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Politik Ausland
01/19/2021

Israels Impfkampagne gibt Hoffnung

Laut Untersuchungen sinkt die Infektionsrate nach der ersten Impfung beträchtlich. Angesichts der vielen Neuinfektionen hat Israel das bitter nötig – auch wenn bereits ein Viertel der Bevölkerung geimpft ist.

von Armin Arbeiter

Mehr als 8.000 Neuinfektionen (bei rund neun Millionen Einwohnern) musste Israel am Sonntag vermelden, an dem auch die Zahl von insgesamt 4.000 Toten überschritten wurde. Dennoch macht die rasante Impfkampagne Hoffnung auf ein rascheres Ende der Pandemie: Einen Monat nach Beginn der Impfungen zeigen erste Studienergebnisse, dass der Impfstoff die Zahl von Neuinfektionen deutlich senkt. Bereits zwei Wochen nach der ersten Dosis des Biontech-Pifzer-Vakzins war die Zahl der positiven Corona-Tests bei über 60-Jährigen signifikant niedriger.

Große Studie

Die israelische Krankenkasse Clalit verglich rund 200.000 Geimpfte, über 60 Jahren, die vor zwei Wochen ihren ersten Stich bekommen hatten, mit einer gleichen Gruppe Nicht-Geimpfter. Sie alle mussten sich – etwa weil sie mit Erkrankten Kontakt gehabt hatten – testen lassen, der Anteil der positiv Getesteten war bei der geimpften Gruppe um 33 Prozent niedriger als in der nicht geimpften Gruppe.

Das ist insofern viel als dass nur ein Prozent der Geimpften eine ganze Woche nach der ersten Impfung genügend Antikörper entwickelt hat, um sich gegen Covid-19 zu immunisieren. Nach zwei Wochen sind es bereits 50 Prozent. Erst nach der zweiten Impfung soll laut Pfizer auch der Großteil der anderen Hälfte immun werden. Damit dürften die Unterschiede zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften in weiteren Studien deutlich größer werden. Bereits jetzt berichten kleinere Untersuchungen von 60 Prozent weniger positiven Testergebnissen.

Angesichts des raschen Impftempos berät die Regierung heute, Dienstag, ob der seit 7. Jänner geltende dritte Lockdown, der angesichts der steigenden Zahlen noch verschärft wurde, verlängert werden soll. Derzeit sind bis auf wenige Ausnahmen Geschäfte, Arbeitsstätten und Schulen geschlossen.

„Grüner Pass“

Premierminister Benjamin Netanjahu ist Berichten zufolge für eine Beibehaltung der scharfen Maßnahmen. Allerdings soll bald eine Entscheidung zum sogenannten „Grünen Pass“ kommen. Dieser sieht vor, dass Geimpfte unter anderem öffentliche Veranstaltungen und Restaurants besuchen dürften sowie von den Quarantänemaßnahmen verschont werden.

Mittlerweile sind mehr als zwei Millionen Israelis geimpft, 250.000 haben die zweite Impfung erhalten.

Grund für das rasche Tempo und die vielen Impfdosen ist unter anderem die enge Zusammenarbeit mit Pfizer: Angeblich zahlt Israel für den Impfstoff mehr als üblich. Der Erfolg der Impfkampagne – pro Kopf betrachtet impft kein Land schneller – veranlasst die Firma zu einer Kooperation mit dem Land. Der Deal lautet verkürzt: Impfstoff für Daten.

Nach Pfizer-Angaben ermöglichen es die Daten, den Verlauf der Pandemie bei unterschiedlichen Impfraten längerfristig zu beobachten. So lasse sich auch erkunden, ob eine mögliche Abnahme der Fall- und Totenzahlen allein einem Impfschutz oder beidem – direktem Schutz und Herdenimmunität – zugeschrieben werden kann. Pfizer betont, die Erkenntnisse seien weltweit anwendbar und könnten Regierungen dabei helfen, die Pandemie endgültig zu besiegen.

Für Netanjahu steht viel auf dem Spiel: Im März wählt Israel – zum vierten Mal innerhalb von zwei Jahren – eine neue Knesset. Durch die erfolgreiche Impfkampagne konnte sich seine Likud-Partei wieder einigermaßen in den Umfragen stabilisieren. Doch von einer komfortablen Mehrheit ist er noch weit entfernt.

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