Sechs Personen dürfen in dem Becken gleichzeitg Baden - so wollen es die Corona-Regeln.

© Kurier/Jeff Mangione

Chronik Wien
08/08/2020

Der Gürtel-Pool ist eröffnet: Fünf Minuten Badespaß

Nach wochenlangen Diskussionen um das Pop-up-Becken wurde der erste Badetag abgehalten. Ein Lokalaugenschein.

von Stefanie Rachbauer

Der Mann auf dem Parkbankerl schaut nur. Hinter ihm donnert am äußeren Neubaugürtel der Verkehr vorbei. Vor ihm wird an einem Kiosk Spritzer und Bier ausgeschenkt, unter Sonnenschirmen stehen Grüppchen von Menschen beinander. Auch sie schauen.

„Man will ja wissen, was mit dem Steuergeld passiert“, sagt der Mann auf der Bank. „Dann hab ich was zum Erzählen. Ist eh lieb geworden.“

Um 150.000 Euro wurde die Gürtelkreuzung von der Felberstraße und der Stollgasse diese Woche in ein temporäres Freizeitareal umgebaut: mit Palmen, Liegestühlen und einer Bühne. Und mit einem mobilen Schwimmbecken – das die Schlagzeilen dominierte.

Am Eröffnungstag zieht es Besucher an, noch bevor man überhaupt darin baden darf. Die Autolenker am Gürtel haben es ein bisschen weniger eilig, zum Vordermann aufzuschließen. Es gibt ja was zu sehen.

Radfahrer bleiben stehen und fotografieren den Pool mit dem Handy.

Hebein bittet um Chance

„Das Becken ist wunderbar, nur halt am falschen Platz“ sagt ein Mann mit grünem Rapid-Schlapphut und Bauchtascherl.

Mit „am falschem Platz“ meint er nicht den Umstand, dass der Pool auf einer siebenspurigen Kreuzung an einer der Hauptverkehrsadern Wiens steht: „In den Hyblerpark in Simmering g’heat so was auch hin.“

Die dreiwöchige Sperre der Kreuzung, die hohen Kosten – all das hat in den vergangenen Wochen heftige politische Debatten nach sich gezogen.

Ohne Politik geht es auch am Eröffnungstag nicht: „Geben Sie dem Projekt eine Chance“, sagt die grüne Vizebürgermeisterin Birgit Hebein fast flehend in ein Mikrofon. „Lassen Sie sich nicht auf die Rolle des Autofahrer reduzieren.“

Während Hebein eine neue Identität für den Gürtel beschwört und laut über eine dauerhafte Umorganisation des Verkehrs nachdenkt, wird es in der Warteschlange vor dem Becken unruhig.

Kinder mit Schwimmflügeln und -reifen sind dort angestellt. Sie wollen ins Wasser.

Nicht fertig aufgeheizt

Etwa um halb 3 ist es soweit: Endlich geht es ums Baden – für die ersten allerdings nur für fünf Minuten. Bis der erste Andrang bewältigt ist, dürfen die Badegäste nur kurz ins Wasser.

„Später weiten wir dann auf eine halbe Stunde aus“, sagt der Security-Mitarbeiter, der die Badegäste einlässt. Der Eintritt ist übrigens gratis, geöffnet ist der Pool nun täglich von 10 bis 20 Uhr.

Richtig lange hält man es in dem Becken wahrscheinlich ohnehin nicht aus: Das Wasser muss erst aufgeheizt werden, angepeilt sind 23 Grad. Und um sich mit Schwimmen warm zu halten, fehlt schlicht und einfach der Platz. Immerhin misst das Becken nur neun mal vier Meter.

Den Corona-Regeln zufolge ist dass gerade groß genug, dass sechs Personen gleichzeitig planschen dürfen. Ganz streng nimmt der eigens engagierte Bademeister das aber nicht: „Die beiden Kinder da zähle ich als eine Person“, sagt er. „Und die Dame dort ist ja schon fast draußen.“

Pool kommt wieder

Manchen ist das Baden am Gürtel aber dann doch zu ungewöhnlich: „Da fühlt man sich ja wie auf dem Präsentierteller“, sagt eine junge Frau aus Deutschland.

Sie ist mit einer Freundin übers Wochenende in Wien – und auf der Suche nach Abkühlung. Die beiden fahren lieber an die Alte Donau.

Unter den Palmen sinniert unterdessen eine braun gebrannte Blondine über die Zukunft des Pools. „Schade, dass der Ende August wieder wegkommt“, sagt sie und zieht an ihrer Zigarette. „Man könnte ihn ja stehen lassen und über den Winter abdecken.“

Bis zu einem gewissen Grad wurde sie bereits erhört: Das Schwimmbecken soll nächstes Jahr jedenfalls wiederkommen.

Der Mann vom Bankerl schaut noch immer. Jetzt allerdings vom Beckenrand. Baden will er nicht, aber Fotos machen. Dann hat nicht nur was zum Erzählen, sondern auch vom Herzeigen.

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