Österreich hat pro Kopf die größte Einkaufszentrumsfläche in ganz Europa.

© Kurier/Jeff Mangione

Chronik Österreich
08/02/2020

Wir sind Europameister – im Flächenverbrauch

Kaum wo wird so viel Grünland verbaut wie in Österreich – täglich eine Fläche von 13,5 Hektar. Im Verhältnis der höchste Wert in der EU

von Barbara Mader, Theresa Bittermann

„Natürlich ist Wohnraum ein Bedürfnis. Aber ein großer Prozentsatz der Flächenwidmung geht in Verkehrsflächen sowie Gewerbe- und Industriegebiete. Österreich hat pro Kopf die größte Einkaufszentrumsfläche in ganz Europa.“

Franz Essl, Biologe an der Universität Wien, hat im Auftrag des Umweltbundesamtes eine Studie zum Flächenverbrauch in Österreich erstellt. Fazit: Täglich werden mehr als 13,5 Hektar Grün verbaut. Wenn es so weitergeht, ist Österreich bis 2050 so gut wie zugepflastert. Wohnraum, Industrie und Verkehr sind die Treiber. Der Flächenverbrauch steigt viel stärker als das Bevölkerungswachstum. Dahinter steckt konzeptlose Raumplanung, die in Österreich den Gemeinden überlassen wird – die um Wachstum und Einnahmen konkurrieren.

Parkplätze

Details haben dabei schwerwiegende Auswirkungen: Einkaufszentren außerhalb der Ortszentren erzwingen mobilisierten Individualverkehr. Fünfzig Prozent der Fläche jedes Einkaufszentrums werden für Parkplätze gebraucht. Dazu kommt das mangelnde Flächenrecycling: Wenn Städte und Ortschaften wachsen, werden immer wieder neue Flächen beansprucht: Etwa, wenn der Außenbereich von Ortschaften in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt wird. Die Ansiedlung von Einkaufszentren, Gewerbegebieten oder Einfamilienhaussiedlungen auf der grünen Wiese ist in den vergangenen 30 Jahren massiv gestiegen.

Ehemals genutzte Flächen bleiben leer stehen, es wird lieber woanders gebaut, was möglich ist, weil der Bodenpreis zu billig ist. Und auch im Wohnbau ließe sich nach Ansicht Essls einiges optimieren. Die dichte Verbauung hält er nicht für alternativlos. Dass jede neu gebaute Wohnung einen Parkplatz braucht, sei nicht zeitgemäß.

Im Speckgürtel

Weg vom Auto und hin zum öffentlichen Verkehr – so will auch Christof Schremmer vom Österreichischen Institut für Raumplanung den Fokus gelegt wissen. Denn Verkehr und soziale Infrastruktur seien zentrale Kriterien in der Raumplanung. So sollte etwa im Wiener Speckgürtel enger zwischen der Stadt Wien und dem Land Niederösterreich in diesen Fragen kooperiert werden. Parkraumbewirtschaftung, öffentlicher Verkehr, Grünraum müssten gemeinsam gedacht werden. Positives Beispiel sind Pläne für eine Straßenbahn von Wien nach Niederösterreich – ein Vorschlag der Wiener Stadträtin Ulli Sima (SPÖ), den man auch in den niederösterreichischen Gemeinden begrüßt. Die Wiener Lokalbahnen – Betreiber der Badner Bahn – führen derzeit Gespräche mit den betroffenen Gemeinden und erarbeiten ein Konzept zur Wiederinbetriebnahme der stillgelegten Kaltenleutgebner Bim-Strecke.

Dass in Österreich so viele Wald- und Wiesenfläche durch Haus- und Straßenbauten versiegelt werden, steigert auch die Wahrscheinlichkeit von Katastrophenschäden. So engagiert sich nicht zuletzt die österreichische Hagelversicherung seit Jahren gegen die „Zubetonierung“ des Landes. Denn die Schäden haben in den vergangenen Jahren extrem zugenommen. Die Folgen der zunehmenden Bodenversiegelung sind verheerend. Die Böden können kein Wasser mehr aufnehmen, das Resultat sind Überschwemmungen und Vermurungen.

Äcker bis Friedhöfe
Österreich misst 8,4 Millionen Hektar, 7,3 Millionen davon werden landwirtschaftlich genutzt. Laut Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen gibt es 10,2 Millionen Grundstücke, 2,9 Millionen Gebäude und 2,4 Millionen Gärten. 1,2 Millionen Straßenverkehrsanlagen und 6.377 Friedhöfe sind verzeichnet – neben vielem anderen wie 314 Gletschern

Größter Grundbesitzer 
Die Österreichischen Bundesforste sind der größte Grundbesitzer im Land. Sie betreuen 850.000 Hektar. Der Stadt Wien gehören 55.800 Hektar, vieles davon in NÖ und der Steiermark

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