© APA/BARBARA GINDL

Chronik Oberösterreich
07/24/2020

Droht am Wolfgangsee ein zweites Ischgl?

26 positive Fälle in mehreren Betrieben im Salzkammergut, zwei betroffene Nachtlokale schließen freiwillig. Österreichweit ist man im Tourismus von den geplanten 65.000 Tests pro Woche weit entfernt.

von Petra Stacher, Elisabeth Holzer, Christian Willim, Michael Pekovics

So hatten sich die Touristiker und deren Gäste den Sommer am  Wolfgangsee vermutlich nicht vorgestellt. Und wohl auch nicht die positiv getesteten und dort arbeitenden Praktikanten, von denen sich mit Stand Freitagabend insgesamt 24 in Quarantäne befanden. Übrigens gemeinsam mit 2 Wirten, die sich ebenfalls mit Covid-19 infiziert hatten und positiv getestet wurden.

Wird jetzt der Wolfgangsee zu einem zweiten Ischgl?

Genau dem wollten die Touristiker der Region eigentlich entgegenwirken, als sie Anfang der Woche den Start einer Corona-Testserie angekündigt hatten. Geplanter Beginn wäre gestern, Freitag, gewesen. 

Weil allerdings bereits am Dienstag das Hotel „Peter“ in St. Wolfgang wegen eines Covid-19-Falls Alarm schlug, wurden die geplanten Testungen vorgezogen. Zurecht, wie die Ergebnisse vom späten Freitagabend zeigen: Insgesamt gab es unter den 209  getesteten Personen die eingangs erwähnten 26 positiven Fälle  – 24 davon in Oberösterreich, 2 in Salzburg.

  • Hotel Leopoldhof (Bundesland Salzburg)
  • Hotel Furian St. Wolfgang
  • Hotel Berau am Wolfgangsee
  • Hotel Seevilla St. Wolfgang
  • Hotel St. Peter St. Wolfgang
  • Eventhotel Scalaria St. Wolfgang
  • Strandhotel St. Wolfgang
  • Pizzeria Mirabella St. Wolfgang
  • Nachtlokal „13er Haus“
  • Nachtlokal „W3“

Gästen, die sich seit 17. Juli 2020 in einem der oben genannten Tourismusbetriebe aufgehalten haben, wird präventiv geraten, ihren Gesundheitszustand genau zu beobachten. Im Falle auftretender Symptome wie Kurzatmigkeit, Halsschmerzen, Entzündungen der oberen Atemwege, Fieber, trockenem Husten oder plötzlichem Verlust des Geschmacks-/Geruchssinnes sollte umgehend die telefonische Gesundheitsberatung 1450 kontaktiert werden.

In St. Wolfgang wird auch Gästen, die sich vorsorglich testen lassen wollen, die Möglichkeit geboten - sie können sich bei der Rot-Kreuz-Ortsstelle melden.

Schneeball-Effekt

Angesichts der Vorgeschichte drängt sich das Bild einer (befürchteten) zweiten Welle auf: Zunächst hatte nur eine Hotelmitarbeiterin über Symptome geklagt. Nach 130 Tests am Mittwoch und Donnerstag wurden weitere vier  infizierte Frauen gemeldet. Wenige Stunden später waren es bereits 8 Mitarbeiter von 6 verschiedenen Beherbergungsbetrieben. Kurz vor 21 Uhr war diese Zahl schon auf 26 angewachsen. 

Laut dem oberösterreichischen Corona-Krisenstab handelt es sich dabei um 24 Praktikanten und  zwei Wirte. Alle befinden sich bereits in Quarantäne. 

Nähere Informationen, wo sich diese Personen angesteckt hatten, waren zu Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Zwei betroffene Nachtlokale in St. Wolfgang, das „13er Haus“ und das „W3“, haben den Betrieb bereits freiwillig eingestellt.

 

Gäste werden getestet

Jenen Gästen, die sich seit 17. Juli in einem der betroffenen Betriebe aufgehalten hatten, wird geraten, ihren Gesundheitszustand genau zu beobachten. Laut Corona-Krisenstab des Landes Oberösterreich können sich Gäste auch proaktiv testen lassen. 

In den betroffenen Betrieben sollen die Schutzmaßnahmen – laut eigenen Angaben – jedenfalls eingehalten worden sein. Beim Kontakt mit Gästen hätten die Mitarbeiter allesamt den Mund-Nasen-Schutz getragen. 

Praktikanten-Cluster

Bei der KURIER-Recherche am Freitagnachmittag hatten sich die Hoteliers noch zuversichtlich gezeigt, dass die Lage unter Kontrolle sei. So meinte etwa Dominik Eberle, Geschäftsführer vom „Hotel Peter“, dass „viele Gäste sagen, dass man mit so etwas fast rechnen muss, wenn man heuer auf Urlaub fährt“. 

Laut ihm sind die infizierten Praktikanten alle aus Oberösterreich und hätten Kontakt zueinander gehabt. „Wir glauben, dass dort der Cluster liegt.“ Auch Bürgermeister Franz Eisl sah am Freitag noch kein Problem: „Wir haben die Situation im Griff.“  

Diese Sichtweise dürfte sich angesichts der neuen Zahlen mittlerweile vielleicht geändert haben, auch wenn die für Tourismus zuständige Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Nachmittag vor „Alarmismus“ warnte: „Das ist jetzt fehl am Platz.“

Erste Reaktionen

In der „ZiB2“ meinte dazu Susanne Kraus-Winkler, Obfrau im Fachverband der Hotellerie in der Wirtschaftskammer, dass alles getan werde, um Gäste und  Mitarbeiter vor einer Ansteckung zu schützen. „Aber wir befinden uns immer noch mitten in einer Pandemie, da kann man Fälle wie diese nicht zu 100 Prozent ausschließen.“ 

Die in dieser Woche gestartete Testserie rund um den Wolfgangsee soll ab sofort wöchentlich wiederholt werden. Insgesamt hinkt der Tourismus seinem gesteckten Ziel von 65.000 österreichweiten Tests pro Woche weit hinterher. Bisher wurden nur 14.000 Abstriche genommen. Allerdings nicht pro Woche, sondern in einem Monat.