Die "Frau fürs Grobe" leitet den ESC-Einsatz der Polizei
„Wir beschäftigen uns seit Monaten damit, den Einsatz strategisch zu planen“, sagte Xenia Zauner im Rahmen eines Pressetermins vor dem Song Contest. Zauner leitet den Einsatz, der für die Polizei, „obwohl wir komplexe Lagen gewohnt sind, herausfordernd sein wird“.
Doch die Polizistin weiß, was sie tut. Sie leitet die Einsatzabteilung in der Landespolizeidirektion Wien. Die Beamten sind für „Situationen mit besonderem Gefahrenpotenzial“ zuständig. Den Job übernahm die Wienerin 2020 – damals waren heikle Einsätze häufig.
Kritik und Lob
Die Proteste gegen den Corona-Lockdown trieben über Monate hinweg Tausende Demonstranten auf die Straße. Im März 2021 protestierten in der Innenstadt beispielsweise 20.000 Menschen und hielten sich nicht an die angemeldete Route, es gab sogar einen Schwerverletzten. Die Polizei griff dementsprechend hart durch, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Zahlreiche Festnahmen waren die Folge. Kommt es zu so einem harten Durchgreifen der Einsatzkräfte, ist harsche mediale Kritik die Folge. Die prallte an Zauner aber mehr oder weniger ab. Polizeipräsident Pürstl lobte sie später sogar für den „gelungenen Einsatz“.
Harte Schule
Mit schwierigen Situationen umzugehen, dürfte Zauner schon früh im Berufsleben gelernt haben. Vor knapp 25 Jahren war sie in der Polizeiinspektion am Karlsplatz stationiert. Dort befand sich der Hotspot für Drogenhandel und der damit einhergehenden Kriminalität. Später wechselte sie in das Landeskriminalamt, Außenstelle West, wo sie auf Sexualdelikte spezialisiert war. Auch das war ein Grund dafür, dass sich die Polizistin ehrenamtlich betätigt. Sie ist im Präsidium des Weissen Rings, einer gemeinnützigen Organisation, die sich für Opfer von Verbrechen einsetzt.
Für den Job bei der Einsatzabteilung hatten sich laut Informationen des KURIER damals übrigens auch mehrere Männer beworben – dass Zauner ihn bekommen hat, liegt, ob ihrer Vita, aber wohl nicht daran, dass man die Frauenquote hochtreiben wollte. Dennoch scheint es, als ob Frauen in Führungspositionen den Beruf für Mädchen und junge Frauen attraktiver machen: Der Frauenanteil bei Polizeibeamten liegt in Österreich derzeit bei zirka 26 Prozent, was 8.300 Polizistinnen von insgesamt 32.000 Beamten entspricht. In der Grundausbildung beträgt der Frauenanteil rund 40 Prozent. Die Polizei wird also immer weiblicher. Die LPD Wien ist mit 21 Prozent Vorreiter bei weiblichen Führungskräften.
Passive TV-Erfahrung
Mit den vielen TV-Kameras, die Xenia Zauner bei Interviews zum ESC-Einsatz derzeit filmen, dürfte sie aus privaten Gründen vertraut sein: Ihr Ehemann, Martin Zauner, ist Schauspieler und Regisseur und war schon in einigen SOKO-Formaten und unter anderem Kommissar Rex zu sehen. In CopStories spielte er die Rolle des Chefinspektors. Bei den Dreharbeiten lernte sich das Paar bei Trainingseinheiten kennen.
In den kommenden Tagen liegt der mediale Fokus aber auf Xenia Zauner, die sich um die Sicherheit der Wiener und der Besucher kümmern muss. Den Einsatz wird sie „von hinten“ koordinieren, wie es im Fachjargon heißt. Das bedeutet, dass in der Einsatzzentrale am Schottenring alle Meldungen zusammenlaufen. Auch Vertreter der Stadt, der Berufsfeuerwehr und Berufsrettung sowie des Veranstalters werden vor Ort sein und sich mit Anliegen und Problemen an Xenia Zauner wenden, die diese Verantwortung auf sich nimmt.
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