In St. Wolfgang sind die Corona-Zahlen Tag für Tag gestiegen

© Wolfgang Spitzbart

Politik Inland
07/27/2020

Cluster am Wolfgangsee: Illusion vom sicheren Österreich-Urlaub

Mit vom Bund geförderten Massentests sollte Österreich als sicheres Reiseland punkten. Am Wolfgangsee zeigen sich die Schwächen.

von Christian Willim

Das Coronavirus macht nicht vor einer Grenze Halt. Schon gar nicht, wenn sie zwischen zwei Bundesländern verläuft. Genau das ist am Wolfgangsee der Fall, dessen Tourismusorte sich gemeinsam vermarkten. Und die nun zumindest im Falle der beiden Gemeinden St. Wolfgang (OÖ) und St. Gilgen samt Ried (Salzburg) ein gemeinsames Problem haben:

Einen Covid-19-Cluster, der in erster Linie Tourismuspraktikanten umfasst, aber auch andere Mitarbeiter in Gastronomie und Hotellerie.

53 Fälle identifiziert

Am Samstag wurden in St. Wolfgang 628 Mitarbeiter, Einheimische und Urlauber von den Behörden getestet. Montagmorgen waren all diese Tests ausgewertet: 53 Infizierte wurden registriert. 

Am Sonntag wurden weitere 419 Tests durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Abstriche sollen dann am Montag vorliegen.

Laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) stellt der Cluster „eine besondere Herausforderung dar“.

Zur Frage, ob der Region ein Lockdown drohen könnte, meinte Gmundens Bezirkshauptmann Alois Lanz: „Aus jetziger Sicht nicht. Die Lage wird nach Vorliegen der Testergebnisse zu bewerten sein.“

Behörde nicht informiert

Ausständig war am Sonntag außerdem immer noch das Ergebnis jener Testreihe, die vonseiten des Tourismus bereits vor dem Corona-Ausbruch geplant und am Freitag unabhängig von den Behördentests in der Region auf beiden Seiten der Landesgrenze gestartet wurde.

Dazu wusste Lanz Bemerkenswertes zu sagen: „Die Ergebnisse sind da. Aber ich kenne sie als Behörde nicht.“

Versprechen von Massentests im Tourismus

Diese Tests – sie werden auch Screening genannt – sind Teil jener Initiative von ÖVP-Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, wonach bereits seit Anfang Juli jede Woche 65.000 Mitarbeiter der Branche auf Covid-19 untersucht werden sollten. Davon kann bis heute keine Rede sein. Bis Mitte vergangener Woche wurden gerade einmal 10.200 Abstriche genommen. Der Bund übernimmt 85 Euro pro Test. Die Abwicklung müssen die Betriebe bzw. die Tourismusverbände organisieren.

Und nun stellt sich auch die Frage, was mit den Ergebnissen passiert – wenn sie nicht einmal ein Bezirkshauptmann kennt, der mitten im Corona-Contacttracing steckt, das sich zudem ins Nachbarbundesland erstreckt.

Hans Wieser von der Tourismusgesellschaft Wolfgangsee, die das Screening organisiert hat, meint hingegen: „Ich kann die Zahlen erst nennen, wenn sie von den Behörden bestätigt sind.“

In St. Wolfgang seien aber drei Betriebe getestet worden, alle Mitarbeiter wären negativ gewesen, verrät er. Nur in einem Fall sei das Ergebnis noch ausständig. Die übrigen Tests würden Betriebe auf der Salzburger Seite betreffen. „Die Behörden müssen sich erst abstimmen“, versuchte Wieser zu erklären, warum das Ergebnis nicht veröffentlicht wird. Auch wenn er meint: „Es schaut gut aus.“

Mängel in Organisation

Für das auf Freiwilligkeit basierende Tourismus-Screening am Wolfgangsee sollen 524 Mitarbeiter angemeldet worden sein. Wie Wieser bereits am Samstag sagte, seien aber nur 240 bis 250 davon wirklich getestet worden. „Die anderen hatten noch keine QR-Codes“, so Wieser. Diese Codes werden nach einer Registrierung der Mitarbeiter auf einer Plattform des Bundes als Bestätigung der Teilnahmeberechtigung übersandt. Offenbar verläuft auch das schleppend.

Keine Garantie

Eine Garantie für absolute Sicherheit im Urlaub gibt es aber ohnehin nicht. Auch das zeigt sich am Wolfgangsee. Das Virus konnte sich verbreiten, obwohl Oberösterreich bereits am 9. Juli die Maskenpflicht in Gastronomie, Hotellerie und anderen Bereichen wieder eingeführt hat. Und Otto Kloiber, Bürgermeister von St. Gilgen auf der Salzburger Seeseite, meint: „Wir haben die Maskenpflicht in der Gemeinde nie abgeschafft.“

Die Behörden vermuten, dass sich das Virus vor allem unter in Bars und Privatquartieren feiernden Tourismuspraktikanten verbreitet hat.

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