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Chronik Wien
03/04/2021

Der Attentäter von Wien gab 80 Schüsse ab

Kujtim F. wollte nach missglücktem Munitionskauf in der Slowakei auch noch nach Tschechien fahren.

von Michaela Reibenwein

Kujtim F. hatte zwei Schusswaffen bei sich, als er sich am 2. November des Vorjahres zum „Bermuda-Dreieck“ in die Wiener Innenstadt begab. Zum einen ein Sturmgewehr der Marke Zastava, zum anderen eine Pistole der Marke Tokarev. Insgesamt 80 Schüsse gab er aus den beiden ab, wie die Ermittler feststellen konnten.

Vier Menschen tötete er damit, 23 weitere wurden teils schwer verletzt. Woher die Waffen stammen, ist noch immer nicht ganz klar, es soll aber eine „heiße Spur“ geben. Fest steht: Die Pistole hat schon einige Jahre auf dem Buckel. Sie wurde 1950 in Polen hergestellt. Mit dieser Pistole gab der Attentäter nur zwei Schuss ab. Deutlich öfter feuerte Kujtim F. aus dem Sturmgewehr. Zumindest 78-mal – so viele Hülsen wurden am Tatort gefunden. Er hätte noch deutlich mehr Munition dabei gehabt. In einem Plastiksack führte Kujtim F. 194 weitere Patronen mit sich.

Einzeln nachgeladen

Allerdings: Er hatte kein weiteres Magazin dabei, musste jede Patrone einzeln nachladen – was auch die Videoaufnahmen bestätigen. Ein Glück, sonst hätte es vermutlich noch deutlich mehr Opfer gegeben.

Wie berichtet, wollte Kujtim F. im Vorfeld mit einem Bekannten in der Slowakei Munition besorgen. Der Fahrer will nichts davon gewusst haben. Die Aussagen der Verkäufer im Waffengeschäft lesen sich allerdings ganz anders. Die beiden hätten Munition für ein AK 47 verlangt. Doch dafür hätten sie einen slowakischen Waffenschein gebraucht. „Beide Personen waren überrascht. Also fragten sie, ob es nicht eine andere Möglichkeit gebe, die Munition zu kaufen.“ Zudem fragten sie auch nach einer Glock-Pistole. „Die Enttäuschung, dass sie die Munition nicht kaufen konnten, war ihnen anzusehen“, erinnert sich ein Verkäufer.

Vier Tage vor dem Anschlag

Nach diesem Misserfolg wollte Kujtim F. zumindest einen weiteren Versuch im Ausland starten. Erneut kontaktierte er seinen Bekannten (dieser befindet sich in U-Haft) und fragte, ob er ihn nach Tschechien fahren könnte – vier Tage vor dem Terroranschlag. Der Bekannte schob einen Termin vor. „Wochenende?“ versuchte es Kujtim F. weiter. „Ich habe keine Lust auf ihn gehabt, da ich beim letzten Mal sinnlose Kilometer gemacht habe“, sagt der Begleiter. Doch Kujtim F. soll nicht locker gelassen haben: „Montag?“ schrieb er – der Tag des Attentats. „Da ist ja dann Lockdown.“

Noch am Nachmittag vor dem Attentat traf Kujtim F. zwei Freunde. „Bruder, wir müssen beten“ sagten diese und wollten in seine Wohnung. „Na, Bruder“, antwortete Kujtim F. und verweigerte ihnen den Zutritt.

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