© Kurier / KURIER/VOGL-PERSPEKTIVE.AT - Mike Vogl

Reportage
06/21/2020

Trend Wolfgangsee: „Österreicher erinnern sich an Sommerfrische“

Das Touristenziel mit Historie wird von Inlandsurlaubern schon in der Vorsaison gestürmt.

von Matthias Nagl

Selbst Peter Alexander hat im „Weissen Rössl“ ein Plexiglas-Visier. Aus Pappe steht er im Restaurant der berühmten Filmkulisse für Selfies bereit und trägt wie das Personal einen Spuckschutz. Die Corona-Einschränkungen lassen sich auch am Wolfgangsee nicht ganz vergessen. Doch mit Peter Alexander hofft die ganze Region, dass er als Oberkellner Leopold auf vielen Selfies landet. Weil das hieße, dass dann viele Gäste ihren Sommer am Wolfgangsee verbringen.

Bei einem Besuch des KURIER deutet allerdings noch wenig darauf hin. In den Restaurants und Cafés sind an einem wolkenverhangenen Vormittag noch viele Plätze leer, vereinzelt sind schon Gäste unterwegs, die MS Salzkammergut der Wolfgangseeschifffahrt dreht mit nur einer Handvoll Passagieren ihre Runden auf dem ruhigen See.

Und doch war der Start aus dem Lockdown am Wolfgangsee vielversprechend. Besser als erwartet. „Am vergangenen langen Wochenende war es wie sonst in der Hochsaison. Das war wirklich hervorragend“, sagt Hans Wieser, Geschäftsführer des Wolfgangsee Tourismus. Auch für den Sommer sieht es gut aus. „Das Buchungsverhalten für Juli und August ist sehr gut. Für den Herbst ist es teilweise jetzt schon ausgezeichnet.“

Veränderter Gästemix

Gudrun Peter, die Rösslwirtin, berichtet Ähnliches: „Es läuft besser als befürchtet.“ Die langen Wochenenden seit dem verspäteten Saisonstart seien ermutigend gewesen. „Da haben wir gemerkt, dass sich die Österreicher ein bisserl an die Sommerfrische zurückerinnern und das genießen“, sagt Peter.

Auch bei der Herkunft der Gäste gibt es eine – notgedrungene – Abkehr von der Internationalität hin zu einem Gäste-Mix wie zu Großvaters und Urgroßmutters Zeiten. Praktisch keine Engländer und US-Amerikaner mehr, sondern hauptsächlich Österreicher und Deutsche. Das Reiseverhalten hat sich freilich geändert.

Bisher profitierten besonders Campingplätze. Die waren teilweise schon an den verlängerten Wochenenden ausgebucht, in der Top-Hotellerie ist die Zurückhaltung ein bisschen größer. Aber auch Häuser wie das „Weisse Rössl“ profitieren in der Gastronomie von Österreichern, die die Heimat neu entdecken. „Wir haben jetzt oft gehört, wir haben gar nicht gewusst, dass es bei euch wirklich so schön ist“, erzählt Peter.

Weniger Tische, mehr Umsatz

Die Begeisterung schlägt sich  auch im Konsum nieder. „Ich glaube, dass viele Menschen das Bedürfnis haben, sich jetzt einmal etwas Gutes zu tun. Dieses ,Das gönnen wir uns jetzt’ merken wir im Restaurant“, sagt die Rösslwirtin. Dort gebe es im Moment um ein Drittel weniger Tische als vor Corona. Dennoch gab es an den verlängerten Wochenenden mehr Umsatz als an vergleichbaren Wochenenden in der Vergangenheit. Auch der Champagner-Absatz hat zugenommen.

Das Eventhotel Scalaria, das bisher ausschließlich für Firmenevents zu buchen war, sattelt um und vermietet seine Zimmer in diesem Sommer auch an Individualtouristen. Wenn das gut funktioniert, werde man das zum Teil beibehalten, sagt Scalaria-Chef Peter Gastberger.

Aktuell dominieren die Vorbereitungen auf die Sommersaison die Orte rund um den See wie St. Wolfgang, Strobl und St. Gilgen. In den Ortszentren sind viele Handwerker unterwegs. Auch in vielen Hotels wird noch gearbeitet.

Hoffnung auf das „blaue Auge“

Die neue Freiheit motiviert aber schon jetzt verstärkt zu Kurzurlauben und Ausflügen in der näheren – und ferneren – Umgebung. „Wenn das Wetter und die Wettervorhersage gut sind, haben wir spontan mehr Gäste, als wir  vielleicht sonst hätten. Der Wunsch hinauszufahren und etwas Anderes zu sehen, ist sehr, sehr groß“, erklärt Wieser.

Das lässt auch seltene Gäste an den Wolfgangsee kommen. „Wir hatten in den letzten Wochen sehr viele Tiroler und Kärntner, was sonst nicht der Fall ist“, sagt Wieser. Der überraschend gute Start sorgt rund um den Wolfgangsee für Optimismus. „Wenn sich der Herbst  so entwickelt, wie es jetzt aussieht, werden wir mit dem berühmten blauen Auge davonkommen“, ist Wieser überzeugt.

Einzelne Betriebe hoffen sogar, das Minus des Lockdowns komplett aufholen zu können. Für die ganze Region wird das nicht gelingen. „Ganz, ganz vorsichtig geschätzt, wenn die Situation so bleibt, wie sie ist, könnten wir mit einem Minus zwischen 10 und 20 Prozent rechnen“, sagt der Tourismus-Chef.

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