Katastrophale Ausmasse und Schaeden nach Unwettertief "Bernd"

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Chronik Welt
07/19/2021

Flut in Deutschland: 160 Tote und monatelang kein Trinkwasser

Die Hochwasserkatastrophe wird das Land noch lange beschäftigen. Auf dem Prüfstand steht das Frühwarnsystem.

Die Aufräumarbeiten sind voll im Gange nach dem verheerenden Hochwasser im Westen Deutschlands in der vergangenen Woche, doch noch immer ist das Bild des Gesamtausmaßes unscharf. Mehr als 160 Todesopfer verzeichnete alleine die Bundesrepublik, 27 bestätigte Tote sind es in Belgien. Hunderte werden noch vermisst.

Zu den Aufräumarbeiten kommt nun die Aufklärung der Katastrophe hinzu. Wie dies passieren konnte, scheint meteorologisch weitgehend geklärt, die drängendere Frage lautet aktuell: Wurde im Vorfeld alles getan, um die Bevölkerung zu warnen?

"Gibt es Dinge, die schief gelaufen sind?"

Wirtschaftsminister Peter Altmaier forderte jedenfalls Aufklärung, ob der Katastrophenschutz tatsächlich ausreichend funktioniert habe. "Es muss, sobald wir die unmittelbare Hilfe geleistet haben, auch geschaut werden: Gibt es Dinge, die nicht gut gelaufen sind, gibt es Dinge, die schief gelaufen sind? Und dann muss korrigiert werden", sagte der CDU-Politiker. "Es geht nicht um Schuldzuweisungen, es geht um Verbesserungen für die Zukunft."

Etwaige Schwächen des staatlichen Warnsystems erkennt der Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nicht. "Die Warninfrastruktur ist nicht unser Problem gewesen, sondern die Frage, wie sensibel reagieren Behörden, aber auch die Bevölkerung", sagte Armin Schuster im Deutschlandfunk.

"Wir haben 150 Warnmeldungen über unsere Apps, über die Medien ausgesendet", fuhr der Präsident fort. Er verwies darauf, dass die Warn-App Nina des BBK neun Millionen Nutzer habe.

Wo die Menschen in den Hochwassergebieten durch Sirenen gewarnt worden seien und wo nicht, könne er im Moment nicht sagen. Noch sei man "in der Phase des Rettens", das werde man aber ermitteln müssen.

Flooding in Germany

Heftige Diskussionen gab es auch über die Auftritte der deutschen Spitzenpolitiker im Katastrophengebiet. Während Armin Laschet, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und CDU-Kanzlerkandidat, mit einem Fauxpas für Kopfschütteln sorgte, fand Kanzlerin Angela Merkel für Beobachter die richtigen Worte und Gesten.

Einen anderen Weg wählte die Spitzenkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock. Sie verzichtete darauf, sich von Kamerateams und Journalisten medienwirksam begleiten zu lassen. Im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel erklärte sie ihren Auftritt: "Es ging mir darum, wirklich zuhören und auch trösten zu können. Da macht es einen Unterschied, ob Kameras laufen oder nicht. Und ich wollte verstehen, wie man sich künftig besser gegen Naturkatastrophen wappnen kann. Deshalb habe ich mir mehrere Orte angeschaut und über viele Details gesprochen. Dafür braucht man Zeit und mehr Ruhe, als Pressetermine bieten."

Akut bleiben die Probleme in den betroffenen Gebieten. Denn mit dem Hochwasser kommt der Dreck: Das Landesumweltamt (LANUV) in Nordrhein-Westfalen rechnet damit, dass durch die Fluten Öl, Diesel und andere Schadstoffe in die Gewässer eintreten werden. Heizöltanks in Kellern seien aufgeschwemmt worden, Rohre aufgerissen und Kraftstoffe aus den weggespülten Autos ausgetreten, hieß es.

Es sieht so aus, als ob die Infrastruktur so stark zerstört ist, dass es in einigen Orten vielleicht über Wochen oder sogar Monate kein Trinkwasser geben wird."

Cornelia Weigand | Bürgermeisterin der Gemeinde Altenahr

Oberste Priorität für das LANUV habe zunächst die Trinkwasserversorgung, sagte eine Sprecherin. Wasserversorger würden über einen sogenannten Warn- und Alarmplan über mögliche Befunde informiert und könnten dann Maßnahmen ergreifen. "Über andere Umweltfolgen haben wir noch gar keinen Überblick." Dafür müssten die Pegelstände zunächst weiter sinken.

Die Bürgermeisterin der von der Flutkatastrophe besonders hart getroffenen Verbandsgemeinde Altenahr, Cornelia Weigand, sieht die Existenz ihrer Gemeinde in Teilen gefährdet. "Es sieht so aus, als ob die Infrastruktur so stark zerstört ist, dass es in einigen Orten vielleicht über Wochen oder sogar Monate kein Trinkwasser geben wird", sagte sie der Bild-Zeitung. Es sei daher sehr wichtig, "eine Notwasserversorgung gegebenenfalls auch über Monate gewährleisten zu können".

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