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Chronik Wien
11/26/2021

Einbrecher plünderten Wohnungen gebrechlicher Senioren

Eine serbische Bande suchte in Wien gezielt Wohnungen mit Schlüsselsafes. Wenn Bewohner munter wurden, gaben sie sich als Pflegepersonal aus.

von Michaela Reibenwein

Skrupel kennen diese Menschen keine: Eine elfköpfige Bande hatte sich in Wien auf Einbrüche bei gebrechlichen Senioren spezialisiert. Sie suchten gezielt nach Wohnungen, bei denen Schlüsselsafes (Schlüssel-Aufbewahrung für Pflegedienste oder bei Notfällen, Anm.) installiert waren. Nachts statteten sie den Personen dann einen Besuch ab und durchsuchten die Wohnungen. Als einige Opfer aufwachten, gaben sie sich als Pflegekräfte aus.

Die erste derartige Tat geschah am 28. Dezember des Vorjahres. „Plötzlich hatten wir zwei solche Einbrüche pro Woche. Und etwas später sogar drei bis vier täglich“, schildert Hans-Peter Seidl vom Bundeskriminalamt. Innerhalb eines Monats zählten die Ermittler plötzlich 50 derartige Straftaten.

Auf der Lauer

Die Täter wurden immer dreister. Sie verübten auf einmal mehrere Einbrüche in der Nacht, suchten Wohnhausanlagen mehrfach auf. In den Bezirken Simmering, Penzing, Ottakring und Liesing trieben sie besonders oft ihr Unwesen. Weil die Täter jede Nacht zuschlugen und es die Befürchtung gab, dass sie auch gewalttätig gegen Opfer werden könnten, legten sich die Ermittler des Landeskriminalamtes Wien und des Bundeskriminalamtes auf die Lauer. Was ihnen half: Zu dem Zeitpunkt galten coronabedingte Ausgangsbeschränkungen. „Unsere Täter waren die Einzigen, die um diese Uhrzeit auf den Straßen unterwegs waren“, schildert Seidl.

Und tatsächlich gelang es innerhalb von vier Tagen, ein Tatfahrzeug und zwei Adressen von Verdächtigen auszuforschen. Zwei Männer konnten wenig später nach einem versuchten Wohnungseinbruch festgenommen werden.

Schnell war klar: Es handelt sich um eine kriminelle Organisation, bei den Verdächtigen handelte es sich ausschließlich um Serben. Einige waren miteinander verwandt. In der Gruppierung hatte jeder spezielle Aufgaben. Einige waren nur damit beschäftigt, passende Wohnungen ausfindig zu machen. „Konzentriert haben sie sich auf Gemeindebauten aus 1960er- und 70er-Jahren“, sagt Ermittler Seidl.

Opfer 70 bis 100 Jahre alt

In den Abendstunden kehrte die Bande zurück und versuchte, den Schlüsselsafe zu knacken. Gelang das nicht, wurde er aus der Verankerung gerissen und in einer Wohnung aufgeschnitten. Zwischen 1 und 4 Uhr Früh kamen die Einbrecher schließlich retour und schlossen die Wohnungstüren mit den erbeuteten Schlüsseln auf. Sie durchforsteten die Räume nach Geld, Schmuck und Bankomatkarten mit Code. „Noch in derselben Nacht haben sie dann Bargeldbehebungen durchgeführt“, schildert der Ermittler.

Dass einige Opfer durch den Einbruch munter wurden, störte sie nicht. Denn oft handelte es sich um bettlägrige, senile Personen zwischen 70 und 100.

Entsprechend schwierig war es, herauszufinden, welche Beute die Verbrecher gemacht hatten. Einen Teil konnten die Ermittler jedenfalls in einer Wohnung sicherstellen.

Verurteilt

Insgesamt elf Beschuldigte (es handelt sich ausschließlich um Männer zwischen 20 und 40 Jahren) konnten ausgeforscht werden. Vor Kurzem wurden vier von ihnen im Landesgericht für Strafsachen in Wien zu – rechtskräftigen – Haftstrafen zwischen 4 Jahren und acht Monaten verurteilt.

Was vor Gericht ebenfalls zur Sprache kam: Die Angeklagten lebten allesamt von Sozialleistungen. Kein einziger war berufstätig.

Die Ermittler dürften die gesamte Bande ausgeforscht haben – seit Monaten wurde keine entsprechende Straftat mehr angezeigt.

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