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Chronik Wien
02/24/2020

Unfassbare Aussage vor Gericht: "Watschen haben bei ihr nicht geholfen"

Als die Frau mit ihren Kindern ins Frauenhaus flüchtete, soll ihr Darko S. aufgelauert haben: Drei Jahre Haft

von Michaela Reibenwein

Die Beziehung muss die Hölle gewesen sein: Die 26-jährige wurde so massiv auf den Kopf geschlagen, dass sich ihre Netzhaut ablöste. Einmal traf sie eine Glasflasche im Gesicht. Ein anderes Mal hatte sie ein Butterfly-Messer im Oberschenkel. Und was sagt ihr Ex-Mann, der mutmaßliche Schläger vor Gericht dazu? Zwei, drei Mal habe es Watschen gegeben. Allerdings: "Watschen haben bei ihr nicht geholfen."

Der 31-jährige Serbe steht in Wien vor Gericht. Er soll seine Ex-Frau über Monate hin geschlagen und gequält haben. Schon 2017 gab es ein Verfahren gegen ihn - doch damals sagte das Opfer nicht aus. Auch am Montag findet die Frau kaum Worte.

"Es wird Blut fließen"

Die Staatsanwältin fasst die Vorwürfe zusammen: "Es wird Blut fließen", schrieb Darko S. seiner Ex-Frau. Und er soll seine Drohung wahr gemacht haben. Laut Anklage schlug er sie immer wieder, würgte sie, zog sie an den Haaren und trat sie, als sie schon am Boden lag.

Letzteres bestreitet der Mann. "Ich trete niemanden, der am Boden liegt."

Als die Frau mit ihren Kindern in ein Frauenhaus flüchtete, stand er plötzlich vor der Tür. "Um ihr Angst zu machen." Die Frau lief weg, er holte sie ein. Eine Zeugin erzählt von einem starken Schlag gegen den Kopf der Frau. "Das stimmt auch nicht", sagt Darko S. "Ich habe sie nie draußen geschlagen."

Richter Christian Gneist fasst zusammen: "Das heißt also, Sie haben Sie nur im Schlafzimmer geschlagen?" Und er folgert aus der Verantwortung des Mannes ebenfalls: "Hätte sie sich auf den Boden gelegt, hätte Sie auch nicht zugehaut. Interessant."

Als sie blutete, ging er

Einmal warf er eine Glasflasche auf seine Frau, das gibt er zu. Die Frau ging zu Boden, blutete im Gesicht. "Dann bin ich weggegangen", erklärt Darko S. "Sie haben sie nicht versorgt? Sie nicht ins Krankenhaus gebracht? Sie sind ein Heroe (Held, Anm.)"

Und wie kam das Butterfly-Messer in den Oberschenkel der Frau? Auch da, sagt der Mann, wollte er sie eigentlich nur erschrecken.

Kokain und ihre angeblichen Provokationen seien schuld gewesen, sagt der Angeklagte. "Sind Sie selbst auch einmal schuld?", fragt der Richter.

Trotz des Martyriums konnte sich die Frau nicht von dem Mann lossagen. Selbst als er schon in U-Haft in der Justizanstalt  saß, schrieb sie ihm noch Briefe (unter falschem Namen) und schickte aktuelle Familienfotos. "Er hat mir noch so viel bedeutet", erklärt die Frau dem Richter.

Urteil: Drei Jahre Haft; nicht rechtskräftig.

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