Hans Landauer mit den XI. Internationalen Brigaden 1939 am Ebro. Der 17-Jährige ist der zweite von rechts

© DÖW/Spanienarchiv

Chronik Wien
10/14/2020

Erinnerung an den "Spanienkämpfer": Leopoldstadt bekommt Hans-Landauer-Hof

Der Gemeindebau in der Schüttelstraße soll an den KZ-Überlebenden und Hobby-Historiker erinnern.

von Katharina Zach

Hans Landauer war 16 Jahre alt, als er von zu Hause ausriss. Der junge Mann aus dem niederösterreichischen Oberwaltersdorf wollte 1937 im Spanischen Bürgerkrieg gegen Faschisten kämpfen. 1940 wurde er verhaftet und ein Jahr später ins KZ Dachau eingeliefert. Später widmete er sein Leben der Aufklärung von NS-Verbrechen und dem Gedenken der Österreichischen Spanien-Kämpfern.

Am Donnerstag wird ihm zu Ehren die städtische Wohnhausanlage in der Schüttelstraße 71 in der Leopoldstadt nach Hans Landauer benannt. Von 1983 bis 2010 lebte er im 2. Bezirk. 

1921 wurde Landauer in eine sozialdemokratische Familie geboren. Schon als Kind engagierte er sich  bei den Roten Falken und übernahm illegale Botengänge, um ins Land geschmuggelte sozialdemokratische Flugblätter zu verteilen. 1937 verließ er seine Heimat Richtung Spanien: Er wollte auf der Seite der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg (1935-1939) kämpfen. Ein Jahr zuvor hatte der rechtsnationalistische General Francisco Franco gegen die linksbürgerliche Zweite Republik geputscht.

Doch Landauer hatte ein Problem. Er war zu jung. "Er hat sich als 19-Jähriger ausgegeben, um in die Internationalen Brigaden aufgenommen zu werden", erzählt Manfred Mugrauer vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW). Schließlich wurde Landauer Melder einer Maschinengewehrkompanie im Österreicher-Bataillon "12. Februar" der Interbrigaden.

1939 floh Landauer vor den siegreichen Franco-Truppen nach Frankreich und wurde dort mit anderen Spanien-Flüchtlingen in einem französischen Lager interniert. Doch die Lage wurde rasch schlimmer. Als Frankreich durch NS-Truppen besetzt wurde, wurde Landauer verhaftet und erst in das Gefangenenhaus Roßauerlände überstellt. 1941 wurde er ins Konzentrationslager Dachau überstellt - wie Hunderte andere Spanienkämpfer. Bis zur Befreiung Dachaus am 29. April 1945 blieb Landauer dort interniert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Polizist. Unter anderem war er in einer Abteilung im Innenministerium beschäftigt, die sich mit der Aufklärung von NS-Verbrechen befasste. Als er im Rahmen einer UNO-Friedensmission in Zypern Neonazi-Umtriebe im Öterreich-Kontingent aufdeckte, wurde er aber von Innenminister Otto Rösch (SPÖ) rasch zurückbeordert.

Nach seiner Pensionierung engagierte sich Landauer ehrenamtlich beim DÖW und baute dort das Spanienarchiv auf. "Er hat dort Personendossiers über die einzelnen österreichischen Freiwilligen im Spanischen Bürgerkrieg angelegt", erklärt Mugrauer. "Im Zuge seiner Recherchen hat sich gezeigt, dass knapp 1.400 Österreicherinnen und Österreich auf Seiten der Republik gekämpft haben."

Sein Lebenswerk war schließlich das "Lexikon der österreichischen Spanienkämpfer 1936-1939", das er 2003 gemeinsam mit Erich Hackl herausgab. Bereits 1991 war er zum Obmann der "Vereinigung österreichischer Freiwilliger in der Spanischen Republik 1936–1939" ernannt worden.

Am 19. Juli 2014 starb Landauer schließlich in seiner Heimatgemeinde Oberwaltersdorf im Alter von 93 Jahren.

Dass nun ein Gemeindebau nach dem "Spanienkämpfer" benannt wird, freut die Mitarbeiter des DÖW. Man begrüße die Initiative der Bezirksvertretung, wenige Jahre nach dem Tod von Landauer ein so deutliches Erinnerungszeichen zu setzen, heißt es.

„Hans Landauer widmete sich zeitlebens dem Kampf gegen den Faschismus. Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit sind jene Grundrechte, die man mit ihm und seiner Lebensaufgaben verbindet“,  sagt Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál. Sie sowie Bezirksvorsteherin Ursula Lichtenegger (Grüne) werden am Donnerstag bei der offiziellen Namensgebung dabei sein.

Ebenfalls am 15. Oktober lädt das Bezirksmuseum Leopoldstadt um 18.30 Uhr zur Vorführung des Films „Der Spanienkämpfer ‐ Hans Landauer erzählt seine Lebensgeschichte“.

Der künftige Hans-Landauer-Hof - ein vier Stockwerke umfassende Eckhaus an der Kreuzung Schüttelstraße/Pfaffrathgasse aus dem Jahr 1911 - befindet sich übrigens nur zwei Gehminuten von Landauers ehemaliger Wohnung in der Leopoldstadt entfernt. Er lebte mit seiner Frau Ilse in der Halmgasse.

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