© Kallco

Chronik Wien
04/01/2021

Allein auf weiter Flur: Die Pioniere der Berresgasse

Der neue Stadtteil in der Donaustadt ist in der Warteschleife. Warum auf einem Grundstück trotzdem schon gebaut wird.

von Stefanie Rachbauer

Die aufstrebenden Pläne für das Stadtentwicklungsgebiet Berresgasse in der Donaustadt existieren derzeit vor allem in der Theorie: 7.000 Menschen werden hier, unweit des Hirschstettner Badeteichs, in 3.000 geförderten Wohnungen leben – laut den Plänen der Stadt bereits ab 2022. Dazu kommen Supermärkte, Lokale, Gemeinschaftsräume und miteinander verbundene Parks.

Noch ist das Gebiet allerdings recht leer: Abgesehen von dem vor Kurzem eröffneten Bildungscampus in der Scheedgasse erblickt man vor allem riesige Felder.

Ein paar Schritte weiter befindet sich das einzige Grundstück, auf dem bereits gebaut wird. Der Bauträger Kallco errichtet dort das Projekt com22Plus mit 163 geförderten Mietwohnungen.

Dass dort bereits gearbeitet wird, liegt (abgesehen vom vorliegenden Baubescheid) daran, dass es sich um ein besonderes Projekt handelt. 

Es kommt ohne fossile Energie zum Heizen, Kühlen und für die Warmwasseraufbereitung aus – und ist das erste seiner Art in Wien. Im Unterschied zu anderen Bauträgern musste Kallco nicht warten, bis die Fernwärme- und Gasleitungen verlegt sind.

Hauseigenes System

Für diese Form des Heizens braucht es: sehr viele Schläuche in Decken und Böden und Erdsonden. Das klingt kompliziert (und ist es auch etwas), bringt aber zwei große Vorteile für die Bewohner: viel geringere Betriebskosten und ganzjährig ein angenehmes Raumklima, wie Geschäftsführer Stefan Eisinger-Sewald sagt.

Er hat das Energiesystem mitentwickelt, es patentieren lassen – und ist nicht um Lob dafür verlegen: „Für den geförderten Wohnbau machen wir hier eigentlich eine Themenverfehlung. Eine Wohnqualität wie mit diesem System hat man nicht einmal in einer Hietzinger Villa.“

Tiefenwärme

Vereinfacht gesagt funktioniert das System so: Im Sommer wird Wärme für den Winter gesammelt, wobei gleichzeitig die Wohnungen gekühlt werden.

Im Detail heißt das: Durch die Decken wird im Sommer ständig kühles Wasser gepumpt. Dabei erwärmt sich das Wasser, weil die an sich aufgeheizten Decken ihre Wärme abgeben. Durch die nun abgekühlten Decken sinkt die Raumtemperatur in den Wohnungen.

Das aufgewärmte Wasser wiederum gelangt in 58 Erdsonden. Das sind Zylinder, die 200 Meter tief in den Boden reichen. Die Wärme wird darin gespeichert, eine Art gigantische Wärmebatterie. Das abgekühlte Wasser gelangt dann wieder nach oben – und der Kreislauf beginnt von vorne.

Damit die „Batterie“ noch mehr geladen werden kann, werden am Dach sogenannte Rückkühler montiert. Sie funktionieren nach dem gleichen Prinzip.

Gericht entscheidet

Mit der gespeicherten Wärme wird im Winter geheizt und das ganze Jahr Warmwasser aufbereitet. Für all das braucht es Wärmepumpen und -tauscher – sie werden durch eine Fotovoltaikanlage am Hausdach mit Sonnenstrom gespeist.

In der Praxis getestet wird all das ab Anfang 2022: Dann werden die ersten Mieter einziehen.

Zehn Projekte, ein Quartier

Auf einer Fläche von 170.000 Quadratmetern werden 2.800 geförderte Mietwohnungen und mehr als  200 Gemeindewohnungen gebaut – und zwar von zehn Bauträgern. Sie haben sich im Jahr 2018 im Rahmen eines Wettbewerbs dafür beworben. 

Durchgängiger Grünraum

Zwischen den zehn Wohnprojekten sind miteinander verbundene Parks geplant – vom  Hirschstettner Badeteich bis zum Stadt-
erweiterungsgebiet Am Heidjöchl. 

Bis das bei den neun weiteren Projekten im neuen Stadtteil so weit ist, dürfte es noch dauern. Die anderen Bauträger zögern mit dem Bauen, weil noch offen ist, ob es eine Umweltverträglichkeitsprüfung braucht.

Eine solche könnte den Zeitplan der Stadt grob über den Haufen werfen. Die gerichtliche Entscheidung soll im Lauf des Jahres fallen.

Das Projekt com22plus bleibt also voraussichtlich allein auf weiter Flur.

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