© APA/dpa/Marijan Murat

Pro und Contra
01/19/2021

FFP2-Maskenpflicht: Muss der Bart jetzt weg?

Gehört eine Nassrasur jetzt zu einer wirksamen Pandemiebekämpfung? Und sind Bärte nicht ohnehin längst out? Ein Pro und Contra zur Causa prima für die behaartere Hälfte der Österreicher.

von Laila Docekal, Kevin Kada

Ab kommenden Montag gilt in ganz Österreich eine "erweiterte" Maskenpflicht in Handel und öffentlichen Verkehrsmitteln. Der übliche Mund-Nasen-Schutz reicht dann nicht mehr - das "Filtering Face Piece der Schutzklasse 2", die sogenannte FFP2-Maske, ist dann Pflicht. 

Richtig getragen, ist sie deutlich effektiver als einfache Masken aus Baumwolle.

Die Betonung liegt aber auf "richtig getragen". So sollen FFP2-Masken nicht länger als drei bis vier Stunden durchgehend verwendet werden. Ist eine Maske feucht, muss sie schon früher gewechselt werden. Die Mehrfachverwendung ist möglich - Experten raten aber dazu, die Maske im Backrohr bei 80 Grad eine Stunde lang zu trocknen - und das nicht öfter als fünf Mal. 

Und, ganz wichtig: Die Masken müssen möglichst eng anliegen. Schon kurze Bartstoppeln sind hier kontraproduktiv, warnen Experten. "Im Grunde bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, sich zu rasieren", sagt etwa Christof Asbach, Präsident der deutschen Gesellschaft für Aerosolforschung. Der Erlanger Oberbürgermeister Florian Janik hat bereits eine eigene "Bart-Ab-Challenge" gestartet - und hat andere Politiker aufgerufen, es ihm gleich zu tun. 

Also: Nassrasur zur Pandemiebekämpfung? Ein Schlagabtausch unserer Redakteure Kevin Kada - selbst überzeugter Bartträger und Leben-Ressortleiterin Laila Docekal. 

„Wenn du dich zu viel rasierst, muss ich mich leider von dir trennen“ – diesen, durchaus scherzhaft gemeinten, Satz hören viele Bartträger von ihren Lebensgefährtinnen und Frauen. Ein gewisses Fünkchen Ernst ist aber wohl dennoch dabei. Eine komplette Rasur ist bestimmt kein endgültiger Trennungsgrund, aber für uns Bartträger ist der behaarte Teil des Gesichtes eine Lebenseinstellung. Wir lassen wachsen und durchleiden teils Jahre der Missgunst. „Wie schaut'n der aus?“, „Willst dich ned endlich mal rasieren?“, „So traust du dich aus dem Haus?“ - All diese Sätze hört fast jeder Bartträger. Denn wer Bart will, muss auch dafür arbeiten. Ich selbst hatte 2011, im zarten Alter von 19 Jahren, meine letzte komplette Rasur. Danach sah ich aus wie…Fünf.

Es folgten Stadien, in denen der Bart wahrlich kein Augenschmaus war. Man sieht teilweise aus, als ob ein Meerschweinchen auf dem Gesicht gestorben wäre. Doch nach einiger Zeit und einem Besuch in einem guten Barbershop, kann man sich dann endlich an seinem Stück Statement, ja vielleicht sogar an einem Stück Identität erfreuen.

Eine Rasur soll also die Wirksamkeit der FFP2-Maske verstärken? Mag sein. Wie sehr, da scheiden sich die Geister. Gibt es einen medizinisch relevanten Grund dafür, sich den Bart nicht zu rasieren? Nein. Für mich (und für viele andere) wäre das aber ein Eingriff in einen ganz persönlichen Lebensbereich. Und um ehrlich zu sein: solange es noch immer Menschen gibt, die es nicht schaffen, die Masken in den Öffis oder im Supermarkt über Mund UND Nase zu tragen, solange bin ich auch nicht bereit, für ein paar Prozent mehr Wirksamkeit der FFP2-Maske meinen Bart aufzugeben. Und Poetry Slammer Patrick Salmen spricht im Video unten wohl vielen Bartträgern aus der Seele: ""Alles, was mich schützt, ist mein Bart!". Mit einem gewissen Augenzwinkern natürlich ;-).

In diesem Sinne: Der Bart bleibt dran!

Kevin Kada

„Ich bekomme Pickel davon“, „Meine Haut verträgt das nicht“ oder auch: „Da schau ich aus wie ein kleiner Bub“… die Männerwelt war schon vor Corona nicht um Ausreden verlegen, wenn es um die Rasur ihrer Gesichtsbehaarung geht. Der Trend zum Holzfäller-Look hat dem ungebremsten Wildwuchs den letzten Rest gegeben - war es doch für viele quasi ein Freibrief, ihr Erscheinungsbild nicht einmal mehr im Spiegel zu checken. Die wenigsten Herren haben sich ja wirklich um einen schön gepflegten Bart bemüht, denn der braucht Zeit, präzise Schnippeltechnik und (oh Schreck, wie unmännlich!) Pflegeprodukte. Die Maske hat einem da wenigstens den Anblick des Unkrauts erspart.

Tja und jetzt bedroht der Bart sogar unsere Gesundheit – nicht, dass die Essensreste und sonstigen Bakterien, die in so einem Bart gerne hängenbleiben, sonderlich gesundheitsfördernd gewesen wären.

Nach dem Motto „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ ruft ein deutscher Bürgermeister jetzt vorbildlich zur Bart-ab-Challenge auf und macht für die bärtige Männerwelt den ersten Schritt. Und was soll man sagen… es dürfte fast so schlimm gewesen sein wie ein Männerschnupfen, wenn man sich die Kommentare des Bürgermeisters zu seinem Kahlschlag ansieht: "Man hat so Phantombart-Schmerzen. Ich erwische mich, wie ich mehrmals am Tag da hin fasse. Insofern vermisse ich den Bart schon."

Also liebe Männer, gebt euch einen Ruck. Kleiner Trost: Hinter der Maske sieht man eh nicht, ob ihr Pickel habt oder wie kleine Buben ausseht.

Laila Docekal

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