Chronik | Welt
30.11.2016

Panzerabwehr-Rohre sollten nach Österreich geschmuggelt werden

Kalaschnikows und Granaten entdeckt; Zusammenhang mit Terror ist nicht ausgeschlossen.

Nach einem Hinweis des Bundeskriminalamts in Wien schlugen die lokalen Fahnder am Dienstag überraschend zu. Bei Razzien in den vier Städten Bijeljina, Orasje, Doboj und Modrica (alle im Nordosten von Bosnien-Herzegowina) wurden elf Personen festgenommen – darunter offenbar ein Offizier der serbischen Armee, der als mutmaßlicher Anführer des Waffenschmuggler-Ringes gilt.

Die Operation "Mama & Papa" wurde jedenfalls ein voller Erfolg. Insgesamt sind laut offiziellen Informationen 16 Sturmgewehre (durchwegs Kalaschnikows), 83 Handgranaten, elf Kilogramm Sprengstoff sowie 7340 Schuss Munition sichergestellt worden. Nicht auf dieser Liste sind zehn Panzerabwehrrohre inklusive rund 20 Raketen, die aber ebenfalls sichergestellt wurden. Anhand der Bilder dürfte es sich vermutlich um M80-Zolja-Rohre handeln.

Die sichergestellten Waffen dürften allesamt aus dem Jugoslawien-Krieg der 1990er-Jahre stammen. Laut Angaben der bosnischen Staatsanwaltschaft waren alle beschlagnahmten Sprengmittel, Pistolen und Gewehre für Österreich bestimmt und sollten hier weiterverkauft werden. Nähere Informationen sollten auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben werden.

Brisant ist, dass auch die Kalaschnikows für die französischen Terrorangriffe über die Balkanroute gingen. Dort wurden die Waffen laut Geheimdienstinformationen gegen Drogen eingetauscht.

Crystal Meth

Auch auf die Spur der Bosnier kam man im Zuge von Drogenermittlungen. Vor mehr als einer Woche wurden zwei Crystal-Meth-Labors in Tschechien und den Niederlanden ausgehoben. In Deutschland, Tschechien und Österreich wurde Rauschgift im Gesamtwert von rund acht Millionen Euro sichergestellt. Die Polizei sprach von einer 50-köpfigen Tätergruppe.

Die beiden Großlabors hatten offenbar eine wöchentliche Produktionsrate von rund 50 bis 100 Kilogramm Crystal Meth. Als Nebenprodukt wurden bei dieser Razzia auch insgesamt acht Kilo Kokain, Amphetamin und Marihuana sichergestellt. Die Ermittlungen liefen bereits seit Oktober 2015. Im Zuge dieser Operation stießen die österreichischen Beamten offenbar auf die Waffenlieferanten. Weitere Ermittlungen dazu sind derzeit noch im Laufen, dabei dürfte auch ein möglicher Zusammenhang mit dem internationalen Terror näher geprüft werden.