In Klosterneuburg soll künftig nur dort gebaut werden, wo Bus  und Bahn im Minutentakt vorhanden sind

© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Österreich
08/02/2020

Der schmale Grat zwischen Stadt und Land

Wie die Bevölkerung wächst – und das Wiener Umland mit

von Theresa Bittermann

Eine Gratwanderung. Als solche beschreiben etliche Experten und betroffene Gemeinden den Siedlungsdruck, der auf dem Wiener Umland liegt.

Einerseits müsse man neue Wohnfläche schaffen, um das Preisniveau nicht (noch weiter) in die Höhe zu treiben. Andererseits will man Grünflächen schützen.

Einerseits freut man sich über die Attraktivität und Entwicklung der Gemeinde. Andererseits möchte man aber das Ortsbild bewahren.

Über Stadt- und Landesgrenzen

Ein Plan – vor allem ein gemeinsamer Plan – sei in Zukunft ausschlaggebend, auch da ist man sich einig. „Über Stadt- und Landesgrenzen hinwegzudenken ist ganz zentral“, sagt Christof Schremmer vom Österreichischen Institut für Raumplanung (ÖIR).

Grün soll grün bleiben

Eine Bevölkerungsprognose der Statistik Austria zeigt, wie stark Gebiete rund um Wien wachsen werden. Bis 2040 soll die Region Schwechat um 21,3 Prozent an Einwohnerinnen und Einwohnern zulegen. Aber auch andere Gebiete wie rund um Gänserndorf (18,6 Prozent), Wiener Neustadt Stadt (17,5), Mödling ( 13,6) oder Baden (12,3) bekommen Zuzug. Das Wachstum Niederösterreichs gehe nahezu in konzentrischen Kreisen von Wien aus, heißt es in der Studie. Also je näher eine Region an Wien, desto stärker tendenziell die Bevölkerungszunahme.

Wird das Wiener Umland also irgendwann zu Wien? Nein, sagen Experten.

„Hier gibt es schon klare Grenzen“, sagt Andreas Hacker vom Stadt-Umland-Management Wien NÖ. Eine „Urbanisierung“ gebe es aber , erkärt Peter Görgl von der Uni Wien und vom Raumforschungsbüro Modul 5. Als große Aufgabe sieht er, großflächigen Grünraum dabei als solchen zu belassen und nicht zu zerstückeln. Soweit auch der politische Plan, sagt der zuständige nö. Landesrat Stephan Pernkopf (ÖVP). In einem „grünen Ring“ um Wien sollen Agrar- und Grünräume gesichert werden und zusammenwachsen. Herausforderungen dabei sind regional unterschiedlich.

Die Pläne der Gemeinden

„Wir können viel Bauland nicht nutzen, weil es Privateigentum ist. Dort, wo wir verdichten wollen, können wir oft nicht“, berichtet der Gänserndorfer Bürgermeister, René Lobner (ÖVP). Eine weitere Herausforderung sei es, Infrastruktur in Einklang mit Bevölkerungszahlen zu halten. In den vergangenen Jahren ist Gänserndorf um eine Volksschule und etliche Kindergartengruppen gewachsen.

Obwohl die Schulen dort momentan sehr voll sind, hat man in Mödling ein eher gegenteiliges Problem, wenn man in die Zukunft schaut. Hohe Mietpreise machen es jungen Menschen dort besonders schwer. „Wir müssen schauen, dass wir unsere Infrastruktur auch in den nächsten Jahren gut auslasten können“ sagt Silvia Drechsler, zuständige Stadträtin (SPÖ). Leistbaren Wohnraum schaffen stünde ganz oben auf der Mödlinger Prioritätenliste. Ein Stadtentwicklungskonzept entsteht dort zurzeit.

In Klosterneuburg steckt ein solches schon in der Umsetzung. Gebieten wurden Funktionen wie die überregionale Versorgung oder eine Wohnfunktion zugeordnet. Je nachdem sollen sie nun weiterentwickelt werden. Gebaut werden soll nur dort, wo Bus und Bahn im Minutentakt vorhanden sind, sagt Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager (ÖVP).

„In der Nähe von öffentlichem Verkehr zu bauen ist eine Anforderung, die künftig alle quer durch trifft“, sagt auch der Forscher Schremmer. „Das Wachstum sollte vor allem entlang der öffentlichen Verkehrsachsen orientiert werden“, so Görgl. Nicht zuletzt, um eben auch den Grünraum zu wahren.

 

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