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Chronik Wien
06/24/2022

Elite-Uni CEU zieht doch nicht auf Otto-Wagner-Areal

Die Universität von Milliardär George Soros verhandelt schon lange mit der Stadt Wien: Das Projekt dürfte zu teuer geworden sein.

von Christoph Schwarz, Josef Gebhard, Julia Schrenk

Die Pläne seien „endgültig fixiert“, verkündete man 2020 freudestrahlend. Erste Visualisierungen davon, wie die Uni aussehen könnte, lieferte man 2021. Jetzt, wieder ein Jahr später, dürfte alles anders sein: Der Traum von der Elite-Uni auf den Steinhof-Gründen im 14. Bezirk ist wohl geplatzt. Das berichtet der Standard.

Am Tag der Inauguration der neuen Rektorin der Central European University, Shalini Randeria, sei bekannt geworden, dass man die weit gediehenen Pläne nicht weiter verfolge. Das weitläufige und denkmalgeschützte Gelände des Otto-Wagner-Spitals auf der Baumgartner Höhe für einen modernen Uni-Betrieb nach US-Vorbild zu adaptieren, sei doch nicht so einfach wie gedacht, ist zu hören. Und vor allem wohl teurer als gedacht.

Die CEU, die vom ungarischen Milliardär George Soros gegründet wurde und vom ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán quasi aus Budapest vertrieben wurde, verhandelt seit Jahren mit der Stadt Wien über einen Standort. Die Stadt zeigte sich stolz, der Uni ein neues Zuhause bieten zu können. Die nunmehrige Absage ist ein Dämpfer.

Planerische Bedenken

Derzeit findet bereits ein Lehrbetrieb in Wien statt – und zwar in einem ehemaligen Bankgebäude in Favoriten. Der dortige Mietvertrag läuft 2025 aus. Dann hätte die CEU mit all ihren Studierenden nach Penzing übersiedeln sollen.

Auf 35.000 Quadratmetern hätte der Kern-Campus der Uni entstehen sollen, daneben war Wohnraum für Studierende und Lehrende geplant, auf einem Drittnutzungsareal hätten sich weitere Forschungseinrichtungen ansiedeln können. All das wird nun wohl nicht realisiert.

Die Adaptierung wäre teuer geworden. Laut Standard beträgt der Anteil, den die CEU beisteuern hätte sollen, 700 Millionen Euro. Das war den Verantwortlichen wohl zu viel. Hinzu kommen planerische Bedenken, die schon in der Vergangenheit – der KURIER hat immer wieder berichtet – für Debatten sorgten. Der Umbau kann nur in enger Abstimmung mit dem strengen Bundesdenkmalamt vonstattengehen. Die schlechte Verkehrsanbindung (nur über zwei Buslinien) war ebenfalls Thema.

Zukunft ungewiss

Dass die CEU abspringt, verfestigte sich laut Standard diese Woche bei einem Termin mit Stadtchef Michael Ludwig (SPÖ). Die Stadt will das Thema derzeit auf KURIER-Anfrage nicht kommentieren.

Nur so viel: „Die Entscheidung liege nun beim CEU-Board.“ Der CEU-Board soll am Sonntag zusammentreten, danach wird es eine gemeinsame Aussendung von CEU und Stadt geben. Feststehen dürfte, dass die Uni in Wien bleiben will und nun in der Stadt abermals einen neuen Standort suche.

Im Jahr 202 hieß es, dass man insgesamt vier Standorte in unterschiedlichen Bezirken in die engere Wahl genommen habe, bevor die Entscheidung für das Otto-Wagner-Areal fiel. Vorerst dürfte der Vertrag in Favoriten über das Jahr 2025 hinaus verlängert werden.

Was künftig mit dem Areal passieren soll, ist  unklar: Kenner  bezweifeln, dass darauf eine Bildungs- oder Sozialeinrichtung entstehen könnte.  Die Sanierungs- und Betriebskosten für die alten Gebäude wären schlichtweg viel zu hoch.  

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