© Kurier/Jeff Mangione

Chronik Wien
05/27/2019

Dieses Spital ist bereits ins Krankenhaus Nord übersiedelt

Der große Umzug hat begonnen: Den Anfang machte am Montag das Krankenhaus Floridsdorf. Ein Lokalaugenschein.

von Stefanie Rachbauer, Sarah Nägele, Josef Gebhard, Jeff Mangione

So ruhig hatte es Gerhard Höcht im Spital noch nie. Der 60-Jährige hat eine Woche auf der 2. Chirurgischen Station im Krankenhaus Floridsdorf hinter sich. „Wegen einer Gallen-OP“ sagt er.

Seit Samstag gehört ihm das Fünfbett-Zimmer im zweiten Stock mit Blick auf den Hof allein. Doch dieser Luxus ist bald vorbei: Neben Höcht auf dem Bett steht seine fertig gepackte Reisetasche.

Der Donaustädter ist einer der letzten Patienten, der in dem kleinen Spital in der in der Hinaysgasse behandelt wurde. Am Montag schloss es nach rund 80 Jahren seine Pforten. „Die Schwestern hatten viel Zeit für mich“, sagt Höcht über die finalen Betriebstage.

Arbeitslos sind die rund 600 Mitarbeiter des Krankenhauses Floridsdorf nun aber nicht. Sie treten ihre Schichten künftig rund drei Kilometer weiter in der Brünner Straße an - im neuen Krankenhaus Nord. 

Exakt in einer Woche wird dort der erste Patient behandelt.

Packliste

Auch wenn fast alle der 180 Patientenbetten bereits leer sind, hat das Personal im Krankenhaus Floridsdorf genug zu tun. Im Akut-Raum im Erdgeschoß, wo bisher Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Patienten versorgt wurden, türmen sich weiße Umzugskartons.

Dazwischen: Männer und Frauen in blauen Schlupfhemden, die Beatmungsmasken, Stethoskope, und Intubationssets in die Kisten schlichten.

Für jedes Zimmer gibt es eine eigene Liste, die angibt, was die Mitarbeiter einpacken müssen. Große Geräte herumzuschleppen, bliebt ihnen aber erspart.

"Die Gerätschaften wurden für das Krankenhaus Nord neu angeschafft. Das Krankenhaus Floridsdorf ist in die Jahre gekommen, sodass viele Sachen gar nicht mehr serviciert werden können", erklärt Margot Löbl, Ärztliche Direktorin im Krankenhaus Nord.

Noch brauchbares Inventar wird in anderen Gemeindespitälern weiterverwendet. Den Rest erhalten Hilfsorganisationen.

Gemischte Gefühle

Bei David Erbida, Mitarbeiter des Klinisch-administrativen Dienstes, löst der Umzug gemischte Gefühle aus. Er hat drei Jahre im Krankenhaus Floridsdorf gerabeitet. Die meiste Zeit davon in einem kleinen Kammerl, hinter einer Glasscheibe.

„Der Schalter im Krankenhaus Nord ist dreimal so groß“, sagt Erbida und klebt einen Umzugskarton zu. „Darauf freue ich mich.“

"Aber", gibt er zu bedenken: „In dem großen neuen Haus wird es sicher schwieriger, mit den Kollegen Kontakt zu halten.“

Den anderen Mitarbeitern geht es ähnlich. Einige von ihnen haben sich im Hof auf eine letzte gemeinsame Zigarette beim Blaulicht-Eingang getroffen. „Rettung“ steht in roten Blockbuchstaben auf der schmutzigen Fassade hinter ihnen.

„Eine Ära geht zu Ende“, sagt Krankenpflegerin Jeanine. „Aber wir freuen uns auf mehr Action.“ Hier habe man eher mit älterem Publikum zu tun gehabt.

So wie Leopoldine Jagersberger, die mit einem großen Strauß aus Rosen und Löwenmäulchen aus dem Krankenhaus kommt. Sie wurde wie Patient Höcht an der Galle operiert.

Auch Jagersberger hat die Ruhe im langsam einschlafenden Spital genossen.

Zwei Stockwerke weiter oben leert sich der Schwesternstützpunkt. Schnellhefter mit OP-Checklisten, mehrere Päckchen Klebezettel und Kugelschreiber wandern in die Kartons.

„Das Duschen hätte ich mir sparen können“, sagt eine Pflergin mit Pferdeschwanz und wischt sich den Schweiß von der Stirn.

Im mintfarben gefliesten Operationssaal nebenan sind die meisten Glasvirtinen bereits leergeräumt.

Die Betten in umliegenden Zimmern sind verwaist. Abgesehen vom gelegentlich ertönenenden Abzieh-Geräusch der Klebebänder und dem Rascheln von Müllsäcken ist es still. 

Nachnutzung nicht geklärt

Was die Mitrabeiter des Krankenhaus Floridsdorf bald hinter sich haben, steht jenen aus dem Krankenhaus Gersthof und der Semmelweis-Klinik in Währing noch bevor. Auch sie übersiedeln komplett in Krankenhaus Nord.

Dazu ziehen mehrere Abteilungen aus drei weiteren Häusern in die Brünner Straße.

Der Umzugsplan im Detail:

Für nähere Informationen klicken Sie auf die einzelnen Standorte.

Wie die frei werdenden Gebäude künftig genutzt werden, ist noch offen. Der Krankenanstaltenverbund (KAV) werde die Liegenschaften an die Stadt zurück geben, heißt es aus dem Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). "Betreffend der weiteren Nutzung gibt es unterschiedliche Optionen, die derzeit von der Stadt geprüft werden."

Für Patient Höcht ist es inzwischen mit der Ruhe vorbei. Drei Junge Männer in roten Hosen haben sein Zimmer betreten und helfen ihm in einen Rollstuhl. "Meine Entzündungswerte passen nicht", erklärt Höcht.

Die Sanitäter bringen ihn deswegen ins Donauspital, wo er weiter behandelt wird. Ein Einzelzimmer wird er dort vermutlich nicht mehr haben.

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