© EPA/Andrea Fasani

Chronik Welt
02/23/2020

Coronavirus: Norditalien schottet sich ab, dritter Todesfall

Fälle in weiteren Regionen Norditaliens. Zehntausende Menschen praktisch eingesperrt. Fußballspiele und Venedig-Karneval abgesagt.

Italien zählt aktuell die meisten Infektionen mit dem Virus SARS-CoV-2 in Europa. Nach den beiden Todesfällen, die am Freitag und Samstag gemeldet wurden, ist die Zahl der Infizierten in Norditalien auf bisher 132 gestiegen. Am abend ist in der lombardischen Stadt Crema ist das dritte Todesopfer Italiens gemeldet worden, das auf das Virus zurückzuführen ist.

25 Personen liegen auf der Intensivstation. 3.000 Kontrollen wurden durchgeführt. Damit ist Italien weltweit auf Platz vier, in Europa gar auf Platz eins in der Liste der Länder mit den meisten Coronavirus-Erkrankungen aufgerückt.

Der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher hat am Sonntagvormittag eine Notverordnung unterschrieben, durch die das Risiko einer Ausbreitung des Coronavirus im Südtirol minimiert werden soll. Demnach bleiben ab Montag alle Kleinkindbetreuungseinrichtungen, die Freie Universität Bozen und weitere Bildungseinrichtungen geschlossen.

Inzwischen breitet sich die Epidemie auf andere Regionen außerhalb der Lombardei und Venetien aus. Obwohl es in Friaul - die Region grenzt an Kärnten an - bisher keine bestätigten Coronavirus-Fälle gibt, hat die Region am Samstag den Notstand ausgerufen.

Italiens Heer stellt Militärstützpunkte und Kasernen für die Isolierung von Coronavirus-Verdachtsfällen zur Verfügung. Tausende Betten seien bereits organisiert worden, teilte Italiens Zivilschutzchef Angelo Borrelli am Sonntag in Rom mit.

Ein- und Ausreise verboten

Erstmals wurden auch Fälle in den norditalienischen Regionen Piemont und Emilia Romagna registriert. Die italienische Regierung hat am Samstagabend die Isolation von etwa einem Dutzend Städten angekündigt. In den als Epidemiezentren geltenden Gebieten werde den Bewohnern weder die Einreise noch die Ausreise gestattet, sagte Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte. Die Menschen könnten sich nur mit "besonderen Ausnahmeregelungen" bewegen.

Sollte ich meine Reise absagen?

Das  Außenamt hat  keine Reisewarnung für Italien ausgegeben. Nachdem das öffentliche Leben in vielen Regionen aber  weitgehend still steht, sollte man sich überlegen, ob Italien gerade eine Reise wert ist.

Wie kann ich mich vor dem Virus schützen?

Hände waschen! Das ist die wichtigste Maßnahme, um eine Vireninfektion zu vermeiden.

Gelte ich nach einer Italien-Reise als Verdachtsfall?

Nein. Kommt man kränklich von einer Italien-Reise zurück, gilt man derzeit nicht als Verdachtsfall, so wie das mit Chinarückkehrern ist. Wenn man jedoch fürchtet, sich infiziert zu haben, weil man mit Coronainfizierten Kontakt hatte, sollte man keinesfalls eigenständig in ein Krankenhaus fahren, sondern telefonisch die Behörden informieren.

Kann ich meine Reise gratis stornieren?

Nein. Will man die Reise absagen, muss man auf die Kulanz des Anbieters oder der Fluglinie hoffen.

Ich plane eine Italien-Reise im Sommer. Sollte ich das lieber lassen?

Im Moment können weder Mediziner noch Behörden sagen, wie sich das Coronavirus entwickeln wird. In einigen Monaten könnten auch andere Urlaubsländer betroffen sein.

 

"Italien darf kein Lazarett werden"

Die Regierung weigert sich jedoch, die terrestrischen Landesgrenzen zu schließen, wie es einige Oppositionsparteien forderten. "Italien darf kein Lazarett werden", sagte Premier Conte. Er erklärte, dass Italien das Schengen-Abkommen nicht außer Kraft setzen werde. Conte kündigte jedoch die Schließung von Betrieben und Schulen sowie die Absage von öffentlichen Veranstaltungen wie Karnevalsfeiern und Sportwettbewerben an. Der Karneval in Venedig wurde bereits abgesagt.

"Wir müssen alles Erdenkliche unternehmen, um die Verbreitung des Virus zu verhindern. Es tut mir wegen der betroffenen Menschen leid, die Isolierung ist der einzige Weg, um zu verhindern, dass eine Epidemie zu einer Pandemie wird", sagte der lombardische Präsident Fontana im Interview mit dem TV-Sender Sky. Über 50.000 Personen in elf lombardischen Gemeinden wurden unter Isolation gestellt.

Bilder: Hamsterkäufe in betroffenen Städten

Noch unklar ist der Ursprung des Epidemieherdes, der in der lombardischen Provinz Lodi lokalisiert wurde. "Was an der italienischen Situation besorgniserregend ist, ist, dass nicht alle Infizierten direkte oder indirekte Kontakte zu Personen hatten, die in China waren, oder mit bereits bestätigten Infektionsfällen", sagte der Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Europa, Hans Kluge, im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica".

Nehammer: "Gut gerüstet"

 "Es gibt keinen Grund zur Panik" in Österreich, sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) Sonntagvormittag. Mehr dazu hier:

Hotline der Wirtschaftskammer für Firmen

Die Wirtschaftskammer richtet wegen des Coronavirus ab Montag eine Hotline für betroffene Unternehmen aus Österreich ein. Ziel sei es, den Firmen beispielsweise beim Kontakt zu chinesischen Behörden zu helfen, wie es am Sonntag in einer Pressemitteilung hieß.

Das Wirtschaftsministerium organisierte eine "Task Force" namens "Wirtschaft COVID-19" zwischen der chinesischen Botschaft, Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung. Rund 1.000 Firmen aus Österreich haben Niederlassungen in China, dem mit Abstand wichtigsten Handelspartner in Asien.

Hotline der Wirtschaftskammer zum Coronavirus: 05 90900-4352, Mo-Fr 9.00-17.00 Uhr

Höchste Alarmstufe in Südkorea

Die Situation in Südkorea wird angesichts der rasanten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus immer besorgniserregender: Nach zwei weiteren Todesfällen durch die Lungenerkrankung Covid-19 kündigte der südkoreanische Staatschef Moon Jae In an, wegen des Virus die höchste Alarmstufe auszurufen.

Insgesamt starben in Südkorea bisher vier Menschen durch das neuartige Coronavirus. Die Zahl der Neuinfizierten stieg um 123 auf 556 Fälle - Südkorea ist damit das Land mit der höchsten Fallzahl nach China.

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