Chronik | Wien
29.12.2017

Chorherrs Verein: "Stadt Wien ist Hauptsponsor"

Millionensubvention für drei Vereine im Umfeld des Grünen. FP ruft Stadtrechungshof an.

Stolze 22-mal wurden Förderungen der Stadt Wien ausbezahlt. Ein Prüfantrag der FPÖ an den Stadtrechnungshof listet penibel auf, wie drei Vereine, die dem Umfeld des Grünen Gemeinderats Christoph Chorherr zugerechnet werden, insgesamt knapp 1,4 Millionen Euro an Förderungen der Gemeinde Wien bekommen haben dürften – weit mehr als bisher bekannt war. Der blaue Landesparteisekretär Toni Mahdalik spricht dabei von einem eigenen "System Chorherr", das nun dringend durchleuchtet werden müsse.

Wie der KURIER im Oktober aufdeckte, gab es bei der Spenderliste für Christoph Chorherrs Verein "Ithuba", der Schulen in Südafrika baut, einen Beigeschmack. Finanzinvestoren, Banken und Immobilienfirmen spendeten teils sechsstellige Beträge für Chorherrs Projekte. Der Grüne Planungssprecher, der als oberster Bauherr Wiens bezeichnet wird, verteidgte sich vehement gegen Vorwürfe der Unvereinbarkeit. Die Spenderliste legt er dennoch nicht offen.

Zehn Förderungen

Bisher war bekannt, dass "Ithuba" 200.000 Euro an Förderungen der Stadt Wien bekommen hat, denen Chorherr im Gemeinderat zustimmte. Die FPÖ forschte weiter und spricht nun von mehr als einer halbe Million Euro, die in zehn Tranchen an "Ithuba" ausbezahlt wurden. Chorherr lässt dazu über seinen Sprecher lapidar ausrichten: "Von Christoph Chorherr wurde immer die Stadt Wien als ein Hauptsponsor von Ithuba genannt."

Mehr als eine halb Million Euro bekam auch der Verein "W@lz Wiener Lernzentrum" in denen Chorherr laut dem Prüfansuchen als Obfraustellvertreter tätig ist. Dazu gab es weitere 250.000 Euro für "Education Africa". Dieser Verein ist zwar ein eigenständiger Verein, in dem Chorherr nicht sitzt, hat aber einen interessanten Partner- oder Trägerverein namens "Friends of Education Africa in Vienna" – dort ist Chorherr wiederum im Beirat. Und Stadträtin Renate Brauner ist Obfrau. Dieser Verein hat als Adresse: "1082 Wien, Rathaus". Ein Foto zeigt eine Scheckübergabe von 40.000 Euro der Friends an den Hauptverein – unterschrieben von Brauner.

Die Friends nehmen nur Kleinspenden an und leiten diese an "Education Africa" weiter, sagt ein Brauner-Sprecher zum KURIER. Jährlich kommen so aus Einzelspenden von maximal 500 Euro insgesamt rund 10.000 Euro zusammen. Die Adresse des in den 90er-Jahren gegründeten Vereins solle aber nun geändert werden. Ansonsten sei "vieles in dem Antrag der FPÖ falsch", heißt es im Brauner-Büro. Chorherr sei seit 2016 auch nicht mehr im Beirat.

Nun ist der Stadtrechnungshof am Zug, ob ein Prüfverfahren eingeleitet wird.