Autos solle man nicht „quer durch die Stadt stehen lassen“, findet Alexander Biach. Der bessere Platz ist aus seiner Sicht  unter dem Heldenplatz.

© APA/HELMUT FOHRINGER

Chronik Wien
09/17/2020

Eine Wundergarage für den Heldenplatz

Wiens Standortanwalt ist für eine autofreie City. Aber nur, wenn ausreichend Garagenplätze kommen.

von Daniel Voglhuber, Stefanie Rachbauer

Schönheit ist überall ein gar willkommener Gast. Das wusste schon Johann Wolfgang von Goethe. Und Alexander Biach, Standortanwalt in der Wiener Wirtschaftskammer, kann das bestätigen: „Wir brauchen schöne Einkaufsstraßen, wir brauchen schöne Gestaltungen von Straßenoberflächen“, sagt er im Gespräch mit dem KURIER. Sonst werden uns die Einkaufsstraßen letzten Endes wegbrechen. Das wollen wir nicht.“

Und Biach lässt mit einer Aussage aufhorchen, die für einen ÖVP-Kandidaten bei der Wien-Wahl durchaus ungewöhnlich erscheinen mag: „Nichts gegen das Auto, aber es ist nicht das Schmuckstück, das ich quer durch die Stadt stehen lassen soll.“

Da brauche es gerade für die Innere Stadt eine Lösung. Denn dort, mitten im Wiener Zentrum, soll es besonders schön werden. Wie? Indem die parkenden Autos unter den Heldenplatz verbannt werden. Und zwar in eine neue Tiefgarage – die noch dazu weit mehr sein soll als nur ein unterirdischer Parkplatz.

Lösung des Busproblems

„Wir brauchen einen Mobilitäts- und Logistik-Hub“, sagt Biach. Was sich wie ein Begriff aus der Luftfahrt anhört, meint ein multifunktionales Bauwerk. Dort, wo einmal das Bücherlager der Nationalbibliothek – der sogenannte Tiefspeicher – ausgebaut werden soll, solle gleich größer gebaut werden. „Dort sollen Plätze mit Ladeinfrastruktur für E-Autos geschaffen werden“, so Biach. Denn in ganz Wien fehle es an Ladestationen, dabei steige die E-Mobilität weiter an.

„Dann sollen noch Einstiegs- und Ausstiegsmöglichkeiten für Busse geschaffen werden“, sagt Biach. Damit wären auch die Verkehrsprobleme mit den Touristenbussen gelöst, ist er überzeugt.

„Wir brauchen schöne Straßen-Oberflächen, sonst werden uns die Einkaufsstraßen  wegbrechen“

Alexander Biach | Standortanwalt

Damit nicht genug: „Es soll ein Logistik-Hub geschaffen werden, wo ich Waren hintransportieren und mit verkehrsfreundlichen Transportmitteln klein weiterverteilen kann.“ Das gebe es bereits in mehreren italienischen Städten. „Das schaut sehr schön aus. Und es funktioniert.“

Die geschätzten Investitionskosten für den „Güter- und Mobilitätshub“ belaufen sich auf 125 Millionen Euro.

Schub für Garagenplan

Pläne, unter dem Heldenplatz eine Tiefgarage zu bauen, gab es in den vergangenen Jahren immer wieder – zuletzt (wie auch von Biach vorgeschlagen), in Zusammenhang mit der Erweiterung des Tiefspeichers der Nationalbibliothek. In den vergangenen Jahren ist es aber sowohl um den Ausbau des Speichers als auch um eine mögliche Garage still geworden.

Der Vorstoß der Wirtschaftskammer baut auf den bisherigen Initiativen und Vorstudien auf. Warum das Vorhaben diesmal gelingen soll ?

Da kommt die grüne Vizebürgermeisterin Birgit Hebein ins Spiel. Ihr Vorhaben, die City „autofrei“ zu machen (siehe Infobox), könnte den Tiefgaragen-Plänen neuen Schub verleihen. Immerhin könnte die Nachfrage nach Garagenplätzen in der Gegend mit der Einführung des Fahrverbots steigen. Laut Hebeins Konzept dürfen innerhalb der betroffenen Zone bezirksfremde Personen nämlich nicht mehr an der Oberfläche parken.

Der Geltungsbereich Die grüne Vizebürgermeisterin Birgit Hebein will im 1. Bezirk ein großräumiges Fahrverbot für Kraftfahrzeuge umsetzen. Es soll im Bereich zwischen Ring und Franz-Josefs-Kai gelten.

Die 16 Ausnahmen Hebein bewirbt  die geplante Regelung als „autofreie City“, in der Verordnung sind allerdings 16 Ausnahmen vom Fahrverbot angeführt. Darunter: Anrainer mit Parkpickerl oder privatem Stellplatz, Lieferanten und Taxis. Die 7.000 Parkplätze in öffentlichen Garagen dürfen ebenfalls weiterhin angesteuert werden.

Standortanwalt Biach kann der Idee eines stark verkehrsberuhigten Stadtzentrums übrigens durchaus etwas abgewinnen – aber nur unter einer Bedingung: „Natürlich könnte ich die Innenstadt autofrei gestalten. Dazu muss ich aber Parkmöglichkeiten schaffen“, sagt er. „Es braucht ein Gesamtkonzept, das Parkflächen an der Ober- und Unterfläche vorsieht.“

Ob die Fahrverbotszone tatsächlich umgesetzt wird, ist derzeit allerdings noch offen. Das letzte Wort hat Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Und der hat sich zuletzt wenig euphorisch gezeigt.

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