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Chronik Österreich
12/09/2021

Höchste Warnstufe: Unfälle und Stromausfälle nach heftigen Schneefällen

Die Unwetterzentrale hat aufgrund der starken Schneefälle die höchste Wetter-Warnstufe ausgerufen.

von Anja Kröll, Josef Siffert, Teresa Sturm

Der Blick aus dem Fenster zeigt: Der Winter ist da. Ganz Österreich liegt unter einer Schneedecke. In weiten Teilen des Landes hat es über Nacht stark geschneit. Stromausfälle, Verkehrsbehinderungen und zahlreiche Feuerwehreinsätze sind die Folge. Michele Salmi, Meteorologe der Unwetterzentrale Ubimet, kündigte gestern schon an: "Uns steht das stärkste Schnee-Ereignis der vergangenen zehn Jahre bevor."  Verantwortlich dafür ist ein Italientief.

Die Österreichische Unwetterzentrale hat aufgrund des starken Schneefalls bereits Donnerstagfrüh die höchste Wetter-Warnstufe ausgerufen – davon betroffen sind die Bundesländer Vorarlberg, Tirol und Kärnten. In den restlichen Bundesländern herrscht die rote Wetter-Warnstufe.

Am meisten Neuschnee gibt es in Teilen Vorarlbergs und in den karnischen Alpen mit stellenweise bis zu 50 Zentimeter Neuschnee. Und es schneit den Vormittag über auch noch weiter. Im Osten des Landes kann es bis in den Nachmittag hinein noch weiter schneien.

Wien

In Wien hat es so stark geschneit, wie schon lange nicht. Neun Zentimeter Neuschnee wurde auf der hohen Warte gemessen und bis Mittag soll in etwa nochmal soviel dazukommen.

Insofern hat der Winterdienst in Wien, betrieben von der MA48, alle Hände voll zu tun. Über 300 Fahrzeuge sind im Einsatz, über 1.400 Leute mit Schneeschaufeln beschäftigt. "Wir kommen mit dem Pflügen schwer nach", so Josef Ton von der MA48 gegenüber Ö3-Radio. Man fährt drüber und 20 Minuten später schaut die Straße aus, als hätte man sie nicht betreut. Aber bis zu Mittag haben wir die Situation einigermaßen im Griff."

Niederösterreich

In Niederösterreich fiel der Niederschlag im Waldviertel und im Industrieviertel am intensivsten aus, wo am Morgen jeweils bis zu 15 Zentimeter Neuschnee gemessen wurden. Im Weinviertel und im Mostviertel lagen die Neuschneemengen bei jeweils bis zu zehn Zentimeter.

In höheren Lagen herrscht erhebliche Lawinengefahr. Stufe 3 auf der fünfteiligen Skala galt am Donnerstag laut dem Warndienst in den Ybbstaler Alpen, im Gippel-Göllergebiet und in der Rax-Schneebergregion oberhalb von 1.500 Metern. „Allen voran gilt es den Triebschnee zu beachten, der durch mehrmalige Windwechsel und Neuschnee in den erweiterten Ost- und Nordexpositionen entstanden ist bzw. weiter entsteht“, wurde im Lawinenbericht erläutert.

Eine Schneebrettauslösung könne bereits durch die geringe Zusatzbelastung eines einzelnen Tourengehers erfolgen, wurde gewarnt. Im Semmering-Wechselgebiet wurde das Risiko oberhalb der Waldgrenze als „mäßig“ (Stufe 2) eingeschätzt, in den übrigen Regionen und in niedrigeren Lagen als „gering“ (Stufe 1).

Fahrzeugbergungen im Burgenland

Im Burgenland sind die Einsatzkräfte in der Nacht auf Donnerstag sowie in der Früh aufgrund des starken Schneefalls zu zahlreichen Fahrzeugbergungen ausgerückt. Betroffen waren vor allem die Bezirke Oberwart, Güssing und Jennersdorf. Hängen gebliebene Pkw und Lkw gab es vereinzelt auch im Landesnorden, so die Landessicherheitszentrale zur APA.

In der Nacht waren laut LSZ 15 Einsätze zu verzeichnen, verletzt wurde dabei niemand. Am Morgen mussten Rettungssanitäter auch bereits ein paar Personen, die sich bei Stürzen verletzt hatten, versorgen.

Steiermark

Nach teils ergiebigen Schneefällen sind nun wohl auch die letzten Flecken der Steiermark mit weißer Pracht bedeckt. In der Nacht auf Donnerstag hat es speziell in der südlichen Steiermark und auch in der Landeshauptstadt Graz geschneit. Der Norden war bereits davor in Weiß getaucht. Während sich die einen am Schnee erfreuten, war er für viele Verkehrsteilnehmer eine Herausforderung: Die Feuerwehren mussten zu mehreren Einsätzen ausrücken.

Die Feuerwehr in St. Stefan im Rosental im Bezirk Südoststeiermark sprach beispielsweise von einem „Schneechaos auf der L203“. Fahrzeuge konnten die Steilhänge der Ottersbacherstraße nicht mehr bezwingen. Dadurch blieben gleich mehrere Autos hängen, hieß es in der Aussendung der Einsatzkräfte.

Besonders im Raum Mariazell und in der nördlichen Oststeiermark wurden auf zahlreichen Straßenzügen eine Kettenpflicht für Fahrzeuge verhängt: Auf der Südautobahn (A2) mussten Donnerstagfrüh Schwerfahrzeuge über 3,5 Tonnen sowohl zwischen Mooskirchen und Modriach als auch zwischen Pinggau-Friedberg und Aspang Schneeketten aufziehen. Gleiches galt für den Seebergsattel, das Alpl, auf der B23 zwischen Mürzsteg und Terz, über den Zellerain und auf rund ein Dutzend weiterer Straßenzüge. Schwere Unfälle blieben vorerst aus.

Salzburg

Auch in Salzburg führte der starke Schneefall zu Verzögerungen im Straßenverkehr. Man muss mit Schneefahrbahnen rechnen. Im Lauf des Tages soll es zudem weiter schneien. 

Auf höher gelegenen Straßen gilt in Salzburg die Schneekettenpflicht. 

Stromausfälle in Kärnten

In Kärnten hat es über Nacht zwischen 25 und 40 Zentimeter geschneit. Mehrere hundert Haushalte in den Bezirken St. Veit an der Glan, Spittal an der Drau und Villach-Land dürften von Stromausfällen betroffen sein.

Bekannte Störungen gibt es zum Beispiel in Millstatt sowie nahe des Weißensees zwischen Stockenboi und Boden. Auch im Bezirk St. Veit werden Stromausfälle gemeldet, darunter zwischen Sankt Salvator und Staudachhof sowie zwischen Deinsberg und Verlosnitz. An der Behebung wird gearbeitet.

Die Landesalarm- und Warnzentrale meldete über 30 Einsätze. Immer wieder müssen Fahrzeuge von den Feuerwehren geborgen oder Straßen von umgestürzten Bäumen befreit werden.

In St. Urban, im Bezirk Feldkirchen, ist ein 18-Jähriger am Mittwochabend auf der schneeglatten Fahrbahn ins Schleudern gekommen. Der Pkw drehte sich und krachte auf der Gegenfahrbahn in das Auto einer 42-Jährigen. Der 18-Jährige wurde mit Verletzungen in das Klinikum Klagenfurt geflogen.

Auch die Gailtalbahn zwischen Arnoldstein und Hermagor war kurzzeitig außer Betrieb, die Züge verkehren aber wieder, hieß es von der ÖBB.

Unfälle in Vorarlberg

In Vorarlberg haben die Neuschneemengen zu zahlreichen Verkehrsbehinderungen und Unfällen geführt. Vor allem im Bezirk Feldkirch sind die Feuerwehren in der Nacht mehrmals ausgerückt.

In Rankweil ist ein Baum auf die Fahrbahn gestürzt und hat die Straße nach Übersaxen blockiert. Einsatzkräfte haben den Baum mit einer Motorsäge zerkleinert und entfernt. In Viktorsberg kam ein Auto von der Straße ab und prallte gegen einen Baum. In Röthis ist nach ersten Informationen ein 45-jähriger mit seinem Auto von Viktorsberg kommend von der Fahrbahn abgekommen, in einen Graben gerutscht und dort in einen Baum geprallt.

Osten des Landes

Selbst im östlichen Flachland kommen zehn bis 20 Zentimeter Neuschnee zusammen. In Fürstenfeld etwa gibt es 15 Zentimeter Neuschee - die dickste Schneedecke seit neun Jahren.

Schuld ist ein Italientief, das am Donnerstag über Ungarn hinweg in Richtung Polen zieht und in weiten Teilen des Landes eine ordentliche Ladung Neuschnee bringt. Und Ubimet-Chefmeteorologe, Manfred Spatzierer, fügt hinzu: "Solch ein markantes Schneeereignis im östlichen und südöstlichen Flachland gab es zuletzt im Winter 2012/2013 und somit vor knapp zehn Jahren.“

70 Zentimeter Neuschnee in Karnischen Alpen

Während diese Schneemengen im Osten vor allem eines bedeuten - Chaos, kann sich der Westen über eine gute Unterlage für die Weihnachtsfeiertage freuen. Bereits am heutigen Mittwochnachmittag bzw. Abend schickt hier Frau Holle kräftige Grüße aus. Zunächst in Vorarlberg, Osttirol, Tirol, und Kärnten. Der Schneefall breitet sich dann in der Nacht auf Donnerstag auf das ganze Land aus. Was sich besonders im Frühverkehr bemerkbar machen dürfte. 

Im Westen werden bis auf 400 bis 500 Metern zwischen 30 bis 50 Zentimeter Neuschnee erwartet. "Im Bereich der Karnischen Alpen, also zur Grenze zu Italien könnten es sogar 60 bis 70 Zentimeter werden", erklärt der Meteorologe. In den Nordalpen werden 30 bis 50 Zentimeter erwartet. In Osttirol und dem restlichen Gebiet von Kärnten 20 bis 40 Zentimeter. 

Lediglich im westlichen Donauraum rund um Linz bildet sich aller Voraussicht nach nur eine sehr dünne Schneedecke aus. Eine landesweite Schneedecke Anfangs Dezember kommt aus klimatologischer Sicht etwa alle fünf Jahre vor.

Der Schnee ist gekommen, um zu bleiben

Nach einer kurzen Wetterberuhigung am Freitag setzt im Westen bereits in der Nacht auf Samstag vorübergehend wieder kräftiger Schneefall ein und auch am Wochenende geht es entlang der Nordalpen winterlich weiter. Hier kommen ein paar Zentimeter Neuschnee hinzu. Große Neuschneemengen sind nach derzeitigem Stand aber nicht mehr zu erwarten und im Süden kommt dank kräftigen Nordföhns wieder häufig die Sonne zum Vorschein.

Die Temperaturen bleiben aber landesweit auf einem winterlichen Niveau. Erst in der neuen Woche ist eine leichte Erwärmung in der Höhe wahrscheinlich, wobei gleichzeitig die Neigung zu kalten und nebelanfälligen Inversionen in den Niederungen der Osthälfte zunimmt. Der gefallene Schnee könnte sich somit bis in die zweite Dezemberhälfte hinein nicht nur im Bergland, sondern auch in manchen Niederungen relativ gut erhalten. Vor allem in den Alpen und im Süden steigt damit auch die Chance für weiße Weihnachten.

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