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Chronik Welt
01/21/2021

Corona-Hotspots: Welche Länder derzeit am meisten betroffen sind

Das Coronavirus hat die Welt fest im Griff. Während Israel sich über Rekord-Impfzahlen freut, mangelt es in Brasilien an Sauerstoff. Auch in Europa spitzt sich die Lage zu.

von Irene Thierjung

Zu Wochenbeginn schlug der britische Gesundheitsminister Matt Hancock Alarm. „Alle 30 Sekunden wird jemand in eine Klinik gebracht“, sagte der Konservative mit Blick auf die Corona-Pandemie. Allein am Montag gab es im Vereinigten Königreich 37.535 Neuinfektionen und 599 Tote (bei 67 Mio. Einwohnern). 

In Relation zur Bevölkerung verzeichnet das Land zudem die weltweit höchste Anzahl von Corona-Todesfällen. Im Sieben-Tage-Durchschnitt waren es laut der Universität Oxford zuletzt mehr als 16,5 Tote pro einer Million Einwohner. 

In der EU, zu der Großbritannien nicht mehr gehört, sind seit Beginn der Pandemie mehr als 400.000 Menschen an Covid-19 gestorben, das Coronavirus hat die 27 Mitgliedsstaaten mit ihren rund 447 Millionen Einwohnern fest im Griff. Ein Überblick über derzeitige Corona-Hotspots.

Portugal 

Im Vergleich zu anderen Ländern ist Portugal lange glimpflich durch die Pandemie gekommen. Seit dem Herbst wird die Lage aber immer schlechter, zuletzt stiegen die Infektions- und Todeszahlen so stark wie noch nie. Die Krankenhäuser stoßen an ihre Grenzen, von den 672 Intensivbetten (für 10,3 Millionen Einwohnern) waren Ende vergangener Woche 638 belegt. Seit vergangenen Freitag gilt - wie schon im Frühjahr - ein strenger Lockdown, die Maßnahmen ähneln jenen in Österreich. 

Andorra

Der Zwergstaat zwischen Frankreich und Spanien ist von der Coronakrise ebenfalls stark betroffen. Bei einer Einwohnerzahl von nicht einmal 80.000 Menschen wurden seit Beginn der Pandemie mehr als 9.100 Infektionen und über 90 Todesfälle gezählt. Am Dienstag kündigte Spanien an, 30.000 Dosen des BioNTech/Pfizer-Impfstoffes an Andorra zu liefern. 

Spanien

Im bereits von der ersten Corona-Welle stark betroffenen Land stieg die Zahl der Neuinfektionen am Wochenende auf einen neuen Höchstwert von 84.287 (bei 47 Mio. Einwohnern). Von Freitag bis Montag seien zudem 455 Menschen an oder mit Corona gestorben, teilte das Gesundheitsministerium in Madrid mit. Die autonomen Gemeinschaften des Landes verschärften die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus weiter.

Tschechien und Slowakei

Tschechien verzeichnete in den vergangenen zwei Wochen einen massiven Zuwachs an Neuinfektionen. Inzwischen scheint der verlängerte harte Lockdown Wirkung zu zeigen, derzeit liegt die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit rund 2.600 so niedrig wie lange nicht (bei 10,7 Mio. Einwohnern). Dennoch gelten die österreichischen Grenzkontrollen für Einreisende aus Tschechien wie geplant bis 7. Februar.

In der Slowakei, die ebenfalls den österreichischen Grenzkontrollen unterliegt, macht vor allem die aus Großbritannien stammende Mutation des Coronavirus Sorgen. Der aktuelle Lockdown wurde bis 7. Februar verlängert.

Deutschland 

Deutschland als ganzes zählt zwar nicht zu den europäischen Corona-Hotspots, die 7-Tage-Inzidenz liegt bei rund 130. Allerdings gibt es einige regionale Hotspots wie Sachsen oder Thüringen, wo die Inzidenz weit über 500 ist. Deshalb und wegen der Sorge vor der ansteckenderen Mutation des Coronavirus will die deutsche Regierung den bestehenden Lockdown bis 15. Februar verlängern - und verschärfen.

Österreich

Und wie ist die Lage in Österreich? Etwas besser als in Deutschland - mit einer 7-Tages-Inzidenz von rund 115. Allerdings gibt es nach wie vor große regionale Unterschiede. In Wien, Tirol und der Steiermark ist die 7-Tages-Inzidenz inzwischen bei unter 100 angelangt. In Salzburg liegt sie noch immer bei 219 - der mit Abstand höchste Wert hierzulande. 

Hotspots weltweit

In den USA (328 Mio. Einwohner) wurde wie in der EU vor wenigen Tagen die Marke von 400.000 Corona-Toten überschritten, in Teilen des Landes ist die Lage dramatisch. 

Weltweit betrachtet zählen derzeit auch das südliche Amerika, allen voran Brasilien, sowie Russland, Israel und der Libanon zu den Corona-Hotspots. 

Brasilien

Das südamerikanische Land kämpft seit Monaten mit hohen Coronazahlen, die Ablehnung der meisten Schutzmaßnahmen durch den rechts-populistischen Präsident Jair Bolsonaro (genannt "Tropen-Trump") hat die Krise verschärft.

Am Montag starteten die Impfungen gegen das Coronavirus, die Bolsonaro ebenfalls ablehnt. Wie nötig diese sind, zeigt sich derzeit besonders in der Region Amazonas. In der Millionenstadt Manaus fehlt es wegen der hohen Fallzahlen in einigen Spitälern bereits an Sauerstoff, Corona-Patienten - aber auch zu früh geborene Babys - ersticken.

Russland

In Russland - ebenfalls seit Monaten an der Spitze der Corona-Statistiken - verzeichneten die Behörden zuletzt 21.734 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Allein in Moskau gab es knapp 3.300 nachgewiesene Ansteckungen. Insgesamt zählt Russland bereits mehr als 3,61 Millionen Corona-Infektionen. 

Am Dienstag teilten die russischen Gesundheitsbehörden mit, dass der zweite im Land entwickelte Impfstoff („EpiVacCorona“) in klinischen Studien eine 100-prozentige Wirksamkeit aufgewiesen habe. Der bereits zugelassene russische Impfstoff „Sputnik V“ hat nach offiziellen Angaben eine Wirksamkeit von 92 Prozent.

Israel 

Israel gilt als Impf-Weltmeister, rund 25 Prozent der neun Millionen Einwohner haben zumindest die erste Dosis des Corona-Vakzins bereits erhalten. Rekordträchtig ist nach wie vor aber auch die  Zahl der Neuinfektionen, das Gesundheitssystem des Landes hat seine Belastungsgrenze erreicht. Am Montag wurden neuerlich mehr als 10.000 neue Fälle gemeldet.

Seit knapp zwei Wochen gilt in Israel ein Lockdown mit strikten Einschränkungen. Man darf das eigene Haus oder die eigene Wohnung nur in einem Umkreis von 1.000 Metern verlassen. Am Dienstag wollte die Regierung über eine Verlängerung beraten.

Libanon 

Das krisengeschüttelte Mittelmeerland steckt seit der Vorwoche in einem der weltweit härtesten Lockdowns, nachdem es zuvor 5.000 Neuinfektionen täglich verzeichnet hat (bei rund sechs Millionen Einwohnern). Noch bis Ende dieser Woche gilt eine totale Ausgangssperre, selbst Supermärkte sind geschlossen, die Armee kontrolliert die Einhaltung der Maßnahmen. 

Ein Grund für die explodierenden Zahlen dürften die Lockerungen um Weihnachten und Silvester gewesen sein; um die marode Wirtschaft zu unterstützen, durften unter anderem Restaurants und Bars wieder öffnen.

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