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Chronik Österreich
06/11/2021

Weshalb Salzburg über Karajan-Platz und Porsche-Straße diskutiert

Historikerbericht moniert "gravierende NS-Verstrickung" der Namenspaten, doch wie gehen Städte mit belasteten Benennungen um?

von Elisabeth Holzer, Stefanie Rachbauer, Patrick Wammerl

NSDAP-Mitgliedsnummer: 3.430.914, ausgestellt am 1. Mai 1933 in Ulm in Deutschland. Eine Zweitaustellung nach dem Umzug aus Salzburg: Herbert von Karajan begehrte bereits am 8. April Mitgliedschaft bei einer Salzburger NSDAP-Ortsgruppe.

Nach 1945 stellte der Dirigent seinen Parteibeitritt als erzwungen dar. Doch der Bericht jenes Historikerbeirates, der seit 2018 nach Straßennamen mit NS-Bezug in der Stadt Salzburg suchte, ist deutlich: Der Österreicher stieg in Nazi-Deutschland sehr hoch und dirigierte in der NS-Propaganda mit.

1991 wurde in Salzburg ein Platz nach Karajan benannt. Der Dirigent ist jedoch einer von 66 Namenspaten, bei denen Nazi-Bezug festgestellt wurde. Außerdem einer von 13, den die Historiker als bedenklich für öffentliche Benennungen werten. Neben Karajan setzten sie auch Ferdinand Porsche und Heinrich Damisch, den Mitbegründer der Festspiele, auf die Liste jener, die gravierend in das NS-Regime verstrickt gewesen seien, aber dennoch mit Straßen geehrt wurden.

Das bedeute „Diskussions- und Handlungsbedarf“ für die Politik, wie es im Bericht heißt. „Es ist zu klären, ob mit einer Erläuterungstafel das Auslangen gefunden wird oder eine Umbenennung in Erwägung gezogen werden soll.“ Diese Diskussion will die Salzburger Politik bis Herbst beenden.

Spezielle Lösung in Graz

Graz hat diese Debatte bereits hinter sich  - und sehr speziell gelöst. 707 Straßen oder Plätze sind in Graz nach Menschen benannt. 2018 stufte eine Historikerkommission 82 als bedenklich ein, 20 von ihnen als „äußerst problematisch“: Die Experten stießen sich an Straßenbenennungen nach Kriegstreibern und Antisemiten vor dem Ersten Weltkrieg ebenso wie Nationalsozialisten. Doch eine Umbenennung kam für die ÖVP-FPÖ-Rathausallianz nicht in Frage. Stattdessen erhalten alle Straßen mit personenbezogenen Namen Zusatztafeln. Die erste bekam im Februar der Maria-Cäsar-Park, benannt nach der Widerstandskämpferin. 2028 will Graz mit dem Projekt fertig sein.

Weitere Tafeln in Wien

Die Stadt Wien ließ ebenfalls personenbezogene Straßennamen von einer Historikerkommission aufarbeiten, exakt 4.379. Nach dem Abschlussbericht 2013 wurden 28 Straßen, bei denen die Experten „intensiven Diskussionsbedarf“ feststellten, mit Zusatztafeln ausgestattet. Bei weiteren 150 als „problematisch“ eingestuften Fällen geschah nichts – bis heuer: Im April kündigte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) an, dass auch diese 150 Straßen Zusatzschilder bekommen sollen. Derzeit werden die Texte dafür erarbeitet, montiert werden sollen die Tafeln noch heuer. Unabhängig von der Kommission wurde 2012 der Dr.-Karl-Lueger-Ring in Universitätsring umbenannt.

Im Kurort Semmering sucht man nach einer neuen Bezeichnung für die Dr. Hermann Stühlinger Straße, benannt nach einem Arzt mit NSDAP-Hintergrund. Fast wäre der Gemeinde dabei ein weiterer Reinfall passiert: Die Gemeinde hatte die Semmeringer Skilegende Josef Wallner als Namensgeber vorgeschlagen. Doch auch er war NSDAP-Mitglied und saß mehrere Jahre in Haft. Bis zur Gemeinderatssitzung am 2. Juli soll ein geeigneter Kandidat gefunden werden.

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