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Leitartikel
01/18/2021

Transparenz bei Corona-Impfung: Warum der, aber ich noch nicht?

Bei der Impfung muss der Staat dafür sorgen, dass die Vergabe transparent und fair ist – und Schwarzmärkte verhindert werden

von Richard Grasl

Die Strategie der Verknappung wirkt also auch beim Impfen. Wir kennen sie ja aus dem Handel. Wenn eine neue Playstation oder ein neues iPhone auf den Markt kommt, nächtigen Fans vor den Geschäften oder legen Onlineseiten lahm, um eines der raren Güter zu ergattern. Zeitgleich bildet sich ein Schwarzmarkt, auf dem man zu überteuerten Preisen das Produkt beschaffen kann. So funktioniert das seit Jahrhunderten. Bei neuen Restaurants, in denen es keine Plätze mehr gibt, ebenso wie bei Tickets für das Wimbledon-Finale oder das Neujahrskonzert. Bei Organtransplantationen wurde der Markt streng reguliert, Vergehen werden hart bestraft. Und damit wären wir beim Thema.

Es ist nämlich nicht verwunderlich, dass diese Gesetzmäßigkeiten auch im Fall der Corona-Impfung gelten. Als Wien und Niederösterreich bereits gestern – und damit einen Tag vor dem offiziellen Start – die Anmeldeplattformen öffneten, verbreitete sich die Nachricht viral wie ein Lauffeuer. Mehr als 300.000 Menschen hatten sich bis Mitternacht registriert. Und das, obwohl klar steht, dass es kein „first come, first serve“-Prinzip gibt. Man kann also nicht zu spät dran sein. Aber die Angst, nichts zu bekommen, ist eine starke Triebfeder menschlichen Handelns. Vielleicht hätte man zu den Massentests mehr Menschen gebracht, wenn man kommuniziert hätte, dass nicht für alle ein Test da sei.

Bei der Corona-Impfung ist es die Pflicht des Staates, den „Handel“ zu regulieren und Schwarzmärkte zu verhindern. Reiche, die sich mit Spenden an Altersheime Impfdosen kaufen wollen; ein Bürgermeister wie in Eberschwang (OÖ), der sich mit seinen Vizes und Verwandten den begehrten Stoff spritzen lässt, sodass nur die Hälfte für alte Menschen übrig bleibt – das geht gar nicht. Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser hat mit seiner Ankündigung, jeden Fall sofort an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten, richtig reagiert. Nur: Mangels eindeutigen Straftatbestands könnte das ein Kavaliersdelikt bleiben.

Es machen sich jedenfalls erste Anzeichen echten Impfneids bemerkbar. Warum wird der Nachbar, weil er bei einem Telekom-Unternehmen arbeitet, schon geimpft? Ist ein Controller oder Buchhalter auch systemrelevant? Warum bescheinigt der Arzt jemandem, ein Risikopatient zu sein, obwohl er jährlich eine Fernreise macht? Die Vergleiche sind endlos, und im neidischen Vergleichen ist der Mensch Weltmeister.

Der Run auf den (knappen) Impfstoff – und übrigens auf die derzeit wirksameren Pfizer- oder Moderna-Dosen – ist sicher besser als eine breite Impfverweigerung. So weit ist das ja sogar nützlich. Doch die Politik sollte durch glasklare Regeln, wer wann drankommt, verhindern, dass Freunderlwirtschaft oder dicke Geldkuverts entscheiden.  Daher sollten – so wie in Dänemark – die Impfpläne noch transparenter gemacht werden. Das verhindert Neiddebatten. Und Transparenz ist ja gerade für die Grünen ein zentrales Thema ihrer Regierungsbeteiligung.

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