Zerstörung durch das Unwetter in Nordrhein-Westfalen.

© APA - Austria Presse Agentur

Chronik Welt
07/17/2021

Zahl der Todesopfer nach Hochwasser auf 170 gestiegen

Auch am Tag drei nach den verheerenden Fluten im Westen Deutschlands ist das Ausmaß der Katastrophe noch unklar.

Nach der Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind bisher insgesamt 143 Todesopfer gemeldet worden. In Belgien wurden bisher 27 Tote geborgen. Insgesamt liegt die Zahl der Opfer also bereits bei 170 Personen. Wie viele Menschen noch immer vermisst werden ist unklar, weil manche Orte noch nicht wieder erreicht werden können.

Die Aufräumungs- und Rettungsarbeiten in den Katastrophengebieten gehen weiter. Alleine in Nordrhein-Westfalen sind 19.000 Rettungskräfte  im Einsatz, die Lage ist laut dem Innenministerium des Landes noch "sehr unübersichtlich". Armin Laschet, CDU-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen beklagte am Freitag eine "Flut-Katastrophe von historischem Ausmaß".

In dem südwestdeutschen Bundesland lag die Zahl der bestätigten Todesopfer am Samstagabend bei 98, im nördliche angrenzenden Nordrhein-Westfalen bei 45. Es wurde befürchtet, dass noch weitere hinzukommen, weil einige Autowracks und vollgelaufene Keller noch nicht kontrolliert werden konnten.

Damm gebrochen

Laut Frühwarnprognose des Landesamts für Umwelt Rheinland-Pfalz verringerte sich die Hochwassergefahr zuletzt. Nur für das Einzugsgebiet des Flusses Ahr und der Zuflüsse der Unteren Sauer bestanden noch Warnungen. Die Pegelständen sanken, zum Beispiel bei dem hart von Unwetter getroffenen Kordel im Landkreis Trier-Saarburg. Der Höchststand des Rheins wurde in Köln erreicht, das Wasser geht aber inzwischen wieder leicht zurück.

Die Gefahr ist allerdings noch nicht gebannt. Man wisse noch nicht, "wie die Talsperren sich verhalten und was noch an Wasser durch die Täler kommt", erklärte ein Einsatzleiter des Technischen Hilfswerks (THW) dem deutschen Spiegel.

So ist in der Nacht auf Samstag im Landkreis Heinsberg ein Damm der Rur gebrochen. 700 Anwohner wurden daraufhin evakiert.

Politiker versprechen Hilfe

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchte am Samstag den besonders hart getroffenen Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Er rief zu Solidarität und Spenden für die Opfer auf. "Vielen Menschen hier in den Regionen ist nichts geblieben außer ihrer Hoffnung. Und diese Hoffnung dürfen wir nicht enttäuschen", sagte das deutsche Staatsoberhaupt nach Gesprächen mit Rettungskräften.

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte Hilfe zu. Sie plant einen Besuch in der schwer verwüsteten Region in Rheinland-Pfalz am Sonntag.

Hilfe versprach auch NRW-Regierungschef und Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet. Es werde "sehr unbürokratisch Geld ausgezahlt". Danach werde man zusammen mit dem Bund "strukturell" den Städten helfen müssen, den Wiederaufbau zu bewerkstelligen, so Laschet.

Klimawandel

Die deutsche Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag): "Wir wissen, dass solche Extremwetterereignisse zunehmen werden. Daher brauchen wir entsprechende Anstrengungen beim Klimaschutz - in Deutschland, aber auch weltweit."

Nach den Worten von Grünen-Bundestagsfraktionschef Anton Hofreiter muss Deutschland seine Maßnahmen für den Klimaschutz verbessern. Das EU-Klimapaket sei ein guter Startpunkt. "Jetzt müssen wir in Deutschland nachlegen und wirksame Klimaschutzmaßnahmen ergreifen. Zugleich brauchen wir eine aktive Vorsorgepolitik, um uns an die neuen Klimarealitäten anzupassen" - also mehr und ökologischeren Hochwasserschutz, Flächenentsiegelung und hitzeangepasste Städte.

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