Viel Ärger mit einer Asphaltfläche: Der Streit um das 12.000 Quadratmeter messende Areal hat bereits viele Facetten. 

© Kurier/Gerhard Deutsch

Chronik Wien

Doch keine Markthalle für Wien – zumindest vorerst nicht

Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) treibt die Pläne für die umstrittene Markthalle auf dem Parkplatz an der Linken Wienzeile nicht weiter voran. Zunächst werden Ideen für die Fläche gesammelt, 2023 soll ein konkreter Plan vorliegen

von Stefanie Rachbauer

02/21/2022, 07:04 PM

Am Parkplatz beim Naschmarkt scheint wieder alles offen. Der Grund: Stadträtin  Ulli Sima (SPÖ) macht nicht weiter Druck für  eine Markthalle auf dem Gelände. Sondern hält, wie sie am Montag bekannt gab, einen Ideenwettbewerb für das Areal ab. 

Das bedeutet: Ein Hallen-Projekt, wie es Sima vor der Wien-Wahl 2020 ins Spiel brachte, kommt vorerst nicht. „Eine klotzige, klobige, von allen Seiten geschlossene Halle wird es auf dem Platz nicht geben“, so die Stadträtin. „Das war auch nie mein Wunsch.“ 

Ob dem wirklich so war, da gehen die Meinungen auseinander:  Anrainer, die sich in Bürgerinitiativen organisierten, und die Grünen sahen das (mitunter bewusst) anders. Sie warfen Sima vor,  das Areal mit Gastro-Tempel zu verbauen, und verlangten  einen Park.  

Wettbewerb soll es richten

Ein europaweiter Wettbewerb soll den Streit nun schlichten. Er startet nächste Woche, sowohl Laien als auch Experten können mitmachen.

Die besten neun Ideen  werden von einer Jury unter der Leitung von Architekt Albert Wimmer ausgewählt. Dieser werden maximal acht Personen angehören – Sima überlegt, auch den Bürgerinitiativen einen Platz anzubieten.

Das ist aber erst der Beginn eines längeren Prozesses, den man sich vorgenommen hat. Die neun Sieger müssen ihre Ideen  von April bis September im Rahmen eines nachgelagerten „kooperativen Verfahrens“ noch zu einem Masterplan bündeln. 

Plan im nächsten Jahr

Dieser ist wiederum die Grundlage für einen EU-weiten Realisierungswettbewerb, dessen Ergebnis Anfang 2023 vorliegen soll. Das bedeutet: Erst dann wird es einen konkreten Plan für den Parkplatz geben. Ursprünglich hätte das bereits heuer der Fall sein sollen.

Bis die Fläche umgebaut ist, dauere es ab Anfang 2023 noch einmal 12 bis 18 Monate, so Wimmer.

Er ist überzeugt, dass man in der Causa zu einer Einigung  kommt: „Es muss am Ende des Prozesses eine Lösung geben und diese wird dann auch konsensfähig sein.“  

Sima erwartetet sich jedenfalls ein „stärkeres Zusammenführen von Ideen“. In Richtung der Hallen-Gegner sagt sie: „Die Botschaft wurde gehört“. 

Halle weiter möglich

Heißt das nun, dass die Halle fix abgeblasen ist? Nein, das heißt es nicht. Es könnte durchaus eine Art von Bauwerk oder Überdachung entstehen. Sima schließt es nicht aus – und auch die Hallen-Gegner befürchten es. 

Grundlage für den Ideenwettbewerb ist eine Bürgerbefragung  aus dem Vorjahr. Diese gibt einige Eckpunkte vor. Sima zufolge gibt es einen starken Wunsch nach Begrünung und Beschattung, dem Erhalt des samstäglichen Flohmarkts, konsumfreien Flächen und kulinarischen Angeboten. Das müsse im Wettbewerb berücksichtigt werden, so Sima. 

Details zu den Ergebnissen legt Sima nächste Woche vor. Das für Sima wohl zentrale Resultat der Bürgerbefragung ist jedenfalls: Einem Markt mit regionalem Angebot  und überdachten Bereichen stünden „viele Teilnehmer der Befragung offen gegenüber“.

Allerdings nur unter der Bedingung, dass  sich das Angebot vom Naschmarkt unterscheide und das Areal ausreichend begrünt und konsumfrei sei.  

Gemeinsamer Nenner

Übrigens: Der Wunsch der Hallen-Gegner, die Fläche größtenteils zum Park zu machen, dürfte an den statischen und technischen  Gegebenheiten scheitern. Hierzu hat Sima eine Studie durchführen lassen.

Bäume können demnach nur am Rand der Fläche gepflanzt werden. Zur Mitte hin ist das unmöglich, weil die Parkplatz-Platte über dem Wienfluss stellenweise nur 70 Zentimeter dick ist.  

Für die Bürgerinitiative „Freiraum Naschmarkt“ ist der Neustart ein „guter Ansatz“. Skeptisch ist man dennoch: Eben weil die Halle  zwar nicht mehr als solche bezeichnet werde, aber weiter am Tapet sei.

Zumindest, was die Jury angeht, dürfte man einen gemeinsamen Nenner gefunden haben: Die Gruppe reklamiert den von Sima angebotenen Sitz für sich.

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