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Chronik Wien
06/07/2020

Donauinselfest: Aus Fixpunkt wird ein Pünktchen

Im 37. Jahr seines Bestehens muss das Freiluftfest der Superlative radikal umdenken - für manche hat das auch ohne Corona Zukunft.

von Josef Gebhard, Barbara Mader

Wenn schon kein Maiaufmarsch, dann wenigstens ein Donauinselfest. Auch das findet 2020 in verkleinerter Form statt. Brot und Spiele gibt’s auch heuer wieder, doch werden für das wichtigste Volksfest der Stadt Wien diesmal kleinere Brötchen gebacken.

Bisher Europas größtes Freiluftfestival, wie die Veranstalter, die SPÖ, nicht müde werden zu betonen, ist das Donauinselfest seit 1984 fixe Einrichtung im städtischen (Kultur-)Kalender. Es ganz abzusagen, wie im Frühjahr Corona-bedingt zu befürchten war, hätte nicht nur SPÖ-Wähler enttäuscht.

Denn das Fest hat in 36 Jahren gigantische Ausmaße erreicht. 15.000 Besucher hatten sich die Veranstalter im ersten Jahr erwartet. Es kamen 160.000.

Kein Wunder, dass man künftig mit angekündigten Zuschauerrekordzahlen nicht mehr geizte. In den vergangenen Jahren war stets von Millionen die Rede, 2019 sollen es 2,7 gewesen sein. Ob der verregnete Falco-Auftritt 1993 oder, ein Jahr zuvor Udo Jürgens, der vor 220.000 Menschen das kolportiert „beste Konzert seines Lebens“ gab: Mit dem Attribut „legendär“ wird so mancher Superlative aus den vergangenen Inseljahren gedacht.

Im Jahr 2020 wird alles anders. Vor einem Jahr noch kreisten die kleinen Probleme um die Gelsen (der besonders feuchte Mai 2019 bot prächtige Bedingungen für Gelsenlarven) und die großen um eigene Frauenbereiche.

80-tägige Bustour

Im Corona-Jahr haben die Probleme neue Dimensionen und die Donauinsel kann sich auf ihre Kernkompetenz, den Hochwasserschutz, zurückziehen. Denn das Gros der Veranstaltungen wird während einer 80-tägigen Bustour in ganz Wien stattfinden. Und obwohl diese während des Wahlkampfs stattfindet, soll Wahlwerbung explizit ausgeschlossen werden.

Aber vielleicht wäre es auch ohne Corona nicht mehr so weiter gegangen wie bisher. Rund vier Millionen Euro kostet die Austragung des mehrtägigen Insel-Spektakels jedes Jahr. Damit ist das von der Wiener SPÖ organisierte Festival wohl eine der aufwendigsten Parteiveranstaltungen des Landes.

Freilich: Nicht alles davon müssen die Roten aus eigener Kasse berappen. Über einen SPÖ-nahen Verein wurden dem Donauinselfest allein im Vorjahr 1,5 Millionen Euro an städtischen Fördermitteln zugesprochen. Das rief zuletzt den Rechnungshof auf den Plan, dem es missfällt, dass die Fördergelder auch für Parteiwerbung verwendet wurden. Davon abgesehen sei oft nicht nachvollziehbar, wofür die Fördermittel im Detail verwendet wurden. Diese Ungereimtheiten waren zuletzt auch Thema in der Untersuchungskommission zu parteinahen Vereinen, die die Wiener FPÖ eingesetzt hat.

Ungeachtet dessen bleibt das Donauinselfest ein sehr teurer und aufwendiger Fixpunkt im politischen Jahresablauf der Wiener SPÖ. So teuer, dass in den vergangenen Jahren parteiintern Kosten und Nutzen des Events kritisch hinterfragt wurden. Denn obwohl Unsummen in das Fest investiert werden, nehmen viele Besucher nicht wahr, dass es sich um eine SPÖ-Veranstaltung handelt. Das zeigen interne Umfragen.

Schmaler Grat

Vor diesem Hintergrund ist auch die Debatte zu sehen, die Harry Kopietz, SPÖ-Urgestein und Miterfinder des Donauinselfests, vor ein paar Jahren angestoßen hatte. Man müsse überlegen, ob man nicht doch Eintrittsgeld für das Festival verlangen sollte. Die Diskussion war rasch vorbei. Gleichzeitig wurden Stimmen laut, es müsse wieder besser erkennbar werden, dass die SPÖ hinter dem Fest steckt.

Eine Gratwanderung. Denn allzu viel Parteiwerbung bei einem Freizeit-Event würde Besucher wohl eher verärgern als ansprechen. Außerdem würde man sich erst recht den Vorwurf gefallen lassen müssen, Steuergeld für Parteipropaganda zu verprassen.

Und so blieb auch unter Bürgermeister Michael Ludwig und seiner für das Inselfest zuständigen Parteimanagerin Barbara Novak vorerst im Wesentlichen alles beim Alten: Die SPÖ-Granden durften das Bad in der Menge genießen, die Vorfeldorganisationen ihre Stände aufbauen, ansonsten verzichtete man auf allzu penetrante Parteiwerbung. Vielmehr, so hoffte man, sollte das Fest das Lebensgefühl der Stadt spürbar machen, wovon zumindest über Umwege dann die SPÖ profitieren könnte.

Erst die Corona-Krise erzwang eine zumindest vorübergehend radikale Reform. Statt Mega- diesmal Mini-Konzerte, und das 80 Tage lang in der ganzen Stadt. Trotz der Absichtserklärung, hier mitten im Wahlkampf keine Wahlwerbung zu betreiben, kommt das parteiintern gut an. Und es gibt Stimmen, die sich eine zumindest teilweise Übernahme dieses Konzepts für die Zeit nach der Pandemie wünschen.

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