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Politik Ausland
01/17/2021

Corona: Lage in Brasilien und USA teils völlig außer Kontrolle

Traurige Rekordzahlen aus den Staaten. Im brasilianischen Manaus ersticken Patienten, Sauerstoff fehlt.

von Michael Hammerl

An normalen Tagen sind Krebs- oder Herzerkrankungen die häufigsten Todesursachen in den USA. Am Freitag, dem 15. Jänner, war das plötzlich anders: 3.744 Corona-Tote wurden verzeichnet. Damit ist Covid aktuell die häufigste Todesursache in den Vereinigten Staaten.

Besonders dramatische Schilderungen sind aus Südkalifornien zu vernehmen. „Rettungswagen fahren stundenlang im Kreis und finden keine Notambulanz, die noch Patienten aufnimmt. Den Spitälern geht der Sauerstoff aus. Die freie Kapazität der Intensivstationen liegt bei Null. Patienten liegen in den Gängen und in Zelten“, berichtet das Nachrichtenportal STAT von schauderhaften Szenen im Ballungsraum Los Angeles.

"Grässlich"

Die Situation sei „grässlich“ und völlig außer Kontrolle. Und sie steht leider stellvertretend für die Lage im gesamten Land. Die täglichen Todeszahlen in den USA seien vergleichbar mit jenen, die bei der Terrorattacke auf das World Trade Center am 11. September 2001 verzeichnet wurden, berichten Experten. 2.988 Menschen starben beim Anschlag.

Dieser Trend eines täglichen 9/11 hat sich längst gefestigt. Die Infektionsfälle stiegen in den vergangenen beiden Wochen um 19 Prozent, die täglichen Neuinfektionen auf über 240.000. Seit März 2020 ist Covid-19 die dritthäufigste Todesursache in den Staaten, die Schwelle von insgesamt 400.000 Corona-Toten ist in Kürze erreicht.

Ist Erleichterung in Sicht, etwa dank der Impfung? Eher nicht, denn die mutierte Virus-Variante „B.1.1.7“, die zum ersten Mal in Großbritannien sequenziert wurde, breitet sich auch in den USA aus. Ein ähnliches „Wettrennen“ spielt sich in Europa ab. Während die Infektionszahlen in Großbritannien und Irland bereits explodiert sind, hat sich die Mutante etwa in einem belgischen Altenheim massiv ausgebreitet.

„P.1“ bereitet Sorgen

Neben der „britischen“ Variante sorgen auch eine Mutation in Südafrika und die neue Mutation „P.1“ in Brasilien für Beunruhigung. In Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas, hatten sich im vergangenen Jahr drei Viertel der Bevölkerung mit Corona infiziert. Groß war die Hoffnung auf eine Herdenimmunität.

Weit gefehlt: Das Gesundheitssystem in der Stadt ist mittlerweile kollabiert. Der Sauerstoff zur Beatmung der Patienten ist ausgegangen, Dutzende Menschen ersticken, auf manchen Covid-19-Stationen sollen alle Patienten gestorben sein. Bürger behelfen sich, indem sie privat Sauerstoffflaschen erwerben. Möglicher Hintergrund der unerwarteten Infektionswelle: Bereits entwickelte Antikörper bieten keinen ausreichenden Schutz gegen P.1. Ein Nachweis, dass die Mutation für den Ausbruch verantwortlich ist, steht aber noch aus.

Der Düsseldorfer Impfarzt Philip Kraus – er leitet die WHO-Arbeitsgruppe zu Corona-Impfstoffen – meinte im Fachmagazin Science mit Blick in die Zukunft: Die schnellen Mutationen würden darauf hindeuten, „dass sich das Virus früher als erhofft zu einem impfstoffresistenten Phänotypen entwickeln kann“. Tritt dieser Fall ein, müssen Impfstoffe modifiziert werden. Krause rät zu „multivalenten Impfstoffen“, die gegen mehrere Abstammungslinien des Coronavirus wirken – sobald das notwendig werden sollte.

Notfallzulassung von Impfstoffen

Brasiliens Nationale Gesundheitsbehörde Anvisa reagierte noch am Sonntag auf die Notlage und ließ im Eilverfahren die Corona-Impfstoffe von Sinovac und AstraZeneca zu.

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