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Chronik Wien
11/01/2020

Adventmärkte bleiben zu: Der Punsch hat vorerst Pause

Verspäteter Saisionstart im Dezember ist ungewiss. Vielen Betreibern der Marktstände fällt ihre einzige Erwerbsquelle weg.

von Josef Gebhard, Roland Pittner

Die ersten Holzhütten stehen bereits auf dem Wiener Rathausplatz. Doch es ist mehr als fraglich, ob heuer hier noch Punsch, Lebkuchen oder Christbaumschmuck verkauft werden: Der von der Regierung verordnete Lockdown bedeutet auch das vorläufige Aus für die heimischen Adventmärkte. Zumindest bis Ende November dürfen sie nicht aufsperren. Ob das im Dezember noch möglich sein wird, ist ungewiss.

Darauf hoffen zumindest die Betreiber von Wiens größtem Weihnachtsmarkt, der am 15. November eröffnen hätte sollen. „Abhängig vom Infektionsgeschehen streben wir an, den Christkindlmarkt sowie den Kleinen Eistraum Anfang Dezember zu eröffnen“, betont man bei den Betreibern. Natürlich auf Basis der gesetzlichen Regeln und eines Sicherheitskonzepts. Wobei es heuer Corona-bedingt statt 154 ohnehin nur 120 Stände geben würde.

Existenzbedrohend

„Ich habe schon einige bestürzte SMS von unseren Standlern bekommen. Für sie ist die Situation existenzbedrohend“, sagt Pius Strobl, Veranstalter des Weihnachtsmarkts am Spittelberg. Manche hätten keine anderen Verkaufskanäle oder Erwerbsquellen als die Märkte. Die Lockdown-Maßnahmen sieht er dennoch als gerechtfertigt. Umso wichtiger sei es aber, dass die Standler finanziell unterstützt werden.

Zwiespältig bewertet Gabriela Schmidle die Lage. Sie ist Geschäftsführerin der MTS Wien GmbH, die den Weihnachtmarkt Schloss Schönbrunn und Schloss Hof organisiert. Dort hätte der Aufbau am Dienstag starten sollen. „Natürlich sind strengere Maßnahmen sinnvoll, um das Virus einzudämmen“, sagt sie. „Wenn man aber sieht, dass sich die Menschen etwa in Einkaufsstraßen ohne größere Einschränkungen bewegen können, ist das schon etwas widersprüchlich.“

Skeptisch

Schmidle ist skeptisch, ob es die Pandemie zulässt, dass die Märkte im Dezember noch aufsperren können. Und wenn ja, wäre das wohl nur mit wirtschaftlichen Einbußen möglich. Immerhin: „Den beleuchteten Christbaum vor dem Schloss Schönbrunn wird es aber auf alle Fälle geben. Damit setzen wir ein Zeichen für ein Stück Normalität.“

Bereits komplett abgesagt hat die Stadt Linz ihre Weihnachtsmärkte: „Die derzeitige Situation erfordert vollste Disziplin, um den rasanten Anstieg der Infizierten-Zahlen einzudämmen“, sagt Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ). In Graz hoffen die Veranstalter ab 1. Dezember die Weihnachtsmärkte zu öffnen. „Wir entwickeln jetzt ein mögliches Szenario mit 1. Dezember und die Zukunft wird zeigen, ob es realistisch ist“, sagt Heimo Maieritsch der für die Adventmärkte in Graz zuständig ist. Da in der steirischen Landeshauptstadt beschlossen wurde, heuer auf den Ausschank zu verzichten und nur Handel und Kunsthandwerk zu erlauben, glaubt er, dass es leichter sein werde den Adventmarkt durchzuführen.

In Salzburg sieht Wolfgang Haider, Obmann des Vereins Salzburger Christkindlmarkt, schwarz für die heurige Veranstaltung. „Wie sollen wir in einer Lockdown-Phase solche Märkte vorbereiten“, fragt Haider. Denn um die Infrastruktur in Salzburg zu errichten, brauche es zwischen 14 und 18 Tage und es werden rund 500.000 Euro investiert. Ohne sicher sein zu können, ob der Markt stattfinden darf. „Wenn dann nicht aufgesperrt werden darf, treiben wir die Mitarbeiter in den Ruin“, meint Haider. Weihnachtsmärkte seien professionell organisiert und brauchen Vorlaufzeit, außerdem bringen sie Frequenz in die Innenstädte, sagt Haider. Für viele Unternehmer gehe es um die Existenz, nicht nur um die weihnachtliche Stimmung.

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