© REUTERS/Anthony Bolante

Chronik Welt
05/04/2021

Bösewicht oder Philanthrop? An Bill Gates scheiden sich die Geister

Nach 27 Jahren Ehe gehen Bill und Melinda Gates privat getrennte Wege, betreiben aber weiterhin ihre Stiftung, die nicht erst seit Corona die Zielscheibe von Verschwörungstheoretikern und Kapitalismuskritikern ist

von Armin Arbeiter

Sie soll ihr Leben verändert haben, jene Ostafrikareise, die Bill und Melinda Gates vor 28 Jahren anlässlich ihrer Verlobung unternahmen. Die grassierende Armut, der sie dort begegnet seien, habe sie dazu bewogen, „Gutes zu tun“.

Das wollen sie weiterhin, trotz ihrer Scheidung. Die Bill & Melinda Gates Stiftung werden sie gemeinsam weiterführen. Sich der Forschung nach Impfstoffen gegen AIDS, Tuberkulose und Malaria widmen, die Bildungschancen von Kindern in armen Ländern stärken.

Oder, wie eine Gruppe von Verschwörungstheoretikern mutmaßt: Die Bevölkerung chippen, die Welt im Kommunismus versklaven.

Kaum eine Person des öffentlichen Lebens wurde seit Beginn der Corona-Pandemie so sehr Zielscheibe von Verschwörungstheorien wie Bill Gates. Selbst ein Foto, das ihn bei seiner Impfung zeigt, wird angezweifelt. „Das sei ein Schauspieler“, sind sich Mitglieder von Verschwörungsgruppen im Netz einig.

Millionen an Impfungen

Doch woher kommt dieser Fokus auf Gates? Wie wird aus dem Mann, der einen großen Anteil an der digitalen Revolution hat und als Wohltäter gelten möchte, für einige Menschen der leibhaftige Teufel?

Ein Grund dafür dürfte die Bill & Melinda Gates Stiftung sein, die sich auf die Fahnen schreibt, die Welt verbessern zu wollen. Millionen von Menschen sind etwa mittlerweile gegen Krankheiten geimpft, die noch vor einigen Jahren als Bedrohung für ganze Länder wahrgenommen worden waren – und jetzt als besiegt gelten.

Das geht nicht ohne massiven Einsatz finanzieller Mittel – Mittel, die der Multimilliardär zur Genüge hat. Bereits 1994, ein Jahr nach seiner Ostafrikareise, war Gates der reichste Mensch der Welt. Die Bill & Melinda Gates Stiftung ist die größte Privatstiftung der Welt, ihre Spenden machten zwischen 2018 und 2019 mehr als zehn Prozent des WHO-Budgets aus. Damit ist die Stiftung der zweitgrößte Geldgeber nach den USA und hat einen erheblichen Einfluss auf die Politik der Weltgesundheitsorganisation.

„Wenn Bill Gates morgen sagt: Ich habe kein Interesse mehr an Gesundheit, ich investiere mein ganzes Geld in Erziehungsfragen zum Beispiel, wäre die WHO am Ende“, sagte etwa ein indischer Arzt. Tatsächlich prägen Gates’ Investments die Vorhaben der WHO. Etwa das Projekt „Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung“, an der die Stiftung zu 75 Prozent beteiligt ist. Eine solche Macht halten Skeptiker für demokratisch nicht legitimiert, andere kritisieren sie härter. Kommen dann noch Anschuldigungen hinzu, kann aus Kritik rasch mehr werden.

Kennedy gegen Gates

So geschehen, als ein gewisser Robert F. Kennedy Jr., Impfgegner und US-Präsidenten-Neffe, im April vergangenen Jahres behauptete, Indien habe Gates wegen seiner Impfkampagnen des Landes verwiesen. Fast eine halbe Million Kinder seien wegen seiner Polio-Impfung gelähmt, Frauen wegen seiner HPV-Impfung (gegen Gebärmutterhalskrebs) gestorben. Während Polio in Indien mittlerweile als besiegt gilt, gibt es für die 490.000 angeblichen Lähmungsfälle keine Belege.

Dennoch erfreut sich diese Anschuldigung großer Beliebtheit in sozialen Medien. Die sieben Mädchen, die angeblich wegen der HPV-Impfung starben, kamen auf andere Art und Weise zu Tode. Trotzdem gab diese HPV-Impfkampagne Anlass zur Kritik. So wurden etwa die Eltern der Mädchen nicht um deren Einverständnis gebeten. Kritiker aus dem linken Spektrum sahen darin einen „Pharma-Kolonialismus“.

Kritik muss sich Bill Gates auch für andere Projekte gefallen lassen, etwa seine Saatgut-Projekte in Afrika. Die Vorwürfe: Seine Initiativen würden nur großen Konzernen Nutzen bringen und die Kleinbauern außen vor lassen. Denn diese müssten sich um mehr als nur das Saatgut kümmern, könnten nicht konkurrenzfähig wirtschaften. Und noch viel schwerwiegender für Skeptiker aus Europa: „Bestimmte Fortschritte sind ohne Gentechnik nicht denkbar“, sagte er in Bezug auf die afrikanische Landwirtschaft.

Als dann zu Beginn der Corona-Pandemie eine Viren-Simulation aus dem Vorjahr auftauchte, wo ein Virus aus China die Welt bedroht, brachte das das Fass für einige zum Überlaufen.

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