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Chronik Wien
09/25/2020

Causa Bierwirt: Lokalchef dürfte festgenommen worden sein

Polizei bestätigt Einsatz vor dem Lokal in der Strozzigasse. Der Wirt ist wegen eines Gerichtsstreits mit Sigi Maurer bekannt.

von Johanna Kreid

Ein betrunkener Mann, der Passanten anpöbelte: Turbulente Szenen spielten sich Donnerstagabend in der Strozzigasse in Wien-Josefstadt ab. Ein Mann wurde vorläufig festgenommen – pikantes Detail: Es könnte sich dabei laut einem online-Bericht von „heute“ um jenen Bierwirten handeln, der die Grün-Politikerin Sigrid Maurer mit obszönen Nachrichten belästigt haben soll.

Auf KURIER-Anfrage bestätigt die Wiener Polizei, dass es gegen 19 Uhr einen Einsatz in der Strozzigasse gab – und zwar direkt vor dem Lokal des besagten Bierwirten. „Der Verdächtige soll betrunken gewesen sein. Er soll Passanten bedroht und genötigt haben, außerdem dürfte er eine Sachbeschädigung begangen haben“, beschreibt ein Sprecher der Wiener Polizei. Eine Glasscheibe im Stiegenhaus des Nachbarhauses sei zu Bruch gegangen, dabei dürfte sich der Verdächtige auch selbst verletzt haben.

Elektroschocker sichergestellt

Die Identität des Verdächtigen könne man freilich nicht bestätigen, heißt es seitens der Polizei. Der Einsatz sei jedenfalls vor dem Craft-Beer-Lokal über die Bühne gegangen. Der Tatverdächtige wurde vorübergehend festgenommen.

In der Nähe des Geschäfts soll es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem 42- Jährigen und einem 63-Jährigen gekommen sein. Der 42-Jährige soll das Opfer mit einem als Taschenlampe getarnten Elektroschocker bedroht haben. Das 63-jährige Opfer wurde bei dem Vorfall nicht verletzt. Der Elektroschocker wurde von der Polizei sichergestellt, heißt es in einer Aussendung der Polizei vom Montag.

Der 42-Jährige wird am Freitag durch das Kriminalreferat des Stadtpolizeikommandos Josefstadt einvernommen.

Der mysteriöse "Willi"

Besagter Craft-Beer-Wirt machte erst vor wenigen Tagen Schlagzeilen: Er hatte ja von Anfang an bestritten, die obszönen Nachrichten an Sigrid Maurer selbst verfasst zu haben. Zuletzt zauberte er einen neuen Beschuldigten aus dem Hut – ein gewisser „Willi“ hätte die Zeilen verfasst. Im Juli habe er in seinem Postkasten ein „Bekennerschreiben“ des wirklichen Verfassers gefunden. Darin habe sich „Willi“ für den „Blödsinn“ – also die Nachrichten an Maurer – entschuldigt.

Zum Hintergrund: Vor mittlerweile mehr als zwei Jahren soll der Craft-Beer-Wirt aus dem 8. Bezirk obszöne Facebook-Nachrichten an Maurer geschickt haben – dann ging die Causa vor Gericht. Zuletzt musste sich Mauter wegen übler Nachrede und Kreditschädigung verantworten: Der Bierwirt berichtete, nach der Veröffentlichung seines Namens sei sein Geschäft eingebrochen. Zuletzt hatte er gar eine Ausdehnung der Klage gefordert. Maurer hatte ihn in einer WhatsApp-Nachricht als „Arschloch“ bezeichnet und dies auch in der Verhandlung wiederholt. Maurers Anwältin Maria Windhager dazu: „Das fiel in einer privaten Nachricht und ist verjährt. Wenn man so eine obszöne Nachricht erhält, kann man über den Verfasser als Reaktion sagen: frauenfeindliches Arschloch.“

Im ersten Verfahren war Maurer bereits schuldig gesprochen und zu 7.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Das Oberlandesgericht hob das Urteil allerdings auf. Das Verfahren musste wiederholt werden.

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