch in anderen Landesgruppen. Allen voran in Niederösterreich. Dort gibt man sich aktuell aber bedeckt. Niederösterreichs Blaue wollen kurz vor ihrem Parteitag im Juni nicht zwischen die Fronten geraten.

Indes sei auch das traditionell eher angespannte Verhältnis zu den Blauen aus Oberösterreich unter seiner Ägide entspannter geworden, ist aus dem Nepp-Lager zu vernehmen: „Man begegnet einander mittlerweile auf Augenhöhe.“

Dass Nepps mögliche Spitzenkandidatur von Erfolg gekrönt sein könnte, bezweifeln andere FPÖ-Kenner auf KURIER-Nachfrage. Was gegen ihn und jedenfalls mehr für „Good Cop“ Hofer wie auch „Bad Cop“ Kickl spricht, ist sein bundesweit geringer Bekanntheitsgrad.

Eigenes Universum

Wiewohl man Nepp Respekt dafür zollt, die Wiener Partei – „seit jeher ein eigenes Universum“ – übernommen zu haben, sähe man lieber einen Anderen als Spitzenkandidaten: Manfred Haimbuchner. Der Chef der oö. Blauen habe das handwerkliche Rüstzeug, die notwendige politische Erfahrung und im Fall der Fälle sei ihm wohl auch der Rückhalt einiger Landesgruppen sicher, so der Tenor.

Haimbuchner will und wird sich jedoch nicht ins Spiel bringen. Er hat in Oberösterreich im September eine Wahl zu schlagen und laut Demoskopen womöglich auch wieder die Chance, Teil der Landesregierung zu sein.

Lieber in Wien bleiben

Auch ein namhafter blauer Funktionär aus Wien glaubt nicht so sehr an einen Wechsel Nepps in die Bundespolitik: „Natürlich muss er sich jetzt positionieren. Aber sein Herz schlägt bei uns in Wien“, sagt Paul Stadler, bis zum Herbst blauer Bezirksvorsteher in Simmering. „Anderseits: Sollte es an der Parteispitze zum Chaos kommen, muss er vielleicht wirklich in den sauren Apfel beißen.“ Lieber wäre Stadler aber, Nepp würde sich „seine Sporen in Wien verdienen“.

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