© Sauper

Wirtschaft
06/21/2020

Bergführer-Obmann: „Können auf ein relativ normales Geschäft hoffen“

Auch im Corona-Sommer zieht es viele auf die Gipfel. Es gibt aber neue Unsicherheitsfaktoren.

von Simone Hoepke

Der Großglockner ist mit 3.798 Metern der höchste Berg Österreichs und zieht jedes Jahr hunderttausende Besucher an. Toni Sauper, Obmann der Kärntner Berg- und Skiführer, über seine Erwartungen an den Sommer, die geringe Frauenquote unter Bergführern und Politiker auf dem Weg zum Gipfel.

KURIER: Sie führen viele Gruppen auf den Glockner. Wie oft waren Sie selbst schon am Gipfelkreuz?

Toni Sauper: Das zähle ich wirklich nicht, für mich ist das völlig bedeutungslos. Müsste ich schätzen, würde ich sagen, sicher an die 400 Mal.

Wie sind Ihre Erwartungen an die heurige Sommersaison? Werden coronabedingt Gäste ausbleiben?

Die Nachfrage ist gut, wir können im Sommer auf ein relativ normales Geschäft hoffen. Aber im Winter haben wir fast zwei Monate verloren – im hochalpinen Raum gehen wir sonst ja bis in den Mai mit Gruppen Skitouren. Zudem gibt es heuer neue Unsicherheitsfaktoren. Etwa das Risiko, dass wir einen Corona-Fall auf einer Hütte haben und dann für zwei Wochen ausfallen.

Woher kommen die meisten Gäste am Großglockner?

Hauptsächlich aus dem deutschsprachigen Raum und hier wiederum vor allem aus Österreich.

Politiker posten gerne Fotos vom Gipfelkreuz. Sind wirklich alle so sportlich, wie es auf den Bildern ausschaut?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Ich habe schon Politiker erlebt, die mit ihrer Entourage angereist sind und sich aufgeführt haben, als würde der Berg ihnen gehören. Mit ihren eigenen Bergführern, die ein Fixseil von unten bis ganz oben spannen, damit die ganze Entourage raufkommt und Social-Media-taugliche Fotos macht. Andere gehen auf den Berg wie jeder andere auch.

Wie viele Bergführer gibt es in Österreich?

Im Kärntner Verband haben wir 107 Bergführer, österreichweit sind es zwischen 1.400 bis 1.500, davon ein knappes Drittel hauptberuflich. Die Hälfte der österreichischen Bergführer sind wenig überraschend in Tirol.

Wie hoch ist eigentlich die Frauenquote?

Niedrig, in Kärnten haben wir eine einzige Bergführerin.

Woran liegt’s?

Es hat aus meiner Sicht mehrere Gründe. Generell ist der Männeranteil am Berg relativ hoch und das in allen Disziplinen – von Skitouren über Klettern bis zum Eisklettern. Um die Aufnahmsprüfung zu schaffen, muss man in allen Bereichen auf einem hohen Niveau sein. Die Ausbildung ist intensiv und dauert drei Jahre, das passt dann bei vielen nicht mit dem Thema Familienplanung zusammen. Bei den Aufnahmeprüfungen sieht man jedenfalls eines immer: Männer überschätzen ihr Können tendenziell, Frauen unterschätzen sich eher. Daran wird es zum Teil auch liegen.

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