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Wirtschaft
06/21/2020

Warum Stadthotels trotz allem offen haben

Gar nicht aufzusperren wäre noch teurer, sagt Matthias Winkler, Chef des Wiener Hotels Sacher.

von Simone Hoepke

In einem Punkt sind sich alle Experten einig: Der Städtetourismus wird am längsten brauchen, um sich von den Folgen der Pandemie zu erholen. Schätzungen zufolge wird er erst 2024 das Vorkrisen-Niveau wieder erreichen.

Nach Wien reisen in normalen Zeiten mehr als 80 Prozent der Gäste mit dem Flugzeug, doch der Flugverkehr kam zuletzt völlig zum Erliegen. Und selbst wenn wieder mehr Maschinen in Schwechat landen, heißt das noch lange nicht, dass diese gut gebucht sind.

Reisen werden gestrichen. Ob aus Mangel an Zeit (Stichwort: Urlaubsabbau) oder Geld (Stichwort Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit). Dazu kommen gecancelte Kongresse, Veranstaltungen und Geschäftsreisen.

„Wenn Sie jetzt als Tourist nach Wien kommen, rollen Ihnen alle den roten Teppich aus“, sagt Matthias Winkler, Geschäftsführer der Sacher-Gruppe. In der Lobby seines Hotels schräg gegenüber der Wiener Oper herrscht normalerweise geschäftiges Treiben. An diesem Juni-Tag könnte man in der Lobby die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören. Von den 150 Gästezimmern sind gerade einmal 25 belegt, fünf der sieben Etagen sind gesperrt.

Kein Einzelfall

Viele Hotel-Manager in der Stadt sperren ihre Häuser erst gar nicht auf. „Anfang Juni hatten ein Fünftel bis ein Viertel der Hotels geöffnet, ich glaube nicht, dass es mittlerweile mehr geworden sind“, bestätigt Walter Straßer, Sprecher des Wien Tourismus. Die Stadt lebt von den „zwei K’s“, Kultur und Kongresse.

Beides Randerscheinungen in Corona-Zeiten. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Veranstaltungen unter gewissen Umständen (begrenzte Teilnehmerzahl und zugewiesene Sitzplätze) mittlerweile wieder erlaubt sind.

Ob die Tristesse im Städtetourismus potenziellen Gästen die Möglichkeit eines günstigen Check-Ins im Luxushotel eröffnet, bleibt abzuwarten. Noch beteuern alle Hoteldirektoren, dass sie unter keinen Umständen die Preisspirale nach unten in Gang setzen werden.

Aber lohnt es sich überhaupt, bei einer Auslastung von zehn, zwanzig Prozent aufzusperren? „Nein“, sagt Winkler ohne zu zögern. „Aber es ist noch immer günstiger als zuzusperren.“ Damit würde er sich nämlich auch die Tür zu Reisebüros und Agenturen zuschlagen, mit denen er kooperiert. „Da bist du sofort weg und ersetzt.“

Die Konkurrenzkampf mit übermächtigen internationalen Ketten, die auf Millionen von Kundendaten sitzen, sei schon jetzt schwer genug. Die 350 Mitarbeiter im Hotel Sacher sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in Kurzarbeit. Winkler: „Und diese werden wir bis September verlängern.“

Die Tourismusverantwortlichen der Stadt Wien rechnen frühestens im ersten Quartal 2021 mit einer ersten Erholung. Dass die Nachfrage von Gästen aus den Nachbarländern langsam wieder anspringt, ist ein kleiner Trost.

Zur Größenordnung: Gäste aus Slowenien oder Slowakei waren zuletzt für je 0,4 Prozent der Nächtigungen in Wien verantwortlich, auch bei Gästen aus Tschechien oder Ungarn waren die Anteile nicht wesentlich höher. Ohne Fluggäste geht ins Wien also gar nichts.

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