In der Wiener Innenstadt fehlen die Touristen

© Kurier/Jeff Mangione

Analyse
07/27/2020

Unsicherheit im Tourismus: Leere Städte, volle Seebäder

Die Seenregionen waren bisher die Gewinner der Corona-Sommersaison. Zumindest bis zum Ausbruch am Wolfgangsee.

von Christian Willim, Laura Schrettl, Nikolaus Tuschar

Vor dem Michaelerplatz in Wien reihen sich leere Kutschen aneinander. Vor dem Schloss Schönbrunn muss man sich nicht mit hunderten Touristen um das beste Foto streiten. Und vor dem Stephansdom wird man dieser Tage nicht von einem Mozartverkäufer angesprochen.

Der Sommer ist dieses Jahr ein anderer.

In Wien trifft man eher die Wiener selbst oder Österreicher aus anderen Teilen des Landes, aber keine Millionen Touristen. Das wird sich in den nächsten Monaten auch nicht ändern.

Obwohl die Hotels zwar seit Ende Mai wieder geöffnet haben – in Wien zumindest etwa die Hälfte – fielen die Nächtigungszahlen im Juni sehr schlecht aus. Die Hotels verzeichneten ein Minus von fast 90 Prozent – im Vergleich zum Juni 2019.

Der Grund: Die ausländischen Gäste fehlen. Und die machten im Vorjahr immerhin 83 Prozent aus. Die Städte werden die Verlierer des Corona-Tourismusjahres sein.

Das zeichnet sich auch in Salzburg und Innsbruck ab – den nach Wien zwei wichtigsten Destinationen im österreichischen Städtetourismus. Sie verzeichnen ein Gästeminus von 77,7 bzw. 66,6 Prozent.

An Österreichs Seen zeigt sich ein anderes Bild. In den Top-Lagen bekommt man nur mehr vereinzelt Zimmer. Dafür sorgen heuer vor allem Gäste aus dem Inland. Ob der Corona-Ausbruch am Wolfgangsee (siehe links) daran etwas ändert, wird sich erst noch zeigen.

Dass die schiefe Ebene mitten durch ein Unternehmen verlaufen kann, davon kann Panajotis Panagiotopulos ein Lied singen. Der Direktor des Mercure Grand Hotel Biedermeier im 3. Wiener Bezirk verzeichnet aktuell in seinem Haus nur eine Auslastung von rund 25 Prozent. Im Partnerhotel Grand Hotel in Bregenz beim Bodensee liege sie derzeit hingegen bei 80 Prozent, erzählt er: „Dort gibt es nur einen leichten Rückgang, obwohl heuer keine Festspiele stattfinden.“

„Voll ist voll“

Die Gewinner dieser Krisen-Sommersaison werden Hotels am Wasser sein. Wenn auch nur in Relation zu anderen Urlaubszielen. „Hochsaison ist Hochsaison und voll ist voll – zu dieser Zeit sind wir generell ausgebucht, da geht nichts mehr. Von meinen Kollegen rund um den See höre ich selbiges“, sagt Jakob Wrann, Chef des Seehotel Europa am Kärntner Wörthersee.

Aber auch um den See habe man vier bis sechs Wochen verloren. „Das wird nicht aufzuholen sein, aber wir freuen uns dennoch über die doch gut verlaufene Saison“, zieht Wrann Zwischenbilanz.

Auch in Tirol gab es am Wasser – nämlich am Achensee – im Juni ein vergleichsweise geringes Gästeminus. Dort blieben zwar im Juni die Hälfte der Urlauber aus. In vielen anderen Regionen des Bergtourismuslandes waren es jedoch über 70 Prozent.

Gute Buchungslage

Diese Zahlen sind laut Florian Phleps, Chef der Tirol Werbung, aber mit Vorsicht zu genießen. Zum Teil hätten Hotels im Juni einfach noch nicht aufgesperrt, andererseits spielten bis Monatsmitte noch Reisebeschränkungen eine Rolle.

„Die Buchungslage für Juli und August schaut wirklich gut aus“, sagt Phleps. Das gelte insbesondere für Urlaub am Bauernhof, Apartments und die gehobenere Hotellerie. „Ich bin auch für den Herbst sehr zuversichtlich. Vorausgesetzt, die Gesundheitssituation bleibt so.“

Das ist und bleibt  für die gesamte Branche der größte Unsicherheitsfaktor.