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Chronik Wien
01/26/2021

Corona: Seniorenheime bleiben Pandemie-Brennpunkt

Nach wie vor kommt es immer wieder zu schweren Ausbrüchen in den Einrichtungen, die besonders geschützt sein sollten.

von Josef Gebhard, Julia Schrenk

Die Zahlen sind besorgniserregend: Seit Ausbruch der Corona-Krise bis gestern, Dienstag, sind in Österreich 7.515 Menschen mit Corona gestorben. 3.284 davon in Alters- oder Pflegeheimen. Das entspricht 43,7 Prozent. Besonders dramatisch ist die Lage in der Steiermark, wo mehr als die Hälfte der Todesopfer Heimbewohner waren (siehe Grafik).

Dramatisch ist auch, dass der Anteil an der Gesamtzahl aller Corona-Toten weiter steigt. Am 18. November, also dem Tag nach Inkrafttreten des zweiten Lockdowns, waren 35,4 Prozent aller Todesfälle mit Corona auf Pflegeheimbewohner zurückzuführen. Seitdem ist dieser Anteil stetig gewachsen: Am 2. Jänner lag er etwa bei 43,1 Prozent – und jetzt eben bei 43,7.

Seit Beginn der Pandemie ist klar, dass die Heimbewohner ein besonders hohes Risiko haben, schwer an Corona zu erkranken oder sogar zu sterben. Trotzdem gelingt es bis heute nicht, große Ausbrüche in den Heimen zu verhindern.

Immerhin: Die Zahl der aktiven Fälle ist laut Gesundheitsministerium von 4.194 Infizierten am 8. Dezember auf aktuell 1.220 gesunken. Mit der neuen Virus-Mutation, die viel ansteckender ist, droht sich die Lage aber erneut zu verschärfen.

Warum lassen sich Heime so schwer abschirmen?

Hier kommt gleich eine Reihe von Faktoren zusammen: „In den Heimen hat man eine Ansammlung vieler besonders vulnerabler Menschen, die man nur schwer völlig voneinander trennen kann. Hinzu kommt eine große Zahl dementer Patienten, die sich oft schwer von der Notwendigkeit der Abstandsreglen überzeugen lassen“, betont Wiens Patientenanwältin Sigrid Pilz. Dazu kommt: Es liegt in der Natur der Pflegetätigkeit, dass Abstandsregeln nicht eingehalten werden können. Ein weiteres Problem: Würde es beispielsweise in Kindergärten so großflächige Ausbrüche wie in den Heimen geben, würde man sie sofort schließen, vergleicht Pilz: „Pflege- und Seniorenheime hingegen kann man nicht schließen.“

Wie kommt das Virus überhaupt ins Altersheim?I

ndem es von Besuchern, dem Personal oder den Bewohnern selbst ins Haus gebracht wird. Derzeit ist es Alters- und Pflegeheimbewohnern erlaubt, einmal pro Woche Besuch (ausschließlich mit negativem Antigen-Test und FFP2-Maske) von einer Person zu empfangen. Weil das schon sehr restriktiv ist, wie man im Büro von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) betont – und man die Vereinsamung der Bewohner verhindern will – sind derzeit keine Verschärfungen geplant.

Welche Rolle spielt das Pflegepersonal bei den Infektionen?

Dass es das Personal mit den Regeln nicht allzu genau nehmen würde, weist Thomas Wochele, Ärztlicher Leiter bei der Caritas Wien, zurück: „Die Mitarbeiter sind extrem engagiert und leisten seit dem Frühjahr Enormes. Sie können nichts dafür, wenn sie sich regelmäßig testen lassen, symptomfrei zur Arbeit gehen und jemanden anstecken. Ein Restrisiko bleibt bestehen.“

Wird zu wenig geimpft?

Die Durchimpfung der Heime hat derzeit oberste Priorität, laut Gesundheitsministerium ist der Großteil in der ersten Runde bereits durchgeimpft. Im Februar folgt Runde zwei. Offenbar gibt es aber noch Lücken: „Für mit ist unverständlich, dass es in Wien Seniorenheime gibt, in denen die erste Impfung erst im Februar erfolgen soll“, sagt Pilz.

Wie kann man die Heime besser schützen?

„Letztlich hat man nur die Wahl zwischen schlechten Lösungen“, sagt Mediziner Wochele. Angesichts der Bedrohung durch die neue Virus-Mutation sind engmaschigere Tests der Mitarbeiter naheliegend. Laut aktueller Verordnung benötigt jeder Mitarbeiter in einem Heim ein negatives Testergebnis, das nicht älter als drei Tage ist. Davor war ein Test einmal pro Woche vorgeschrieben. Experten kritisieren, dass in der Verordnung der Antigen- und der PCR-Test gleichgestellt sind. Ersterer würde zwar schneller ein Ergebnis liefern, es gebe aber Hinweise, dass sich damit eine Infektion mit der neuen Virusmutation nicht so gut aufspüren lässt. „Die Frage ist, ob nicht deutlich mehr Erkrankte mit den PCR-Tests entdeckt werden könnten“, sagt Markus Mattersberger vom Verein Lebenswelt Heim. Das Gesundheitsministerium will das so nicht stehen lassen: Bei regelmäßigen Tests würden sich Antigentests besser eignen, weil das Ergebnis schneller vorliegt und man nicht auf eine Laborauswertung warten muss. Die in den Pflegehäusern eingesetzten Antigentests seien zudem von höchster Qualität.

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